Kino

„I Am Mother“ zeigt einen Roboter als letzte Mutter der Welt

„I Am Mother“ mit Hilary Swank (li.) und dem Roboter „Mutter“.  

„I Am Mother“ mit Hilary Swank (li.) und dem Roboter „Mutter“.  

Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Essen.  Die Menschheit ist hin, Roboter übernehmen: Mit dieser Story will der Film „I Am Mother“ ins Kino locken. Das Ergebnis ist bedingt sehenswert.

Das Licht war hell und heiß – und beendet in „I Am Mother“ die Geschichte der Menschheit. Einen Tag später beginnt, von langer Hand vorbereitet, die neue Zukunft der Menschen. In einer unterirdischen Einrichtung, abgeriegelt von der Außenwelt: Die Wirkungsstätte von „Mutter“, einem Roboter mit LED-Mimik und ansatzweise menschlich anmutender Physiognomie.

„Mutters“ Aufgabe ist es, ein Kind großzuziehen. Der weibliche Embryo, der bereits nach einem Tag dem Geburtskasten entnommen werden kann, um als Baby mit der Welt bekannt gemacht zu werden. Das Kind wird in den folgenden Jahren einer mustergültigen Allgemeinbildung unterzogen, auch musisch und sportlich bleibt nichts zu wünschen übrig. „Mutter“ und Tochter, das Mädchen hat auch im Teenageralter noch keinen eigenen Namen, sind ein Herz und eine Seele. Nur wenn Tochter sich zur Schleuse begibt, der Zwischenstation auf dem Weg nach draußen, reagiert Mutter streng.

Hilary Swank wankt blutüberströmt ins Bild

Dann aber verraten Klopfzeichen, dass es doch jemanden gibt, der vor dem Tor existieren konnte und nun um Einlass fleht. Tochter (Clara Rugaard) öffnet die Schleuse, und so kommt eine blutüberströmte Frau (Hilary Swank) ins Spiel, die Erschreckendes zu melden hat...

Ein Roboter, der aussieht wie „Nummer 5“ – das führt zurück ins Kino der 80er-Jahre. Und ein Elektronengehirn mit vordergründiger Bereitschaft zu lernen und sich mit philosophischen Grundsatzfragen auseinanderzusetzen: Das trifft auf HAL-9000 in Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1968) ebenso zu wie auf die Bombe in John Carpenters Parodie „Dark Star“ (1974). Und auch Samantha, die in Spike Jonzes Sci-Fi-Romanze „Her“ (2013) dem einsamen Joaquin Phoenix nur durch ihre Stimme zur Partnerin für alle Lebenslagen wird, zeigt, wie sehr künstliche Intelligenz eine Bereicherung für menschliche Welterfahrung sein kann. Nun kommt es aber auch immer wieder vor, dass ein Rechner gar nicht so individuell ausgestattet ist, wie er vorgibt, dass er nur einen Kernbefehl ausführt. Und damit kommt Mutter ins Spiel, der Bordcomputer des Raumfrachters „Nostromo“, der die Besatzung im Dienste übergeordneter Interessen einem gefährlichen außerirdischen Wesen opfert.

Bei „I am Mother“ überdreht die Schraube der Plausibilität

Und wie passt nun Mutter 2019 in dieses Spiel um Schein und Sein? „I am Mother“, das Debüt des Teams Grant Sputore (Regie) und David Lloyd Green (Drehbuch) zögert die Antwort auf diese Frage und damit die Pointe seines Films so weit hinaus, wie es nur geht – was die Schraube der Plausibilität genauso zu überdrehen droht wie jene der Spannung. Es ist das alte Problem von Leuten, die zu viele Filme gesehen haben und in ihrer eigenen Kreation unbedingt schlauer sein wollen als alle anderen. Die Konsequenz: zu viel Aufmerksamkeit auf Details, die sich allmählich gegenseitig neutralisieren, zumal es dann doch folgenreiche Fehler im Denksystem gibt.

Fantastisch: Clara Rugaard als Tochter

Interessanter ist die Inszenierung, die das technoide Ambiente der sterilen Kammern und Korridore als Irrgarten präsentiert, die bis zuletzt keine Orientierung bieten. Fantastisch ist Clara Rugaard, die als Tochter entweder mit einer Maschine agieren muss oder mit der zweifachen Oscar-Preisträgerin Hilary Swank, die keine Gelegenheit zu glänzen ungenutzt verstreichen lässt und im Konflikt mit „Mutter“ beachtliche Leidensfähigkeit beweist.

Großes Kino ergibt das alles in der Summe nicht; dafür fehlte es wohl an Geld und Erfahrung. Aber es ist zweifellos ein Gesellenstück, das auf mehr hoffen lässt.

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