HÖREN

Hits für Heiligabend – Weihnachtsmusik von Bach bis Pop

So lässt es sich aushalten: Auf dem Sofa liegen und Weihnachts-Alben hören.

So lässt es sich aushalten: Auf dem Sofa liegen und Weihnachts-Alben hören.

Essen.   Jedes Jahr überraschen uns die Plattenfirmen mit neuen Alben fürs Fest. Wir stellen zehn Werke vor, die das Warten aufs Christkind verkürzen.

Musik gehört zum Weihnachtsfest einfach dazu. Mancherorts singen Familien unter dem Baum noch selbst, in anderen Haushalten wird eine CD in den Player geschoben. Stets gilt: Etwas Abwechslung darf es ruhig geben, es müssen nicht jedes Jahr die gleichen Songs aus den Boxen dudeln. Hier haben wir einige Hör-Tipps für das Weihnachtsfest 2018 zusammengestellt.

Villazón trifft Sasha

Mit „Feliz Navidad“ (Deutsche Grammophon) tritt Tenor Rolando Villazón in bekannte Fußstapfen. Auch Pavarotti und Co. gaben sich ja unterm Baum die Ehre. Es ist offensichtlich ein Album für alle, was auch ein ziemlich bizarres „Leise rieselt“-Duett mit Sasha zeigt: eher für den Betriebsausflug Richtung Weihnachtsmarkt als zur stillen Nacht geeignet. Auch Andächtiges singt Villazón – die Arrangements sind meist unter seinem Niveau. Punktabzüge auch beim Umfang: Die CD ist mit gerade mal 47 Minuten alles andere als opernreif. (LvG)

Captain Kirkmas

Dieses Weihnachtsalbum schlägt ein wie ein Photonentorpedo: Gewiss konnte William Shatner als Captain Kirk das Raumschiff Enterprise führen, als Sänger erleidet er aber Schiffbruch – und weiß das auch. Daher heuerte der melodiebefreite Sprechsinger für „Shatner Claus“ (Cleopatra, ab 14.12.) eine Crew an, die es in sich hat, u.a. Billy Gibbons von ZZ Top und Ian Anderson von Jethro Tull. Der einzig „schöne“ Song: „Silent Night“ mit Iggy Pop. Hingegen klingt „Jingle Bells“ mit Henry Rollins eher wie ein klingonisches Massaker. (how)

Feiernde Popdiva

Eine Weihnachtsplatte von Diana Ross? Ohne die Supremes? Ja, gab es schon mal vor knapp 25 Jahren. Nun gib es sie wieder. Was damals „A Very Special Season“ hieß, trägt heute den Titel „Wonderful Christmas Time“ (Motown) und hat 20 statt 13 Lieder. So kann Frau Ross nicht nur die großen Standards der angloamerikanischen Weihnachtslieder singen, sondern sich auch noch bei fünf Christmas-Klassikern vom London Symphony Orchestra begleiten lassen. Was besonders beim swingenden „Sleigh Ride“ wunderbar funktioniert. (a.b.)

Party unterm Baum

Wir müssen warnen: Besinnliche Weihnachten gibt es nicht mit dieser Platte. „Hey! Merry Christmas!“ heißt sie und kommt von den Mavericks. Die in Florida beheimateten Country Rocker erinnern an ihre großen Zeiten und laden ein zu einem extrem flotten Ausflug durch Swing, Jazz, Rockabilly und Latin – stets angeführt von Leadsänger Raul Malos. Acht der zehn Songs auf dem Album sind Eigenkompositionen, und doch kommt einem vieles bekannt vor, weil sich die Band gekonnt bei Bewährtem bedient. Viel ausgelassener kann Heiligabend nicht klingen. (a.b.)

