Erlebnis-Ausstellung

Gustav-Lübcke-Museum Hamm: Besucher gehen auf Eiszeit-Safari

Ein Saal voll von Tieren der letzten Eiszeit ist derzeit in Hamm zu sehen. Hier ein Wollhaarnashorn mit seinem Jungen.

Ein Saal voll von Tieren der letzten Eiszeit ist derzeit in Hamm zu sehen. Hier ein Wollhaarnashorn mit seinem Jungen.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Hamm.  Mit Mammut und Höhlenbär: Hamms Gustav-Lübcke-Museum reist in die Eiszeit. Die familientaugliche Schau prunkt mit 60 Tier-Rekonstruktionen.

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Museumsreif wird ja oft, was sich im wahren Leben rar macht: die Nofretete zum Beispiel. Oder echte Winter. Der letzte (aus der Sicht von Kuratoren ernst zu nehmende) endete vor etwa 12.000 Jahren, war dafür aber zuvor sehr ausdauernd. Wir sprechen von der letzten Eiszeit.

Man liegt falsch (auch das lernen wir in der nicht riesigen, aber sehr auf Anschaulichkeit bedachten „Erlebnis Ausstellung Eiszeit Safari“ in Hamm), stellt man sich die Epoche als unerbittlichen Dauerwinter vor. Es gab auch damals Sommer. Die waren heiß, aber kurz. Davor und danach freilich regierte sehr lange und sehr kalt das Gegenteil. Fast überall zeigte sich in dieser Zeit unsere Welt als Schneekugel, zuverlässig weiß sogar in Hamburg, Essen oder Dortmund, bloß im Sauerland blieb es grün, was Liftbetreibern 2019 ein schwacher Trost sein mag.

Wollnashorn, Höhlenbär und ein SUV-großes Steppenbison

Den Menschen gab es auch schon, er war gar nicht so viel anders als unsereins, er sprach und er kochte, wie „Urs und Lena“ (Scouts, die Besucher auf Wunsch akustisch begleiten) demonstrieren. Aber vieles, was ihn umgab, der nicht Garten noch Feld kannte, nicht Pfeffer und kaum Salz, nahm die letzte Eiszeit am Ende mit ins Grab: das riesige Wollnashorn, den Höhlenbären (1000 Kilo das Stück), den Höhlenlöwen und auch jenen SUV-großen Steppenbison, der uns im Gustav-Lübcke-Museum wuchtig gegenübertritt.

Sie starben an etwas, das man eher der Masse Mensch im 21. Jahrhundert zutrauen würde: Tod durch Anpassung. Wie das so ist mit hohen Tieren, sie wechseln ungern den Kurs. Wie schwergängige Tanker waren sie nicht in der Lage, ihre für Tiefschnee und bittere Kälte idealen Körper anzupassen. Besser als Mammuts gelang das Kleineren, Mäusen etwa. Deren Überreste halfen der Forschung, zeitlich ins Detail zu gehen, was den Abschied von der Eiszeit betraf. Der fand wohl endgültig vor 11.784 Jahren statt: Ende des Pleistozäns, Anfang des Holozäns, jener globalen Erwärmung, die uns bis heute erhalten geblieben ist.

Kölner Dom versinkt im Lagunenwasser

Dass dieses Klima nicht ewig währt, verdrängen wir gerne. Die nächste Kaltzeit kann schon in 3000 Jahren vor der Tür stehen. Freilich zeigt die letzte Station der Schau, dass der Kölner Dom in Gletschern nur eine Option unserer Zukunft ist. Gleich daneben steht der gotische Bau knietief in badewannenwarmem Lagunenwasser. Man weiß wirklich nicht, was man den Nachfahren wünschen soll.

Das Kapital dieser Ausstellung, die wesentliche Stücke der Kooperation mit Mannheims Reiss-Engelhorn-Museen verdankt, ist ihre Familientauglichkeit. Sie zeigt sich vom Riesenhirsch bis zum Mammut natürlich in den 60 lebensnahen Tier-Rekonstruktionen. Aber sie holt uns in einfacher Sprache auch klug im Heute ab: Themenblöcke gehen schon in Überschriften wie „Einkaufen – Jagd“ im Sinne von historischen Entsprechungen auf klare Zeitreise. Blind ertasten wir Felle und raten, ob wir Auerochse zu fassen kriegen oder Höhlenhyäne.

Trommeln als Hinweise auf Musik und Liedgut

Zelte und Moospolster erzählen von unseren Vorfahren, die ihren Müll überall liegen ließen, zugleich aber – vorne hui – Schminke und Schmuck schätzten. Sogar Lieder hatten sie, man fand ihre Trommeln, ihre Pfeifen, ihre Schwirrhölzer. Was in kalten Winter ertönte, wir wissen es nicht. Man schrieb nichts auf damals. Man legte es nicht mal auf Eis.

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