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„Markus Lanz“: Die Union „wirkt zunehmend entrückt“

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Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin  Der Ukraine-Krieg, die Niedersachsen-Wahl und die Energiekrise: In der Sendung am Dienstag holt Markus Lanz zu einem Rundumschlag aus.

Zu Beginn der Sendung schaltet nach Kiew. Aus der ukrainischen Hauptstadt, die in den vergangenen Tagen Ziel schwerer Raketenangriffe wurde, berichtet Katrin Eigendorf. Die ZDF-Reporterin erlebe eine „komplett veränderte“ Hauptstadt und spricht von einer neuen Eskalationsstufe des Krieges: „Es gibt keinen Rückzugsort mehr, an dem die Menschen noch davon ausgehen können, noch sicher leben zu können.“

Wie sehr sich die Lage in den letzten Tagen verändert hat, macht auch die neue Rede von Wladimir Putin deutlich. Der russische Präsident hatte zu Beginn seines Angriffskrieges stets behauptet, die Ukrainerinnen und Ukrainer von ihrer faschistischen Regierung befreien zu wollen. In seiner letzten Ansprache betonte er nun, dass Russland bedroht werde und sich verteidigen müsse. Ein neues Narrativ, wohl auch um die Teilmobilisierung im eigenen Land zu rechtfertigen.

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Die neuen Angriffe machen vor allem mit Blick auf den nahenden Winter Sorge, betont Eigendorf. „Es gibt Menschen, die komplett von der Versorgung abgeschnitten sind und Städte, in denen bis zu 90 Prozent der Häuser und Infrastruktur zerstört sind.“ Eine Exitstrategie sieht die Korrespondentin aktuell nicht und auch FAZ-Wirtschaftsredakteurin Julia Löhr ist sich sicher: „Dieser Krieg wird noch sehr lange die Weltpolitik beherrschen.“

„Markus Lanz“ – Das waren die Gäste:

  • Katrin Eigendorf, Journalistin
  • Carsten Linnemann, CDU-Politiker
  • Julia Löhr, Journalistin
  • Isabella M. Weber, Ökonomin

„Markus Lanz“: CDU hat ihre Rolle nicht gefunden

Bei dem aktuellen Ausnahmezustand könne die CDU froh sein, dass sie gerade nicht regiert, stichelt Markus Lanz mit Blick auf den anwesenden CDU-Vize Carsten Linnemann und springt damit zum nächsten Thema des Abends: die Wahl in Niedersachsen vergangenen Sonntag. Die CDU erzielte dabei ein historisch schlechtes Ergebnis von 28,1 Prozent. Als direkte Reaktion kündigte Landeschef Bernd Althusmann noch am Sonntagabend an, sein Amt abzugeben. Damit habe er „par excellence“ Verantwortung übernommen, betont Linnemann bei Lanz.

Überrascht habe sie das schlechte Ergebnis der Landtagswahl nicht, hackt Julia Löhr ein. „Die CDU hat ihre Rolle in der Opposition noch nicht gefunden“, findet die Journalistin. Statt echte Alternativen anzubieten, wirke die Union in der aktuellen Energie- und Wirtschaftskrise zunehmend entrückt. Sie kritisiert, dass Themen diskutiert würden, die „an den akuten Problemen der Leute vorbeigehen.“ Ein Punkt, mit dem auch Markus Lanz übereinstimmt: „Man weiß nicht, wofür diese CDU thematisch steht“, betont der Moderator.

Ein weiterer Kritikpunkt des Abends war erneut die Behauptung von Friedrich Merz, ukrainische Kriegsflüchtlinge würden angeblichen „Sozialtourismus“ betreiben. Ein Begriff, mit dem sonst vor allem die AfD hausieren geht – und dessen Verwendung auch in der CDU stark kritisiert wurde. Lindemanns Versuche Merz zu verteidigen, verpufften.

„Markus Lanz“: Kritik an Gaspreisbremse

Vor dem Hintergrund der fallenden Temperaturen diskutierte die Runde außerdem über die Einführung eines Gaspreisdeckels, um die hohen Energiepreise abzufedern. Expertin auf diesem Gebiet ist die Ökonomin Isabella M. Weber. Sie gilt als eine der Erfinderinnen des Gaspreisdeckels. Die Idee: Es soll ein Grundverbrauch festgelegt werden, für den ein fester Preis gilt, der deutlich niedriger ist als jener am Markt. Zum Grundverbrauch zählt die Energie, mit der sichergestellt wird, dass es jeder zu Hause ausreichend warm hat und duschen kann und dass in der Wirtschaft weitergearbeitet werden kann – zu bezahlbaren Kosten.

Weber ist sich bewusst, dass das Modell noch nicht perfekt ist. „Es ist ein Sicherheitsgurt, der schnell angeschnallt wird“, erklärt die Professorin der University of Massachusetts Amherst. Ein anderes Modell hätte sich hingegen die Journalistin Julia Löhr gewünscht. Sie betont, dass es nach den anstrengenden Pandemiejahren besonders wichtig sei, Haushalte zu unterstützen, die es „finanziell nicht Dicke“ haben und die durch die steigenden Energiepreise noch mehr in Schieflage geraten werden.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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