Kino

Neu auf der Leinwand: Ein kleiner Mann trägt großen Helm

Im Film „Wunder“ spielen unteranderem Owen Wilson als "Nate", Julia Roberts als "Isabel", Jacob Tremblay als "Auggie," und Izabela Vidovic als "Via"  mit.

Foto: Dale Robinette

Im Film „Wunder“ spielen unteranderem Owen Wilson als "Nate", Julia Roberts als "Isabel", Jacob Tremblay als "Auggie," und Izabela Vidovic als "Via" mit. Foto: Dale Robinette

Das Drama „Wunder“ erzählt von dem tapferen Jungen Auggie, der an einer Erbkrankheit leidet.

August „Auggie“ Pullman leidet am sogenannten Treacher-Collins-Syndrom – einer Erbkrankheit, die zu erheblichen Gesichtsfehlbildungen führt. Für den tapferen kleinen Burschen bedeutet das, dass er trotz mittlerweile 27 erfolgreich überstandenen Operationen von der Öffentlichkeit ständig begafft wird. Grund genug für Auggie, möglichst nie ohne seinen Astronautenhelm nach draußen zu gehen. Seine Mutter (Julia Roberts) hat ihre berufliche Karriere an den Nagel gehängt, um ihren Sohn umsorgen zu können. Jahrelang hat Auggie zu Hause Privatunterricht bekommen.

Mobbing und Ausgrenzung

Doch irgendwann ist es an der Zeit, sich auf eine normale New Yorker Schule mit anderen Großstadtkindern einzulassen. Für den Zehnjährigen beginnt ein Spießrutenlauf, bei dem das zu erwartende Komplettprogramm an kindlichen Grausamkeiten durchgehechelt wird. Schnell macht der Spruch die Runde, dass allen in der Schule die Pest droht, die den Klassenneuzugang auch nur anfassen. Und Star-Wars-Fan Auggie – mal wieder zum Monster abgestempelt – bleibt nichts weiter übrig, als sich damit zu trösten, dass es seinem Lieblingscharakter Chewbacca mit solchen Mitschülern wohl ähnlich ergangen wäre. Andererseits schließt Auggie zu seinem großen Erstaunen auch neue Freundschaften; dass ihm in Banknachbar Jack Will ein Außenseiter-Kumpel und Verbündeter erwächst, mit dem man sogar nach Schulschluss ein paar Videospielchen durchziehen kann, freut den Musterschüler ungemein, macht ihn aber letztlich umso verletzlicher.

Unterschiedliche Sichtweisen

Derweil wechselt die Regie immer mal wieder die Perspektive. Filmer Stephen Chbosky konzentriert sich nicht nur auf den zehnjährigen Jungen, sondern zeigt die Welt um ihn herum bald auch aus der Sicht seiner Schwester Olivia (Izabela Vidovic), seiner Mutter Isabel oder aus dem Blickwinkel seiner Mitschüler.

Ein gelungener Nebeneffekt dieser souverän inszenierten Personen-Rochade: „Wunder“ entgeht bis fast ins Finale hinein der Gefahr, zu rührselig zu werden. Die Besetzung des aufgeweckten, liebenswerten Pullman-Juniors Auggie mit Jungschauspieler Jacob Tremblay, der in seiner Maske kaum wiederzuerkennen ist, erweist sich als Glücksgriff. Und dass sich die Hollywoodstars Julia Roberts und Owen Wilson als ­Auggies Eltern nie in den Vordergrund spielen, nimmt uns erst recht für die Geschichte ein, die auf R. J. Palacios preisgekröntem Debütroman beruht.

Große Gefühle zum Schluss

Die Erkenntnis des Films, dass es im Leben nicht auf Äußerlichkeiten ankommt, sondern auf das, was im Inneren eines Menschen steckt, gleicht zwar einer Binsenwahrheit. Sensible Gemüter sollten trotzdem genügend Taschentücher ins Kino mitnehmen. Der Schluchzfaktor ist gewaltig.

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