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Senta Berger nimmt Abschied von ihrer Serie „Unter Verdacht“

Warum zahlen wir den Rundfunkbeitrag?

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Berlin.  Senta Berger ist ein letztes Mal in „Unter Verdacht“ zu sehen. Mit uns hat die 78-Jährige über diese Zäsur, MeToo und Angst gesprochen.

Für Senta Berger geht ein Ära zu Ende: Am 28. März läuft im ZDF die letzte Folge ihrer Erfolgsserie „Unter Verdacht“. Im Interview spricht die 78-Jährige über den Abschied von ihrer Rolle als Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek.

Wie gehen Sie emotional mit dem Ende von „Unter Verdacht“ um?

Senta Berger: Mir ist wehmütig ums Herz. Ich bin ganz schlecht im Abschiednehmen. Aber ich kann auch vernünftig sein. Es war an der Zeit.

Und mit diesem rationalen Verständnis schafft man dann das Abschiednehmen?

Berger: Ja. Es geht um Glaubwürdigkeit. Gerade bei der Eva Prohacek geht es darum. In meinem Beruf muss man streng mit sich selber sein, finde ich. Und ich bin es. Mir sieht man mein Alter an – wie man es mir immer angesehen hat. Das ist auch gut so. Ich bin nicht mehr die, die ich vor 19 Jahren war, als wir im November 2001 den ersten Drehtag hatten.

Gibt es nach so vielen Jahren Eigenschaften, die Sie von ihr übernommen haben?

Berger: Ich nehme nichts von meinen Rollen mit in mein privates Leben. Bei der Prohacek war es so, dass ich mich mit den Geschichten ausführlich beschäftigt habe. Ich habe alles, was ich nur kriegen konnte, über Waffenlieferungen gelesen, über Rechtsradikale in der Polizei oder im Bundesheer, über Korruption in der Politik – alles, was mir geholfen hat, die Geschichte und die Argumente der Prohacek zu verstehen. Eigentlich war ich aber immer als Senta an diesen Geschehnissen interessiert. Vielleicht kam mein Produzent Mario Krebs, der mich schon lange von anderen Arbeiten kannte, deshalb auf die Idee, so eine Figur in das deutsche Fernsehen einzuführen.

Wie können Sie sich erklären, dass die Serie zu einem solch langlebigen Erfolg wurde?

Berger: Unser Ansatz war, sich deutlich von anderen Kriminalreihen zu unterscheiden. Es gab und gibt bis heute kein vergleichbares Format. Wir haben immer aktuelle Themen aufgegriffen, die unsere Zeit und unsere Gesellschaft betrafen. Die Aufgabe, die wir uns gestellt hatten war, die Ereignisse, über die auf Seite eins der Zeitungen berichtet wurde, mit den Mitteln eines Krimis zu erzählen. Und sie sollten zwischen den Protagonisten und Antagonisten im Für und Wider behandelt werden. Diese Konstellation spiegelte sehr oft die Meinung in unserem Land. Dass wir alle gut gearbeitet haben und einen unglaublichen Spaß an der Arbeit hatten, waren weitere Voraussetzungen für den Erfolg der Reihe.

Sie waren ja auch selbst an der Konzeption der Serie beteiligt. Wie sah das in der Zusammenarbeit aus?

Berger: Ich hatte von Anfang an das Privileg, meine Meinung zu sagen und auch einzubringen. Wir, also die engsten Mitarbeiter, und dazu gehören unbedingt auch ZDF-Redakteurin Elke Müller und Mario Krebs, hatten großes Vertrauen zueinander. Es gab auch Auseinandersetzungen – selbstverständlich.

Sie scheuten in Ihrer Karriere auch keine Konflikte, um sich Ihrer Haut zu erwehren. Im Lauf der Jahre wurden Sie mit übergriffigen Männern wie O.W. Fischer oder US-Studioboss Darryl Zanuck konfrontiert. Was war Ihr Rezept für solche Fälle?

Berger: Ich habe mir nie irgendetwas gefallen lassen. Ich war eine junge, kräftige Frau, und ich war stark – nicht in jedem Sinne, aber in solchen Situationen. Außerdem war ich immer in festen Händen. Und das habe ich auch ausgestrahlt. Ich kann mich erinnern, wie ich zu meinem ersten Film nach Italien gekommen bin. Da hat Ugo Tognazzi mitgespielt, ein großer Frauenliebhaber. Als wir uns vorgestellt wurden, hat er zum Regisseur gesagt – weil er dachte, ich kann kein Italienisch – „Con quella non si scherza.“ – „Mit der soll man nicht scherzen.“ Der hat das mit einem Blick erkannt.

Wie nehmen Sie mit Ihren Erfahrungen die heutige „MeToo“-Debatte wahr?

Berger: Das kann man nicht verallgemeinern. Es ist ja das Problem von „MeToo“, dass da vieles hineingemischt wird, was da nicht hingehört. Meine Autobiographie, in dem ich diese Vorfälle beschrieben habe, kam 2006 heraus. Aber damals hat keine andere Schauspielerin darauf reagiert. Es war offensichtlich noch nicht opportun, und jetzt scheint es opportun zu sein. Man muss aufpassen, dass das keine Mode wird, sondern etwas, was wir festhalten können, auch für die Zukunft.

Gibt es eigentlich etwas, was Sie mit Angst erfüllt?

Berger: Ja natürlich habe ich Angst, wie jeder erwachsener Mensch. Was wird morgen sein und übermorgen? Welches Schicksal werden meine Kinder haben und meine Enkelkinder? Werden wir es meistern? Im Kleinen wie im Großen. Ich kenne keinen Menschen, der nicht Angst hat. Es ist keine omnipräsente Angst, die meine Leben vergiften würde, aber sie ist natürlich immer da. Passive Angst oder, sagen wir besser, Sorge in aktives Tun umsetzen, das ist das Gebot.

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