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Kino: Elyas M’Barek als Anwalt in „Der Fall Collini“

Elyas M’Barek als Pflichtverteidiger in „Der Fall Collini“.

Elyas M’Barek als Pflichtverteidiger in „Der Fall Collini“.

Foto: Edith Held

Essen.   Elyas M’Barek im ernsten Fach: In der Verfilmung von Ferdinand von Schirachs „Der Fall Collini“ gibt der „Fack ju Göhte“-Star einen Verteidiger.

Der Mörder schweigt beharrlich zu seiner Tat. Dabei wäre es schon interessant, nicht zuletzt für die Verteidigung, was den ehemaligen italienischen Gastarbeiter Fabrizio Collini (Ex-„Django“ Franco Nero) zu dieser Handlung getrieben haben mag. Als Journalist getarnt hat er sich Zutritt verschafft zum Hotelzimmer des allseits geschätzten Industriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka), hat ihn mit drei Schüssen praktisch hingerichtet, um danach mit Schuhen auch noch das halbe Gesicht seines Opfers zu zerstören.

Nahe am Romantext inszeniert Marco Kreuzpaintner den Film „Der Fall Collini“

Der Regisseur Marco Kreuzpaintner („Die Wolke“, „Krabat“) hat sicher nicht lange gezögert, sich diesen Stoff zu sichern. Der gleichnamige Roman von Ferdinand von Schirach hat sich über eine halbe Million mal verkauft. Der Rechtsanwalt und Buchautor versteht es ja, juristische Angelegenheiten süffig zu verkaufen. Vor allem, wenn es um spektakuläre Themen geht.

Der Jurist, der die Dinge auf den Punkt bringt, heißt in diesem Fall Caspar Leinen (Elyas M’Barek), hat gerade erst seine Zulassung bekommen, wird jedoch vom Gericht bereits als Pflichtverteidiger für den schweigenden Collini berufen.

Der Neuling will diese Berufung wegen Befangenheit ablehnen, denn mit dem Opfer verband ihn eine lange Freundschaft. Meyer hat den Sohn einer alleinerziehenden türkischen Mutter lange gefördert, seine Enkelin Johanna (Alexandra Maria Lara) war die Jugendliebe des Rechtsanwalts. Auch sie begreift nicht, dass Caspar den Mörder seines einstigen Gönners verteidigen. Doch das Gericht lehnt Leinens Argumente ab.

„Der Fall Collini“ ist spannendes Kino, auch wenn menschliche Beziehungen unterbelichtet bleiben

Lange Zeit tritt unser Held erkenntnismäßig auf der Stelle. Bis bei ihm in letzter Sekunde der Knoten platzt und er den Grund für den Mord in Collinis Heimatort und in der düsteren Vergangenheit sucht. Kreuzpaintner verändert nicht viel an Schirachs Roman, verringert vor allem die Zeitebenen von vier auf drei. Allerdings spürt man wegen dieser Nähe zum Text auch sehr genau, dass Schirach nicht gerade der ideale Autor für die Schilderung von menschlichen Beziehungen ist. Jemand wie Alexandra Maria Lara beispielsweise erscheint hier von der Regie schlecht geführt und reichlich unterbewertet. Dafür funktioniert die Kamera von Jakub Bejnarowicz umso besser, seine Bilder schaffen einen Look, wie er im deutschen Film nicht gerade alltäglich ist.

Wenn Leinen aus Italien zurückkehrt, bringt er Erkenntnisse mit, die Collinis brutale Tat zumindest in einem neuen Licht zeigt. Was Leinen dann aber vor Gericht ausbreitet, wie er die Justiz in toto und vor allem seinen Kontrahenten Professor Mattinger (Heiner Lauterbach) auf die Anklagebank schickt, das sollte man gesehen haben. Es kommen Dinge ans Licht, von denen viele vermutlich überhabt keine Kenntnis haben. Nicht schlecht für einen Anfänger im Gerichtssaal.

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