Kino

Gefühlvoll: Nora Tschirner glänzt in „Gut gegen Nordwind“Gefühlvoll: Nora Tschirner glänzt in „Gut gegen Nordwind“

Nora Tschirner

Nora Tschirner

Foto: Sony Pictures Germany

Berlin.   Kinoromanzen laufen meist nach den gleichen schnöden Mustern ab. Die Romanverfilmung „Gut gegen Nordwind“ ist eine wohltuende Ausnahme.

Es gibt Momente im Leben, da passiert etwas Zufälliges, woran sich etwas Unvorhergesehenes anschließt, und dann – wie der Zufall oder eben das Schicksal so will – ist alles anders als zuvor. So ähnlich ergeht es den beiden Hauptfiguren aus Daniel Glattauers Bestseller „Gut gegen Nordwind“, den Vanessa Jopp nun sehr robust und einfach gut für die Leinwand adaptiert hat.

Mit einer E-Mail fängt alles an

Am Anfang lernen wir den Sprachwissenschaftler Leo (Alexander Fehling) kennen, der ein Gefühlschaos mit seiner Freundin Marlene (Claudia Eisinger) durchmacht. Trennung, Versöhnung, dann ist sie wieder weg. Zwischendurch erhält er eine E-Mail von Emma (Nora Tschirner), die ein Abonnement kündigen will, bei Leo aber an der falschen Adresse ist.

An Weihnachten bekommt Leo eine weitere Mail von Emma, diesmal eine Rundmail mit Festtagsgruß. Da er eigentlich sehnsüchtig auf ein Lebenszeichen seiner Ex wartet, beantwortet er den Gruß mit einem schnippischen Verweis auf die fehlende Kreativität der Massenmail. Emma schießt zurück.

Dann wieder Leo, sie, er, sie. Aus dem Chat entwickelt sich eine digitale Beziehung. Leo und Emma vertrauen sich Intimes an, obwohl oder gerade weil sie sich nicht persönlich kennen. Es gibt eine Regel: Keine Internetrecherche zum Gegenüber – Leo und Emma wollen ihre „digitale Insel“ bewahren.

Schnitt zu Emma: Die lebt mit Ehemann Bernhard (Ulrich Thomsen) und dessen Kindern in einer an sich glücklichen Ehe. Man ist ein gutes Team. Und dennoch sehnt sich Emma nach etwas Anderem ...

Zunächst einmal kann sich die Regisseurin Vanessa Jopp voll und ganz auf ihr glänzendes Liebesduo Alexander Fehling („Das Ende der Wahrheit“) und Nora Tschirner („SMS für Dich“) verlassen. Fehling gilt ohnehin als einer der besten Schauspieler seiner Generation, und Tschirner kann weit mehr als in den Schweiger-Komödien zeigen, wie viel sie wirklich auf dem Kasten hat. Man wünscht ihr für die Zukunft ähnlich gute Rollen.

Kreative Inszenierung

Dazu findet Jopp allerlei kreative Wege, die E-Mail-Romanvorlage ins Filmische zu übersetzen. Die vielen Nachrichten werden entweder modern ins Bild eingeblendet oder aus dem Off verlesen. So und durch ein paar symbolische Bilder entsteht eine Nähe zwischen den Figuren, die auch ohne gemeinsame Szenen glaubhaft wirkt.

Und gleichzeitig gibt es einen Twist, der dem Plot neue Würze verleiht, bevor das Ende wieder perfekt auf den Punkt inszeniert ist. Man bekommt, wofür man gezahlt hat, und ein bisschen mehr davon. Dafür kann es schon mal, wenn auch knapp, die volle Punktzahl geben.

D 2019, 122 Min., R: Vanessa Jopp, D: Nora Tschirner, Alexander Fehling, Ella Rumpf, Ulrich Thomsen, Lisa Tomaschewsky,
FSK 0, Wertung: 5 / 5 Punkten.

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