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Florence Pugh als WWE-Star Paige auf der Leinwand zu sehenFlorence Pugh als WWE-Star Paige auf der Leinwand zu sehen

Florence Pugh (links) als Paige und Jack Lowden (rechts) als Zak Knight in Fighting With My Family.

Florence Pugh (links) als Paige und Jack Lowden (rechts) als Zak Knight in Fighting With My Family.

Foto: Robert Viglasky

„Fighting With My Family“ beleuchtet intensiv Leben und Karriere des britischen Wrestlingstars Paige alias Saraya-Jade Bevis

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Mit dreizehn kämpfte sie zum ersten Mal im Ring. Mit 21 triumphierte Paige (bürgerlich: Saraya-Jade Bevis) am 7. April 2014 als jüngste Weltmeisterin des international führenden US-Verbandes World Wrestling Entertainment (WWE).

Wie Preisboxen war Schauringen ursprünglich eine Jahrmarktattraktion. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde es professionell organisiert, die New Yorkerin Josephine Blatt gewann als erste Frau einen World-Champion-Titel. Heute ist Wrestling eine besonders in Mexiko, Japan und den USA populäre Sparte der Unterhaltungsindustrie, mit jährlichen Milliardenumsätzen.

Als Spross einer britischen Berufsringer-Familie – Vater Patrick und Mutter Julia leiten die „World Association of Wrestling“ mit Sitz in Norwich – lag Saraya das Talent gewissermaßen im Blut, auch ihre Geschwister Zak und Roy sind Wrestler. Der achtmalige WWE- Champion und heutige Hollywood-Superstar Dwayne „The Rock“ Johnson wurde zufällig auf den Catcher-Clan aufmerksam, als er im Fernsehen die nun sieben Jahre alte Doku „The Wrestlers: Fighting With my Family“ sah. Prompt dachte er an eine Kinoverfilmung und gewann Stephen Merchant, der in „Zahnfee auf Bewährung“ (2010) Johnsons Bewährungshelfer gespielt hatte, als Drehbuchautor, Regisseur und Nebendarsteller. Vince Vaughn verkörpert souverän den ausgebufften Coach von Paige, Johnson selber tritt charismatisch als „The Rock“ in Erscheinung.

Unterhaltsame kulturelle Gegensätze

Die Inszenierung ist inspirierend, flott und geradlinig, die Kameraführung funktional, ohne Effekthascherei. In der witzigsten Sequenz ist Merchant als verklemmt-spießiger Schwiegervater in spe bei einem Familientreffen zu sehen, entsetzt über die Prollmanieren und den vulgären Jargon der exzentrischen Wrestler. Der kulturelle Gegensatz bei der Konfrontation der blassen Athletin aus der englischen Provinz mit ihren sonnengebräunten US-Konkurrentinnen beim Testtraining in Florida sorgt ebenfalls für Komik. Teils Milieustudie, teils herzerfrischende Familienkomödie vermittelt diese sympathische Biografie nicht nur einen unterhaltsamen Einblick hinter die Kulissen des Profi-Wrestlings. Es zeigt auch beispielhaft, welchem Stress die Kandidaten der Castings bei ihrem Streben nach Ruhm ausgesetzt sind.

Die Dramaturgie ist typisch für Sportfilme: Anfangs scheint die junge Frau aus der Unterschicht chancenlos, es folgen Hoffnung und Enttäuschungen, es fließen Schweiß und Tränen. Motiviert und moralisch unterstützt durch ihre solidarische Familie triumphiert Paige schließlich – scheinbar überraschend. Tatsächlich aber informierte man sie am Tag vor ihrem Debüt bei der wöchentlichen WWE-Sendung „Monday Night Raw“, dass sie Champion wird.

Denn wie im Kino wird die Action bei Wrestling-Shows vorab genau geplant. Es gibt ein Skript, das die Rollenverteilung und den Ablauf der Kampfhandlung regelt. Nichtsdestotrotz ist Wrestling ein beinharter, potenziell lebensgefährlicher Sport. Das musste nicht zuletzt die echte Paige erfahren: Eine Genickverletzung sorgte im April vergangenen Jahres für das vorzeitige Ende der Ringkarriere – und das mit nur 25 Jahren.

USA 2019, 109 Min.; R: Stephen Merchant; D: Florence Pugh, Jack Lowden, Nick Frost
FSK 12, Wertung: 4 von 5 Sternen

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