ZDF-Krimireihe

„Wolf im Schafspelz“ ist schön spannend und schön schräg

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Essen.  Im neuen Teil der Reihe „Die Toten von Salzburg“ wird ein Mafia-Kronzeuge ermordet – im Kloster. Ein starker Krimi mit vielen Facetten.

Es sind ungewöhnliche Geräusche, die man in dieser Nacht im Salzburger Kapuzinerkloster hört. Ein Mönch fleht in der Sakristei um sein Leben, wird dann aber doch von einem Unbekannten brutal erschlagen. Etwas später durchzieht ein derart heftiges Stöhnen und Quietschen von Bettfedern das Kloster, dass selbst Mönche davon wach werden.

Auf der Suche nach der Ursache stehen sie plötzlich in dem Zimmer eines Pärchens, das sich gerade sexuell austobt. „Aber Herr Palfinger“, kann einer gerade noch stammeln, „dies ist doch ein Kloster.“ Hier der Tod, dort das pralle Leben, so beginnt diesmal sehr sinnig der fünfte Film der Krimireihe „Die Toten von Salzburg“ mit dem Untertitel „Wolf im Schafspelz“.

„Wolf im Schafspelz“ – das Opfer war kein „Bruder Jakob“

Der rege „Herr Palfinger“, das ist bekanntlich der Salzburger Major Peter Palfinger (Florian Teichmeister), der im Rollstuhl sitzt. Mit Hilfe einer jungen Ärztin ist er inzwischen wieder voller Lebensfreude. Dass er im Kloster lebt, verdankt er seinem Bruder Sebastian (Simon Hatzl), der als Sekretär des Erzbischofs fungiert. Er wusste, dass der jüngst Ermordete kein „Bruder Jakob“ war. Eher schon ein betrügerischer deutscher Investment-Berater, der als Kronzeuge gegen die Münchner Mafia aussagen sollte und hier im Zeugenschutzprogramm geparkt wurde.

Palfinger weiß, dass er es nun wieder mit seinem bayrischen Kollegen Hubert Mur (Michael Fitz) zu tun bekommt, den er zwar schätzt, dessen mürrische Art jedoch nicht immer leicht zu ertragen ist. Besonders bei diesem Fall, denn Mur war lange schon hinter dem Ermordeten her. Er sollte ihm endlich Klarheit darüber verschaffen, wie und warum die Tochter seines einstigen Mentors (Max Herbrechter) hatte sterben müssen.

„Die Toten von Salzburg“ – schräges Österreich muss sein

Soweit der düstere Plot dieses Films, der daneben jedoch noch sehr viel mehr zu bieten hat. Regisseur Erhard Riedlsperger, der die Reihe von Anfang an betreut hat, und Drehbuchautor Stefan Brunner, ebenfalls schon länger an Bord, wollen nicht im starren Krimi verharren, ein wenig schräges Österreich muss schon sein.

Man nehme nur Palfingers Bruder Sebastian, den katholischen Priester. Er wird plötzlich mit einer vermutlichen Stalkerin konfrontiert, die in ihm den Vater ihres Kindes sieht. Während sie schon gern bei ihm einziehen möchte, muss er beim Erzbischof erfahren, dass für solche Fälle inzwischen kein Geld mehr vorhanden sei.

Helmut Bohnatsch zelebriert den blasierten Kellner

Da ist auch wieder Palfingers Vorgesetzter (Erwin Steinhauer), der meist im Café anzutreffen ist. Diesmal lässt er nicht locker, wenn es darum geht, in der völlig überfrachteten Innenstadt noch einen Parkplatz zu ergattern – und sei es im Innenhof des Klosters. Und wie blasiert letztendlich der typische österreichische Caféhaus-Kellner daherkommt, das zelebriert der Schauspieler Helmut Bohnatsch hier nicht zum ersten Mal.

All das fügt sich am Ende zu einer immer wieder betörenden Melange. Für das letzte Zuckerl sorgt am Schluss noch Kameramann Kai Longolius, der die Brüder Palfinger auf dem Dach fotografiert, vor ihnen der Blick auf das nächtliche Salzburg.

• Mittwoch, 1. April 2020, 20.15 Uhr, ZDF: „Wolf im Schafspelz“

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