Sat. 1

„Dancing on Ice“: Wir brauchen dringend gute Castingshows

Kevin Kuske, Bob-Olympiasieger, und Myriam Leuenberger auf dem Eis.

Kevin Kuske, Bob-Olympiasieger, und Myriam Leuenberger auf dem Eis.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Nicht jede Castingshow ist eine Verblödungsoffensive. Bei „Dancing on Ice“ zum Beispiel kann man mächtig ins Philosophieren geraten.

Sofa, Chips, Glotze – das klingt nach Jogginghose und fettigen Haaren. Und wer jetzt noch zugibt, dass er Castingshows guckt, der kann auch gleich zugeben, dass er Plastiktüten kauft. Castingshows, Pfui Deibel. Exhibitionismus? Voyeurismus? Bitte mal innehalten.

Wir sind doch nicht alle Dschungelcamp. Es gibt Shows, in denen sich Leute so krumm legen, dass sie sich halb die Beine brechen und blaue Flecken holen. Die so viel Einsatz zeigen, um genau das zu erbringen, was doch zu unseren besten Tugenden zählt: LEISTUNG! Vielleicht tragen diese Shows einfach nur den falschen Namen.

„Dancing on Ice“ zum Beispiel (sonntags auf Sat. 1). Wie sich das anhört, wie Barbiepuppengedöns. Ist aber, Achtung!, besser als „Tatort“ und Herzkino. Warum? Weil es etwas mit uns zu tun hat.

Bobweltmeister Kevin Kuske, grazil wie ein Balletttänzer

Als bei „Let’s Dance“ (RTL) Angelina Kirsch aufkreuzte, zeigte sie doch ganz eindeutig, dass Frauen auch abseits der XXS-Linie eine traumhafte Ausstrahlung haben. Kirsch, das Plus-Size-Model, bewegte sich fantastisch, zeigte eine Lebensfreude, die so ansteckend war, dass man sich nicht mehr schämte, wenn man sich noch ein Stückchen Schokolade gönnte. Auf einmal war das Leben einfach – und eben auch für die, bei denen der Bauch nicht flach wie eine Rigipsplatte war.

Bei „Dancing on Ice“ ist es anders. Da werden keine Schönheitsideale über den Haufen getanzt. Aber trotzdem passiert etwas mit uns: Wenn Leute wie ein ehemaliger Bobweltmeister namens Kevin Kuske – ein Brecher von Mann – so filigrane Kurven fahren kann und eine Profieisläuferin auf Armen trägt , dann können wir alle mehr, als in uns steckt.

Könnte man das auch, wenn man sich genügend anstrengt?

Gut, das mag naiv sein. Und voreilig: Sarah Lombardi hat sich böse verletzt, sie musste passen. Aber warum schon wieder Negativbeispiele. John Kelly, eigentlich doch Sänger, aber haben Sie erlebt, was der für Pirouetten dreht?! Oder Timur Bartels, Jungstar aus „Club der Roten Bänder“: Dreifachsprünge legt der hin. Das ist doch – jetzt mal wirklich ohne Häme – unglaublich. Die haben monatelang trainiert. Und wir?

Wir, die wir auf dem Sofa sitzen, müssen ja nicht auch gleich aufs Eis. Aber wir merken, dass schon noch was geht. Es muss uns gar nicht erst einer zum Casting einladen. Man sitzt da, überlegt, wie es wäre: Pirouette vielleicht? Doppelter Rittberger? Könnte man das auch, wenn man sich nur anstrengt?

Oder vielleicht könnte man ja was anderes? Theaterspielen, Berge besteigen oder einfach mal der Oma von oben etwas aus der Zeitung vorlesen? Sie finden das Unsinn? Was hat das mit einer Castingshow zu tun? Nichts. Und alles. Man kann mehr als man denkt, das zeigt doch diese Show. Also, Leute: Nicht jede Castingshow ist eine Verblödungsoffensive.

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