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Kino: Michael Caines „letzter Job“ macht ihn zum Verbrecher

Michael Caine (Mitte) im Kreise alter Kollegen: alles Ganoven, die „Ein letzter Job“ zusammenführt.

Michael Caine (Mitte) im Kreise alter Kollegen: alles Ganoven, die „Ein letzter Job“ zusammenführt.

Foto: Jack English

Alt, aber nicht gerade altersmilde. Mehr als eine Gaunerkomödie ist „Ein letzter Job“ mit Michael Caine (86). Am End wird es richtig böse.

Auf den ersten Blick wirkt Brian Reader wie ein netter älterer Gentleman. Anders als seine Freunde und Bekannten, die offensichtlich schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, versteht es der legendäre Juwelendieb, seine kriminelle Vergangenheit zu kaschieren. Sein weltmännisches Auftreten erinnert eher an einen hohen Beamten im Ruhestand als an einen Gangster.

James Marsh und sein Star Michael Caine machen in „Ein letzter Job“ keinen Hehl aus Readers Profession. Seine todkranke Frau nimmt ihm das Versprechen ab, er solle sich nicht noch einmal in Schwierigkeiten bringen. Doch schon in dem Moment, in dem Brian es ihr versichert, weiß man, dass er sich daran nicht halten wird.

„Ein letzter Job“, der auf realen Begebenheiten basiert und die Geschichte des Ostern 2015 verübten Überfalls auf die Hatton Garden Safe Deposit Limited erzählt, beginnt als Komödie. Während der Planungsphase des letzten großen Coups der alten Herren kommen Reader und seine Kumpanen, die fast alle zwischen 60 und 70 sind, immer wieder auf ihre Gebrechen zurück. Der eine stöhnt über sein neues Hüftgelenk. Der andere leidet unter Inkontinenz. Ein dritter hört so schlecht, dass er Komplikationen heraufbeschwört.

Platte Gags über das Alter finden sich in „Ein letzter Job“ auch. Filmstart ist Donnerstag

Das Alter seiner Protagonisten wird für Marsh zum Vorwand für eher platte Gags, die vor allem eins bewirken: Man nimmt die von Jim Broadbent, Tom Courtenay, Michael Gambon, Ray Winstone und Paul Whitehouse gespielten Einbrecher nicht ernst. Während man über ihr ewiges Genörgel lächelt, wünscht man ihnen bei ihrem Coup viel Glück. Schließlich lagern in den Schließfächern, die Reader und sein Team, zu dem auch noch der deutlich jüngere IT-Spezialist Basil (Charlie Cox) gehört, ausrauben wollen, vor allem Schwarzgeld und Edelsteine dubioser Herkunft. Trotz dem Alter der Diebe geschuldeter Zwischenfälle gelingt der Einbruch. Die Beute, die sie machen, ist enorm, genau das wird ihnen zum Verhängnis.

Ziemlich unvermittelt schlägt der Ton des Films um. Aus der launigen Gangsterkomödie, die genau dem Muster klassischer Einbruchsszenarien à la „Rififi“ folgt, wird ein düsteres Drama. Als es ans Aufteilen der Beute geht, brechen lange schwelende Konflikte auf. Die seit Jahrzehnten bestehende, aber immer verdrängte Rivalität zwischen Jim Broadbents Terry Perkins und Michael Caines Brian Reader zerreißt die Bande. Die zunächst so harmlos erscheinenden alten Männer erweisen sich als brutale Soziopathen, die keine Skrupel kennen.

Michael Caine zeigt in „Ein letzter Job“ auch den Wandel vom Gentleman zum kalten Killer

Vor allem Reader lässt schließlich die Maske des jovialen Gentlemans fallen und zeigt sich als eiskalter Killer. Um Readers Vergangenheit zu illustrieren, hatte James Marsh einige Einstellungen aus Peter Collinsons 1968 entstandenem „The Italian Job“ in seinen Film eingeschnitten. Doch so wie Caine ihn spielt, ähnelt Brian Reader eher dem von Caine gespielten Auftragskiller Jack Carter aus Mike Hodges’ Genreklassiker „Get Carter“ als dem Dieb aus „The Italian Job“.

Das englische Gangsterkino war immer schon düsterer als sein US-Pendant. Figuren wie Jack Carter oder der von Richard Burton verkörperte Gangsterboss in Michael Tuchners „Die alles zur Sau machen“ haben nichts Heroisches an sich. Sie taugen nicht einmal mehr zu Antihelden. Wer auf sie blickt, starrt in einen Abgrund.

Die Kälte und die Leere, die einst Hodges und Tuchner heraufbeschworen haben, deutet auch Marsh an. Allerdings scheut er vor dem Äußersten zurück. Und so landet „Ein letzter Job“ mit seiner komödiantischen ersten und seiner tiefschwarzen zweiten Hälfte am Ende zwischen allen Stühlen.

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