Dreiteiler

Arte zeigte starke Doku über Hochkulturen des Regenwaldes

Forscher entdecken riesiges Maya-Monument

Wissenschaftler in Mexiko haben die größten und ältesten Überreste einer Maya-Siedlung entdeckt. Sie stammen offenbar aus der Zeit um das Jahr 900 vor Christus.

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Essen.  Sehenswerter Doku-Dreiteiler auf Arte: „Söhne der Sonne“ ist eine Entdeckungsreise zu den Hochkulturen der Maya, Inka und Azteken.

Die dreiteilige Arte-Dokumentation „Söhne der Sonne“ (Samstag, 27. Juni, ab 20.15 Uhr) über Aufstieg und Fall der altamerikanischen Imperien von Maya, Inka und Azteken ist ein Paradebeispiel dafür, wie bereichernd, spannend und unterhaltsam die Vermittlung von Wissenschaft und Forschung sein kann.

Viele in jüngster Zeit interdisziplinär gewonnene Erkenntnisse haben zur Revidierung alter Gewissheiten und zu neuen Fragen geführt. Eine der Schlüsseltechnologien ist dabei „Lidar“ (Light detection and ranging), ein zunehmend in der Luftbild-Archäologie genutztes radarähnliches Laser-System. Störender Bewuchs kann am Rechner relativ einfach „weggefiltert“ werden, zutage tritt die nackte Oberfläche.

Mit schöner Regelmäßigkeit sind so in letzter Zeit im Regenwald bislang unbekannte Maya-Stätten entdeckt worden. Der erste Film des Dreiteilers führt in diese Grenzregion zwischen Guatemala und Mexiko. Dort zeigt sich dank „Lidar“ nicht nur eine der frühesten Maya-Siedlungen überhaupt.

Hochkultur in Lateinamerika: Engmaschiges Straßennetz, Paläste, Pyramiden

Um 850 v. Chr., lange vor dem Aufstieg Roms, war El Mirador einer der größten, am weitesten entwickelten Städte der Welt: mit engmaschigem Straßennetz, Tempeln, Palästen, Verteidigungsanlagen, Gehegen für die Tierzucht, Terrassen für die Landwirtschaft und nicht zuletzt der größten amerikanischen Pyramide, die vom Volumen her sogar mächtiger war als die des Cheops.

Geschätzte 250.000 Menschen lebten in der Stadt, eine Million siedelte im Umland. Während Rom, das zu seiner Blütezeit etwa so groß war wie El Mirador, auf Getreidelieferungen aus fernen Provinzen angewiesen war, lebten die Maya schon früh dank kluger Agrarwirtschaft als Selbstversorger und „Exporteure“.

Unter Vulkanasche-Ablagerungen bei Joya de Cerén, einem mittelamerikanischen Pompeji, sind sogar die Reihen der angehäufelten Pflanzbeete erhalten. Die Altamerikanistin Dr. Antje Gunsenheimer nennt die von den Maya betriebene Züchtung eines Wildgrases hin zum erfolgreichsten Nahrungsmittel der Welt, dem Mais, eine der größten Domestizierungsleistungen des Menschen.

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Die Maya führten die Null als Rechengröße ein

Im Zeitalter der Digitalisierung betrifft uns anderes noch stärker. Wie sähe die Welt aus, hätten nicht die Maya erstmals die Null als Rechengröße eingeführt?

Eigene schriftliche Zeugnisse über die Geschichte und das Weltbild der Maya haben den noch nicht vollends enträtselten Untergang der Kultur im 9. Jahrhundert und die späteren Säuberungen der Spanier kaum überlebt. Gerade einmal vier Kodizes sind erhalten, doch die belegen, dass die Maya als eine von fünf Hochkulturen eine eigene Schrift entwickelt haben.

Bei den vermeintlich piktografischen Symbolen handelt es sich um eine Kombination aus Wort- und Silbenzeichen, mit denen man auch komplexe Gedanken ausdrücken konnte. Der Bonner Altamerikanist Prof. Nicolai Grube, der als einer der wenigen Experten weltweit die Entschlüsselung der Maya-Schrift entscheidend vorangetrieben hat, fungierte bei den Teilen „Maya“ und „Azteken“ auch als wissenschaftlicher Berater.

• Samstag, 27. Juni, 20.15 Uhr, Arte: „Söhne der Sonne“

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