Klavierfestival

Grandioser Abend mit Krystian Zimerman beim Klavierfestival

Krystian Zimerman

Krystian Zimerman

Essen.  Stehende Ovationen für einen ganz großen Pianisten: Der Essener Abend mit Krystian Zimerman beim Klavierfestival Ruhr setzte Maßstäbe.

Ganz dem Motto des diesjährigen Klavierfestivals galt Krystian Zimermans grandioser Abend in der voll besetzten Essener Philharmonie: „Geist und Zusammenhalt Europas“ leuchtete er in so unterschiedlichen, wenn auch ähnlich weltoffener Komponisten wie dem Norddeutschen Johannes Brahms und dem Pole Frédéric Chopin aus.

Ohne die Unterschiede zu überspielen, gelingt es Zimerman mit seiner unerschöpflichen Gestaltungskraft und seinen nicht minder grenzenlosen pianistischen Möglichkeiten, eine geistige Verbindung herzustellen, indem er sowohl der gewaltigen 3. Klaviersonate des jungen Brahms als auch den Vier Scherzi Chopins in gleichem Maß die Kraft und die Poesie schenkt, mit denen er den jungen Brahms vom Klischee des ruppigen Raubeins und Chopin von parfümiertem Salondunst befreit.

Krystian Zimerman elektrisiert das Publikum beim Klavierfestival mit Chopin und Brahms

Gleich mit dem Auftakt der Brahms-Sonate gibt Zimerman die Richtung des Abends an. Er setzt harte Kontraste, beginnend mit einem orchestral voluminös aufbrausenden Hauptthema, dem ein Seitensatz von feiner Sensibilität folgt. Das eine ohne aufgesetzte Kraftmeierei, das andere ohne sentimentale Weichzeichnerei. Kontraste schärft Zimerman nicht nur innerhalb, sondern auch im Verhältnis ganzer Sätze. Das zarte Andante ertönt, von Zimermans geradezu mirakulöser Anschlagskultur verfeinert, wie ein schattenhaft verschleiertes „Lied ohne Worte“, dem ein Scherzo folgt, das er in Sachen Tempo und Dynamik bis an die Grenzen des gerade noch Kontrollierbaren führt.

Krystian Zimerman wurde in Essens Philharmonie euphorisch gefeiert – und gab drei Zugaben

Nicht minder ernst nimmt Zimerman die vier individuell geformten Scherzi Chopins, die, mit Ausnahme des Zweiten, nicht zu den bekanntesten Werken des Meisters gehören. Das Erste kann es an energievollem Nachdruck mit Brahms’ zuvor gehörtem Scherzo aufnehmen. Das zweite erhält durch Zimerman ebenfalls kraftvolle Konturen, die jedoch lyrische Episoden einschließen, die Zimerman mit feinsten Anschlagsnuancen in vielfach schillernden Farben und Tönungen aufleuchten lässt. Pianistische Spitzenleistungen, die die filigranen Begleitfiguren im Dritten Scherzo in die Nähe der Klangwunder Debussys rücken. Das Risiko, manches Tempo zu überspannen, nimmt Zimerman in Kauf. Routine, wie am Eröffnungsabend mit Daniel Barenboim, hat bei Zimerman nichts zu suchen.

Das Publikum reagierte spontan mit Standing Ovations auf den großen Abend. Zimerman gab sich alles andere als verschlossen und bedankte sich mit drei stattlichen Zugaben.

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