Dokumentarfilm

Förster Peter Wohlleben, unser Kumpel, jetzt auch im Kino

Mein Freund, der Peter – Förster Wohlleben in einer Szene des Films „Das geheime Leben der Bäume".

Mein Freund, der Peter – Förster Wohlleben in einer Szene des Films „Das geheime Leben der Bäume".

Foto: dpa

Essen.  Über Bäume wussten wir nicht besonders viel, auch wenn wir sie liebten. Bis Peter Wohlleben und sein Bestseller erschienen. Jetzt auch im Kino.

Ein erster Eindruck kann trügen, das weiß man. Trotzdem scheint die Idee nicht abwegig, dass ein beträchtlicher Prozentsatz dessen, was das deutsche Fernsehen in den Äther schickt, aus Ratesendungen besteht. Früher hießen sie „Einer wird gewinnen“, „Hätten Sie’s gewusst?“ oder „Alles oder nichts“. Heute wird bei „Wer wird Millionär?“ oder „Wer weiß denn sowas?“ Wissen abgefragt, und stets kommt man selbst aus dem Staunen nicht heraus, was es alles zu wissen gibt, und dass es Leute gibt, die das alles tatsächlich wissen.

Und doch gibt es immer auch Bereiche, die ein bisschen verkümmert bleiben wie eine Pflanze, die zu wenig Wasser zugeführt bekommt. Bäume sind so ein Wissensgebiet, dem wir zwar täglich um uns herum begegnen, aber bis zum Jahr 2015 wusste kaum jemand sonderlich viel über Bäume. Doch dann schrieb Peter Wohlleben ein Buch, das ein gewaltiger Bestseller wurde und seinem Autor Weltruhm einbrachte: Wohlleben, 1964 in Bonn geboren, tauschte die sichere Beamtenkarriere als Diplom-Forstingenieur gegen das Angestelltensalär eines Försters, weil er lieber in der freien Natur unterwegs ist.

Jörg Adolph dreht oft Langzeitprojekte wie „On/Off Record“ oder „Houwelandt“

Ein gewisses Mitteilungsbedürfnis hatte er zwar immer schon; auf den Rat seiner Frau hin begann er dann allerdings auch, seine Gedanken und Ideen niederzuschreiben. Aber Erfolg war seinen Büchern zunächst nicht beschieden.

Das änderte sich vor fast fünf Jahren mit dem vielversprechenden, viel haltenden Titel „Das geheime Leben der Bäume“. Auch davon erzählt nun der gleichnamige Film von Jörg Adolph, einem Spezialisten für dokumentarische Langzeitprojekte; darunter bislang Titel wie „On/Off Record“ über die Aufnahme eines Pop-Albums oder „Houwelandt“ über die Entstehung eines Romans und seine Vermarktung.

Reaktionen könnte wie bei „Elternschule“ ausfallen

Jörg Adolph realisierte aber auch „Elternschule“ über die Arbeit in einer Gelsenkirchener Kinder- und Jugendklinik; ein Film, der wegen seines pädagogischen Sendungsbewusstseins auch heftigen Widerspruch erntete. Anlass zu ähnlichen Reaktionen bietet nun auch Adolphs jüngste Arbeit, in der es auch um Bäume, viel mehr aber um Peter Wohlleben geht. Vom Aufbau her folgt der Film den Kapiteln des Buches. Was sich auf der Leinwand recht beliebig ausnimmt. Ob es nun hinein geht in den deutschen Wald zu Rodungsarbeiten oder Aufforstungsbestrebungen, zu einem Kin­derausflug oder einem Marsch zum ältesten Baum der Welt oder zu einer völlig überflüssigen Reise zum Indianergebiet der First Nations an die Westküste Kanadas – Peter Wohlleben ist immer dabei und hat viel mitzuteilen.

Markus Lanz würde ihn gern zum Grillen einladen

Dieses in jovialer Kumpelhaftigkeit (wie sagte doch Markus Lanz? – „ein Typ, den man gern zum Grillen einlädt“) und lautstarkem Lachen ummantelte Oberlehrertum mit bisweilen seltsam anmutenden Thesen („Kinder, seid laut im Wald, dann wissen die Tiere, dass ihr keine Jäger seid.“) wirkt in seiner ausgestellten Volksnähe gleichermaßen authentisch wie aber auch sorgfältig trainiert. Wohllebens Geduld beim Signieren seiner Bücher, die beständige Bereitschaft zu einem freundlichen Wort macht ihn zu einem guten Onkel für Naturfragen, dem die Menschen ebenso Vertrauen schenken wie sie das in anderen Bereichen bei Horst Lichter bereit sind.

Dem Film genügt das Staunen über Peter Wohlleben

Der Film geht solchen Phänomenen ebenso wenig auf den Grund, wie er sich an einer vertiefenden Untersuchung interessiert zeigt, wie genau Bäume etwa miteinander kommunizieren und ob das ihnen unterstellte Gruppenverhalten tatsächlich Zeichen eines bewussten Handelns ist. Stattdessen genügt schon der Verweis auf die Phänomene und das Staunen darüber – nur weil der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt die Stimme erhebt.

Und dank des Films wissen wir nun, dass der älteste Baum der Welt eine Fichte im Norden Finnlands ist. Eine Behauptung, die bei differenzierterer Betrachtung nicht zu halten ist. Aber so genau wollten wir es dann auch wieder nicht wissen.

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