Kunst und Können

Das soll sich der grölende Dioden-Nikolaus mal hinter die Ohren schreiben: „Das musikalische Event verdrängt das Leise und das Kleine“ – sagt mit Daniel Behle der große Lyriker unter den Opernsängern. Seine CD „Meine schönsten Weihnachtslieder“ (Sony) reicht in Behles Arrangements von „Macht hoch die Tür“ bis „Stille Nacht“. Mit dem auf sechs angewachsenen Oliver Schnyder Trio erklingt Hausmusik von Profis. Behle zeigt sich auf dem Höhepunkt seiner Tenor-Künste. Toll für Klassik-Liebhaber, die einen Schuss kluger Experimentierlust aushalten. (LvG)

Legendäres Fest

Wer sein erstes Weihnachtsalbum „A Legendary Christmas“ (Sony) nennt, hat entweder sehr viel Selbstbewusstsein oder das Glück, sich einst den Künstlernamen John Legend zugelegt zu haben. Immerhin, der R&B-Star aus den USA verspricht nichts, was er nicht halten kann. Gekonnt mischt er Jazz, Blues, Swing und Gospel, mischt frisch arrangierte Klassiker mit neuen Weihnachts-Songs. Stevie Wonder spielt ein wenig Mundharmonika, Jazz-Star Esperanza Spalding singt mit ihm ein Duett. Vielleicht die beste Pop-Weihnachtsplatte des Jahres. (a.b.)

Weihnachtsklassiker

Echte Festtagsklassik in einer starken Neuaufnahme: International kaum bekannt, legen Mainzer Bachchor und -orchester eine frische, schlank orchestrierte Neuaufnahme des „Weihnachtsoratoriums“ (2 CDs, Naxos) vor. Es schillert festlich, es gibt fein auskolorierten Raum für Andacht, und die Solisten (herausragend: Bariton Thomas E. Bauer) trumpfen nicht opernhaft auf, sondern singen in glaubwürdiger Spiritualität. Ralf Otto dirigiert diese moderne, weil quellengerechte Aufnahme absolut schlüssig. Ein echtes Weihnachtsgeschenk! (LvG)

Nur ein Funkeln

Eigentlich ist Jessie J als frische, freche, experimentierfreudige Popsängerin („Price Tag“) bekannt. Auf „This Christmas Day“ (Republic/Universal) nimmt sie sich extrem zurück bei gefühligem Soulpop, mal im Bigband-, mal im Orchestersound. Zehn Weihnachtsstandards arbeitet sie gefällig mit ihrer leicht heiseren Stimme ab. Doch die stärkste Interpretation gelingt ihr beim Titelstück „This Christmas Day“, bei dem sie gemeinsam mit Erfolgsproduzent Babyface und Gospelchor echtes Gefühl durchfunkeln lässt. Ob’s zum Festklassiker reicht? Leider nicht. (how)

Schlagerfest

Da stehen sie auf dem Cover im Schnee, die Calimeros, und laden ein, „Weihnachten mit uns“ zu feiern. Wer das Angebot annimmt, bekommt, was er erwartet. Überwiegend deutsches Weihnachtsliedgut wie den leise rieselnden Schnee und die klingelnden Glöckchen aber auch diverse Eigenproduktionen im klassischen Schlagergewand. Man kann schunkeln, man kann tanzen vor der Tanne. So feiert man Weihnachten im Schlagerhimmel. Aber Vorsicht: Für möglicherweise mitfeiernde Kinder oder Enkel kann das schnell die Hölle werden. (a.b.)

Gospelweihnacht

Eine Weihnachtsplatte, die man schwerlich im Sitzen hören kann. Wenn das Schlagzeug loslegt, wenn der „Northwest Community Gospel Chorus“ vom King of Kings schmettert, dann ist es mit der Beschaulichkeit vorbei. Soulsatte Röhren aus dem Westen der Vereinigten Staaten hat „Gospel Christmas“ (Pentatone) im Portfolio. Der Live-Mitschnitt aus Portland (Oregon) steckt voller Freude, voll starker Sänger und jener ziemlich heißen Spiritualität, die selbst Händels „Messias“ noch Tanzbeine macht. Sowas muss man mögen, aber dann tut man’s sehr. (LvG)

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