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„Hart aber fair“: Ostdeutsches Verständnis für Putin?

| Lesedauer: 4 Minuten
Scholz spricht Machtwort in Ampel-Atomstreit - drei Akw können vorerst weiterlaufen

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Berlin.  Blicken viele Ostdeutsche freundlicher auf Putin? Darum ging es bei „Hart aber fair“. Ein Gast fiel mit kontroversen Erklärungen auf.

Bei „Hart aber fair“ ging es am Montagabend um eine delikate Frage: „Warum sehen Ost- und Westdeutsche Russlands Krieg so anders?“, war die Sendung überschrieben.

Diskutiert wurde das Thema von einer bunten Runde. Mit dabei: Der frühere Boxer Henry Maske, die sächsische Politikberaterin Antje Hermenau, der Historiker Stefan Creuzberger, der Publizist Ralf Fücks und die ARD-Moderatorin Jessy Wellmer.

„Hart aber fair“: Im Osten mehr Verständnis für Russland?

Zunächst einmal kann festgestellt werden, dass die Frage der Sendung durchaus berechtigt ist. Schließlich zeigen Umfragen immer wieder, dass es in Ostdeutschland mehr Verständnis für Russland gibt. Das erklärt mitunter auch, warum Politiker wie der sächsische Regierungschef Michael Kretschmer ein „Einfrieren des Krieges“ und Gespräche mit Wladimir Putin fordern.

Woher aber kommt diese Haltung? In der Runde wurde die Prägung aus DDR-Zeiten als ein entscheidender Faktor diskutiert. Der im Osten geborene Henry Maske etwa berichtete, wie er als Sechsjähriger von russischen Soldaten mit Weißbrot bedacht wurde. Auch erinnerte er daran, dass ja Michail Gorbatschow entscheidend für die deutsche Einheit gewesen ist. „Der Russe ist ja doch nicht schlecht!“, lachte Maske.

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„Hart aber fair“: Diese Gäste waren am Montag dabei

  • Henry Maske, ehemaliger Boxprofi
  • Ralf Fücks, Publizist
  • Jessy Wellmer, Journalistin und Moderatorin
  • Antje Hermenau, Politikberaterin
  • Stefan Creuzberger, Historiker

„Diese Prägung wirkt weiter: Das Feindbild USA, Russland als großer Verbündeter“, sagte dazu Ralf Fücks. Der frühere Chef der grünen Heinrich-Böll-Stiftung war in dieser Hinsicht ein interessanter Gesprächspartner, weil er einst als westdeutscher Kommunist aktiv war. „Ich kenne es, dass man sich häuten muss“, sagte Fücks. Ihn wundere, dass so viele Menschen im Osten die Augen vor der Aggression Russlands verschließen würden.

Stefan Creuzberger machte zum Thema Prägung einen weiteren wichtigen Punkt. „Das ist oft eine verklärende Erinnerung“, sagte der Historiker. Schließlich hätten viele Menschen in der DDR gar nicht viel mit der Sowjetunion oder Russen zu tun gehabt. „Das war staatlich inszenierte Freundschaft.“

„Hart aber fair“: Eine streitbare Perspektive

Gut war, dass auch Antje Hermenau anwesend war. Die sächsische Politikberaterin machte mit einigen kontroversen Aussagen exemplarisch deutlich, wie einige Menschen – nicht nur im Osten Deutschlands – denken.

„Wo kommt denn dieser abgrundtiefe Hass her, wenn man über Putin und Russland redet?“, fragte Hermenau, und man fragte sich, was genau sie eigentlich meint. „‘Wir werden Putin vernichten‘ – das ist fast schon zitiert“, legte die frühere Grüne als einzigen Beleg der Außenministerin Annalena Baerbock in den Mund.

Und es ging weiter. Dass es „solchen Hass“ nicht gegenüber anderen Untaten, etwa im Jemen, gebe, werde von den Menschen registriert. Man könne auch nicht ein ganzes Volk, also die Russen, in Sippenhaft nehmen. Das sei den Sachsen übrigens auch so gegangen, hier seien auch nicht alle Neonazis. Ein seltsames Argument, wenn man bedenkt, dass von einer Sippenhaft nicht die Rede sein kann – und es nichts bringt, wenn man im Lichte eines Unrechts einfach auf ein anderes Unrecht verweist.

Schließlich machte Hermenau noch einen Punkt, der von jenen, die einen lascheren Umgang mit Putin fordern, häufiger zu hören ist. Man dürfe sich nicht „selbstgefällig ins Schwert stürzen“, warnte sie mit Blick auf die wirtschaftliche Lage. „Wer soll denn die Ukraine wieder aufbauen?“ Daher müssten die Sanktionen überdacht werden.

„Hart aber fair“: Das Fazit

Diese Ausgabe von „Hart aber fair“ überraschte, weil sie trotz einer recht wahllos wirkenden Gästeliste doch einige Erkenntnisse zutage förderte. Das lag an der intensiven Auseinandersetzung mit schillernden Erklärungen wie der Prägung, aber auch daran, dass Antje Hermenau sozusagen in Vertretung die Perspektive mancher Skeptiker im Osten einbrachte.

Letztere Perspektive konnte man als Außenstehender oft nicht so recht nachvollziehen. Das war bezeichnend für die allgemeine Diskussion über Russland. Zudem zeigte sich darin eines der grundlegenden Probleme der innerdeutschen Kommunikation.

Zur Ausgabe von „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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