Fernsehfilm

Neuer Usedom-Krimi: Tod und Leben am Ostseestrand

Foto: NDR/ARD-Degeto/Maor Waisburd

Berlin  „Der Usedom-Krimi“ punktet wieder mit psychologischer Raffinesse – und neuer Kommissarin. Rikke Lylloff passt perfekt zu Katrin Sass.

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Im letzten „Usedom“-Fall „Winterlicht“ kam Hauptkommissarin Julia Thiel (Lisa Maria Potthoff) ums Leben. Ihren Tod haben ihre Angehörigen auch ein halbes Jahr später nicht überwunden. Witwer Stephan trauert bis zur Verwahrlosung.

Ihre Mutter, Ex-Staatsanwältin Karin Lossow (Katrin Sass), sucht verzweifelt nach Ablenkung; auf Anraten der „Neuen“ bei der Kripo, Ellen Norgaard (Rikke Lylloff), engagiert sie sich in der ehrenamtlichen Konfliktberatung.

Aus Freundschaft zu Rike Kampwirth (Anna Herrmann), die ein kleines Hotel führt, hat sie gerade erst einen Täter-Opfer-Ausgleich für Rikes kleinkriminellen Bruder Jens organisiert, da zeigt sich, dass auf Usedom nicht nur das Leben weitergeht. Auch das Sterben nimmt kein Ende.

Viel Gespür für die Dimensionen menschlicher Dramen

Ein Überfall auf den Gastronomen Ingo Wiek läuft schief. Am Ende ist nicht nur der Überfallene tot, sondern auch der Täter. Und bei dem handelt es sich ausgerechnet um Jens. Ellen nimmt die Ermittlungen auf – und hat, natürlich, Karin Lossow permanent im Schlepptau.

Der neue „Usedom-Krimi: Geisterschiff“ (Regie: Oliver Schmitz) stammt wieder aus den bewährten Federn von Scarlett Kleint, Alfred Roesler-Kleint und Michael Vershinin. Es überrascht deshalb nicht, dass der mit psychologischer Raffinesse und viel Gespür für die Dimensionen menschlicher Dramen entwickelte Fall immer vielschichtiger wird.

Was ist mit dem Vater von Rike und Jens, der vor zwei Jahren angeblich über Bord ging und ertrank, tatsächlich aber in Polen untergetaucht ist? Wer klaut einem Toten ausgerechnet die Schuhe? Welche Rolle spielt Wieks nicht sonderlich betrübte Witwe, eine auch in Polen tätige Immobilien-Verwalterin? Was verbindet sie mit Jens? Und was ist mit dem geheimnisvollen Koffer voller Schwarzgeld?

Es funktioniert auch ohne die Mutter-Tochter-Konstellation

Überraschend an „Geisterschiff“ ist allerdings, wie gut die Geschichte ohne die bisherige Mutter-Tochter-Konstellation funktioniert. Was auch an der enormen Präsenz und Ausstrahlung von Rikke Lylloff liegt, die perfekt mit der wieder großartigen Katrin Sass harmoniert. Als energische Deutsch-Dänin Ellen wird sie nicht nur von Kollegen und Staatsanwalt heftigst umflirtet, sondern hat sogar Karin Lossows Schutzwall durchbrochen.

Was die so unterschiedlichen Frauen inzwischen verbindet, kommt tief empfundener Freundschaft schon sehr nahe. Zusammen sind beide ein starkes Team. Und das müssen sie auch sein, wenn sie den Gordischen Knoten aufknüpfen wollen in diesem Krimi-Psychodram, in dem zum Schluss fast alle etwas verloren haben. Perspektive zum Beispiel, und Hoffnung.

Hoffnung, Vorfreude kann allerdings der Zuschauer empfinden. Karin will Ellen bei deren Suche nach der vor 20 Jahren auf Usedom verschwundenen Mutter beistehen. Neue Handlungsfäden sind also bereits gesponnen, das packende Leben auf Usedom geht weiter.

Fazit: Die „Neue“ ist auf Usedom angekommen. Rikke Lylloff und Katrin Sass bilden wirklich ein starkes Team.

K ARD, 14. Februar, 20.15 Uhr

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