ZDF-Fernsehfilm

„Das Menschenmögliche“: Die Geschichte eines kranken Systems

Während ihrer Facharztausbildung arbeitet Judith (Alissa Jung, r.) in der chronisch unterbesetzten Notaufnahme. Und macht einen Fehler.

Während ihrer Facharztausbildung arbeitet Judith (Alissa Jung, r.) in der chronisch unterbesetzten Notaufnahme. Und macht einen Fehler.

Foto: Daniel Schmid / dpa

Essen.  Der Film „Das Menschenmögliche“ (ZDF) über Missstände im Krankenhaus ist für Fernsehzuschauer ein Glücksfall – wenn auch ein erschütternder.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Ärzte haben den besten Beruf von allen. Ihre Erfolge laufen herum, ihre Misserfolge werden begraben.“ Erwartungsgemäß löst das Witzchen von Dr. Pöllnitz das zustimmende Gelächter seiner Mitarbeiter aus. Nur Judith Asmussen (Alissa Jung) ist das Lachen längst vergangen, zumal sie weiß, dass der Vorstandsvorsitzende des Krankenhauses es ernst gemeint hat.

Schwerwiegende Fehler bei Diagnose und Behandlung werden, wie organisatorische Mängel, am besten totgeschwiegen. Im wohlverstandenen Interesse der Klinik und natürlich auch im eigenen. Judith hat einen solchen Fehler gemacht – sie kann aber die Erinnerung daran einfach nicht verdrängen.

Unbekannte, vorzügliche Darsteller

Der erschütternde, vielleicht deshalb im Spätprogramm versteckte Fernsehfilm „Das Menschenmögliche“ ist für jeden Zuschauer, dem der Sinn nach mehr steht als gefälliger Unterhaltung, ein Glücksfall. Eva Wolf (Buch und Regie) hat sich bislang einen Namen als Dokumentarfilmerin gemacht; ihre letzte Dokumentation „Intensivstation“, in dem sie sich kritisch mit dem Arbeitsort Krankenhaus auseinandersetzte, wurde für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Dass die einschlägigen Recherchen ihrem Spielfilm-Debüt zugutekommen würden, konnte man erwarten. Nicht unbedingt zu erwarten war die bis in kleinste Szenen, Konstellationen und Dialoge reichende Souveränität, mit der sie ihre Geschichte über ein krankes System erzählt. Dass so gut wie alle Parts mit weitgehend TV-unbekannten, ganz vorzüglichen Darstellern besetzt sind, ist ein zusätzlicher Gewinn.

Überlastung ist Arbeitsalltag

Während ihrer Facharztausbildung arbeitet Assistenzärztin Judith in der chronisch unterbesetzten Notaufnahme. Neueingänge ohne Ende, für jeden Patienten bleiben nur wenige Minuten, der Stressfaktor ist hoch, die Verantwortung höher. Die junge Frau ist übermüdet und zudem genervt vom ständigen Kompetenzgerangel mit der Stationsschwester, die ebenfalls stark überlastet ist und überdies ihren Aufgabenbereich gern selbst definiert. Deshalb nimmt Judith die Blutentnahme bei einer Hochfieber-Patientin selbst vor – und schickt die Probe in der Hektik der Nacht mit einem falschen Namensetikett zur Analyse. Bis zur Auswertung kann die Frau nach Hause – und stirbt tags drauf an einer schweren Blutvergiftung.

Judith soll sich, sagt die Klinikleitung und rät auch ihr Arzt-Freund Max, den Fall nicht so zu Herzen nehmen, soll nicht darüber reden und vor allem kein Schuldeingeständnis ablegen. Dann wird die obligatorische Untersuchung im Sande verlaufen, dann winkt ihr die ersehnte Stelle in der Kardiologie. Um sie und die Klinik solange aus der Schusslinie zu nehmen, wird Judith in den Dienst im Notarztwagen versetzt. Und dort, im aufreibenden Einsatz mit Rettungssanitätern, schärft sich ihr Blick auf die Zustände im Krankenhaus. Wie soll sie künftig alles Menschenmögliche für ihre Patienten tun, wenn die Struktur, die Organisation des Klinikbetriebs dem entgegen steht? Judith bricht ihr Schweigen und zieht die Konsequenzen.

>>> Mittwoch, 10.7., 23.30 Uhr, ZDF

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben