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Captain Marvel: Frauenpower aus dem WeltallCaptain Marvel: Frauenpower aus dem Weltall

Schlagkräftige Außerirdische: Brie Larson in „Captain Marvel“.

Schlagkräftige Außerirdische: Brie Larson in „Captain Marvel“.

Foto: Chuck Zlotnick/Marvel Studios

In „Captain Marvel“ überzeugt Brie Larson als erste Protagonistin in einem Marvelfilm - und bringt jede Menge Schwung in das Genre

Sage und schreibe 21 Marvel-Filme hat es gebraucht, bis einmal eine Frau in der Hauptrolle ran darf. In „Captain Marvel“, dem neuesten Ableger des Comic-Universums, ist das Brie Larson. Sie verkörpert die Superheldin Carol Danvers. Als Angehörige einer Alien-Kriegerrasse ist sie in einen intergalaktischen Großkonflikt verwickelt. Und zwar mit einem Vampirvolk, dem der Ruf vorauseilt, sich ganze Sternensysteme unter den Nagel zu reißen.

Videothek als Zeittunnel

Carols schlagkräftige Verteidiger-des-Weltraumfriedens-Truppe unter der Führung ihres Ausbilders Yon-Rogg (Jude Law) wird an den Einsatzort eines abseits gelegenen, aber heftig umkämpften Planeten beordert. Dort kracht und scheppert es nach allen Regeln der Superhelden-Filmkunst. Unsere Heldin Carol verliert in dem Gefecht die Kontrolle über ihre Flugkünste – und stürzt ab. „Abgefedert“ wird ihr Crash durch das Dach einer Blockbuster-Video-Filiale. Das Loch, das sie mit ihrem Sturz in das Gebäude reißt, führt sie und die Zuschauer zurück in die Welt Mitte der 90er-Jahre auf dem Planeten Erde.

Wer sich an diese Zeit nicht mehr erinnern kann oder möchte, für den sei noch mal kurz das kulturelle Terrain dieser Epoche umrissen: Im Radio liefen Songs von R.E.M, Alanis Morissette, Nirvana, No Doubt und TLC; im Kino ballerte Arnold Schwarzenegger in „True Lies“ ganze Terrorbrigaden nieder und Cowboy Woody und Astronaut Buzz Lightyear erblickten in „Toy Story“ das Licht der Welt. Wer nicht gerade den Prozess um O. J. Simpson an den Bildschirmen verfolgte, sah Serien wie „Friends“ oder „Akte X“ zum ersten Mal.

Nostalgischer Blick in die 1990er

Was zudem Mitte der 1990er viele Erdenbürger einte, waren die inhuman langen Ladezeiten ihrer CD-Rom-Laufwerke und Windows-95-Computer, deren Marotten sie hoffnungslos ausgeliefert waren. In diese nostalgische Welt versetzt uns „Captain Marvel“ zurück und bringt schnell Schwung in den beschaulichen Zeitabschnitt.

Denn Carol Danvers furioser erster Erdauftritt bleibt nicht unbemerkt. Als Nebenfigur gesellt sich der Cop Nick Fury (Samuel L. Jackson) nach anfänglichem Zögern an ihre Seite. Außerdem gibt es auch ein paar Alien-Verfolger. Jackson ist übrigens ein großes Glück für diesen Film. Regelrechte Lachsalven vermag der mittlerweile 70-jährige, aber topfitte Schauspiel-Routinier den Zuschauern zu entlocken.

Der Plot von „Captain Marvel“ gerät angesichts des Dauer-Slapsticks der von den Regisseuren Anna Boden und Ryan Fleck äußerst liebevoll gezeichneten Charaktere beinahe ein bisschen in Vergessenheit. Es soll auch nicht zu viel verraten werden. Nur das: Die außerirdische Heldin Carol verbindet mit unserem Planeten mehr als zunächst angenommen.

Nach dem Riesenerfolg der DC-Comicverfilmung „Wonder Woman“ setzen nun also auch Disney und die Marvel-Studios auf Frauenpower auf der Leinwand. Brie Larsons clevere und schlagkräftige Heldin bringt somit überfälligen Schwung in das von Männern dominierte Superheldengenre und macht „Captain Marvel“ damit zu einem mehr als sehenswerten Kinospektakel.

USA 2019, 128 Min., R: Anna Boden, Ryan Fleck, D: Brie Larson, Samuel L. Jackson, Jude Law, Ben Mendelsohn FSK 12, Wertung: 5 von 5 Sternen

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