ARD-Krimi

Krimi-Pilot „Über die Grenze“ ist knallhart, aber gelungen

Foto: SWR/Polyphon/Benoît Linder

Im ARD-Pilotfilm „Über die Grenze“ steht die Action im Vordergrund. Die Tochter von Kommissar Herorld ist als Geisel genommen worden.

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Es ist geradezu eine Unart geworden, TV-Krimis und andere Filme, die auf Spannung setzen, mit einem zeitlichen Vorgriff zu beginnen, um erst danach die eigentliche Handlung als große Rückblende zu präsentieren. Dabei scheint man völlig außer Acht zu lassen, dass solche ersten Bilder zumeist schon viel zu viel verraten vom Ende der zu erzählenden Geschichte, was der angepeilten Spannung wenig zuträglich ist.

Auch Michael Rowitz spielt in seinem Film „Über die Grenze – Alles auf eine Karte“ mit dem Finale als Beginn des Ganzen, doch in diesem Fall stört es keineswegs: Das Drehbuch hält noch so viele Wendungen bereit, die den Zuschauer fesseln. Wer nun glaubt, es gehe hier wieder nur um die Etablierung eines weiteren Softkrimis Marke Bozen, Tel Aviv oder Barcelona auf diesem Sendeplatz, der liegt völlig falsch. Es erwartet ihn vielmehr ein Thriller, in dem urplötzlich aus nächster Nähe Menschen liquidiert werden, in dem die Qual einer Geisel ebenso spürbar wird wie die Verzweiflung und die ohnmächtige Wut eines Vaters.

Test für eine weitere Reihe für Donnerstags-Krimi

Offenbar will die Produktionsfirma Degeto hier eine weitere Reihe für ihren Donnerstags-Krimi im ARD-Programm testen, denn bereits eine Woche später folgt am 14. Dezember mit „Über die Grenze – Gesetzlos“ ein zweiter Teil dieses Formats. Die Drehbuchautorinnen Felice Götze und Sabine Radebold haben sich die Geschichte aus dem badisch-elsässischen Grenzgebiet ausgedacht.

Zuständig ist die deutsch-französische Einheit GZ, die grenzüberschreitende Verbrechen bekämpft. Steffen Herorld (Thomas Sarbacher) ist der deutsche Leiter des Teams, das den notorischen Verbrechern Marquardt (Sebastian Hülk) und Jangy (Rick Okon) auf der Spur ist.

Film bietet mehr als ein Abbild der Polizeiarbeit

Herold hat seine Tochter Leni (Anke Retzlaff) direkt nach Ende ihrer Ausbildung in das Team geholt, wohl auch, um ein Auge auf die 23-Jährige zu haben. Ausgerechnet jetzt aber geht alles schief, findet der erwartete Bankeinbruch plötzlich nicht mehr statt, nehmen die Gangster stattdessen ein Wettbüro in der Nähe aus, in dem Leni gerade Wettscheine ihres Vaters abgibt. Als ausgerechnet sie als Geisel genommen wird, beginnt für die junge Frau eine wahre Tortur.

Es ist das Besondere an diesem Film, dass er nicht nur Polizeiarbeit abbildet, sondern auch Raum lässt für vibrierende Situationen. Sollte dieses Niveau auch beim nächsten Film noch gehalten werden (gleicher Regisseur, gleiche Autorinnen), dann sollte kein Zweifel an der Notwendigkeit von weiteren Folgen bestehen.

Mit Peter Sarbacher ist der Film gut besetzt

Fazit: An der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich geht es für die Polizei heftig zur Sache. Inmitten von Raub, Geiselnahme und Mord wird hier erfolgreich versucht, den Krimibegriff „hard boilet“ deutlich umzusetzen. Knallhart eben. Mit Peter Sarbacher ist der Film gut besetzt. Außerdem ist die weibliche Hauptdarstellerin Anke Retzlaff eine Entdeckung, die 38-jährige Theaterschauspielerin war bislang nur vereinzelt in Krimigastrollen im Fernsehen zu sehen.

Donnerstag, 7. Dezember, ARD, 20.15 Uhr;

2. Film am Donnerstag, 14. Dezember, ARD, 20.15 Uhr

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