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CDU-Politiker Mike Mohring bei Lanz: „Ich wollte ja leben!“

Mike Mohring, CDU-Fraktionsvorsitzender von Thüringen, war bei „Markus Lanz“ zu Gast.

Mike Mohring, CDU-Fraktionsvorsitzender von Thüringen, war bei „Markus Lanz“ zu Gast.

Foto: Martin Schutt / dpa

Berlin  Mike Mohring war so etwas wie Deutschlands bekanntester Krebspatient. Bei „Lanz“ sprach er nun über Todesängste und seine Heilung.

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Sieben Monate hat Mike Mohring, der Spitzenpolitiker der Thüringer CDU, gekämpft. Acht Chemotherapien hinter sich gebracht. Und immer war die Angst da, ob es überhaupt etwas bringt. „Seit vorgestern weiß ich, es hat sich gelohnt“, sagt der 47-Jährige mit strahlenden Augen.

Der Arzt sei ihm um den Hals gefallen und habe ihm die frohe Botschaft mitgeteilt, es seien keine Krebszellen mehr vorhanden. „Es war eine Riesenerleichterung, eine irre Freude.“ Eigentlich habe er am 22. Dezember Geburtstag, doch jetzt sei der 11. Juni sein zweiter Geburtstag.

Wann er Todesängste erlebt habe, fragt Lanz. Es gab für Mohring genau zwei Momente: Die Nacht vor der Abschlussuntersuchung am Dienstag. „Ich war so aufgeregt. Ich konnte kaum schlafen. Die Vorstellung, dass ich das vielleicht alles noch einmal durchmachen muss“, sei fast unerträglich gewesen. Der andere Moment war der, als die Ärzte ihm vor sieben Monaten sagten, dass er Krebs hat. „Ist das Leben vorbei?“, habe er sich gefragt. „Und was mach ich noch bis dahin?“ Auch Mediziner habe Mohring gefragt „Ich habe die Ärzte gefragt, ob ich das überlebe“.

Mike Mohring bei „Markus Lanz“: Krebserkrankung hat ihn als Politiker komplett verändert

Doch die Ärzte hätten ihm Mut gemacht. Und er, er habe sich komplett auf sie verlassen. „Ich wollte ja leben!“ Dass er seine Krankheit öffentlich gemacht hat, sei für ihn eine Riesenhilfe gewesen. Er habe so viel Zuspruch erfahren. Und er habe umgekehrt gehört, dass er wiederum denen Mut gemacht habe, die eben nicht wie er in der Öffentlichkeit stehen.

Mohring habe stellvertretend für sie auf das Leiden eines Krebskranken aufmerksam gemacht. Darauf was es bedeutet, wenn die Chemoflüssigkeit, die als Infusion in den Körper gebracht wird, die Gefäße angreift. Wenn sich die Venen entzünden. Wenn dann nur noch ein operativer Eingriff hilft, bei dem ein venöser Zugang vom Arm bis zum Herzen gelegt wird. Hinzu komme die ständige Angst vor Infektionen, weil die Chemotherapie das Immunsystem herunterfährt. Eine einschneidende Erfahrung sei vor allem der Verlust der Haare gewesen.

Dadurch sei die Krankheit so überdeutlich geworden, habe sich nicht mehr leugnen lassen. Beim Anblick eines Fotos von ihm mit Käppi, das eingeblendet wird, zeigt Mohring sich sehr bewegt. Glatze, keine Wimpern, keine Augenbrauen, zudem habe er „brutal abgenommen“. Die Krebserkrankung habe ihn als Politiker komplett verändert.

Mohring geht Wahlkampf mit „großer Entspanntheit und Gelassenheit“ an

„Es relativiert sich alles, denn meinen größten Kampf habe ich in diesem Jahr schon gewonnen.“ Klar, wolle er Ministerpräsident werden. Doch er geht das mit „großer Entspanntheit und Gelassenheit“ an. Er brauche Politik nicht mehr, um sich etwas zu beweisen. „Ich habe mein Leben zurückgewonnen.“ Mehr geht nicht.

Ein bisschen schwer nach so einem emotionalen Gespräch wieder auf die Politik zurückzukommen. Warum die AfD im Osten so stark vertreten ist, diese Frage beschäftigt wohl alle, auch Lanz. Zur Klärung war die Journalistin Jana Hensel („Zeit online“) geladen. Ihr war es wichtig, ein differenziertes Bild abzugeben: Da, wo der Osten prosperiert, da wo ein gewissen Wohlstand vorhanden ist, werde eher im Bundestrend gewählt, das habe die Europawahl gezeigt.

Ein Grund für die Bereitschaft, AfD zu wählen, sei aus ihrer Sicht die Ausbildung eines speziellen Männlichkeitstyps, der sich repräsentiert sehen wolle. Männer seien auch deshalb so viele vertreten, weil viele, vor allem gut ausgebildete, Frauen abgewandert seien. Hat man alles so oder ähnlich schon mal gehört.

„Markus Lanz“: Wie ein Biobauer den Erfolg der AfD erklären sollte

Was Menschen denn nun wirklich dazu motivieren könnte, die AfD zu wählen – das sollte nun der Biobauer Markus Plenk erklären, der im April die Partei verlassen hatte und zwar mit folgenden Worten: „Ich habe es satt, die bürgerliche Fassade für eine fremdenfeindliche Partei zu sein.“ So einer packt aus. Doch da hatte man wohl zu viel erwartet. Plenk, einer der beiden Vorsitzenden der AfD-Fraktion im bayerischen Landtag, larvierte herum.

Er begründete seine Sympathie mit dem Wunsch, sich auf kommunalpolitischer Ebene in Sachen Landwirtschaft durchzusetzen. Er wollte eben einfach in einer kleinen Partei mitmischen. Lanz ließ ihm das nicht durchgehen. Da hätte Pkenk ja auch zur FDP gehen können. Zum Zeitpunkt seines Eintretens in die AfD sei es doch ganz klar um das Thema Migration gegangen, gibt ihm Lanz Nachhilfe. Plenk räumt ein, dass er Merkels Politik als „sehr ineffektive Herangehensweise“ verstand, dass „vieles verschlafen“ wurde.

Dass Lanz dann noch das Video eines schlimmen Auftritts des AfD-Landtagabgeordneten Andreas Winhart einspielte, in dem er sich rassistisch über „Albaner und Kosovaren“ äußert, die als potenzielle Krankenpfleger nur die Gesundheit der Patienten gefährde, musste Plenk schlucken. „Das ist hart.“

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Für ihn der Grund, aus der Fraktion wie aus der Partei auszutreten, waren vor allem „zwei Mitarbeiter mit lupenreiner Neonazi-Biografie – das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“ Was die Reaktion auf seinen Austritt aus der Partei gewesen sei, will Lanz wissen. „Druck“, sagt Plenk. Er sei mit Hassmails überschüttet worden. „Drohungen, Beleidigungen und Diffamierungen“ waren die Folge.

Das habe er überstanden. Jetzt überlege er, in die CSU einzutreten. Lanz kontert: Aber das hätte er auch schon vorher machen können! Ja, ihm habe die AfD-Mitgliedschaft geschadet, resümiert Plenk. „Viele Freunde haben sich abgewandt.“ Aber sein Austritt wiederum habe ihm auch neue Sympathien eingebracht. „Sehr viele fanden das gut, auch die liberalen AfD-Kreise.“

Die aktuelle Ausgabe von „Markus Lanz“ gibt es in der ZDF-Mediathek.

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