Kino

Gegen die Justizwillkür: „Just Mercy“ mit Jamie Foxx

Hat er wirklich gemordet? Walter McMillian (Jamie Foxx, re.).

Hat er wirklich gemordet? Walter McMillian (Jamie Foxx, re.).

Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.

Das Rassismus- und Justizdrama „Just Mercy“ mit Jamie Foxx behandelt einen wichtigen Punkt, ist aber zu konventionell inszeniert.

2014 veröffentlichte der US-Bürgerrechtsanwalt Bryan Stevenson das autobiografische Sachbuch „Just Mercy“. Darin schildert er eine ganze Reihe willkürlicher Justizurteile, die sich in ihrer Mehrzahl gegen Schwarze richten. Ein Fall, der Stevenson besonders aufwühlte, war die auf einer wackligen Zeugenaussage fußende Verurteilung des afroamerikanischen Holzarbeiters Walter McMillian, der im Jahr 1987 angeblich eine 18-Jährige ermordet haben soll. Der Regisseur Destin Daniel Cretton hat den wahren Fall als Gerichtsfilm adaptiert.

Ein Anwalt verzichtet in „Just Mercy“ auf die Karriere

Mit seinem Harvard-Abschluss steht dem jungen Afroamerikaner Bryan Stevenson (Michael B. Jordan, im Bild li.) eine steile Anwaltskarriere offen. Stattdessen wird er Mitte der 1980er ein Teil der gemeinnützigen „Equal Justice Initiative“, die Verurteilten einen kostenlosen Rechtsbeistand bietet. Im US-Bundesstaat Alabama findet Stevenson mit der Anwältin Eva Ansley (Brie Larson) eine Mitstreiterin, die ebenso wie er die Gängeleien durch Behörden und rassistische Anfeindungen aushält, um der Gerechtigkeit Gehör zu verschaffen.

Was ist Racial Profiling?
Was ist Racial Profiling?

So gilt der Prozess des zum Tode verurteilten Walter McMillian (Jamie Foxx) als abgeschlossen, obwohl das Urteil auf der fragwürdigen Aussage eines einzelnen Zeugen beruht. Stevenson und Ansley rollen den Fall neu auf, auch wenn das manchen lokalen Entscheidungsträgern ein Dorn im Auge ist. Während McMillian im Todestrakt auf die Hinrichtung wartet, kämpft das Bürgerrechts-Duo gegen alle Widerstände.

Der Fokus liegt auf der Sache an sich

Destin Daniel Cretton und sein Co-Autor Andrew Lanham adaptieren den berichtenswerten Justizskandal als klassisch arrangiertes Gerichtsdrama. Die Dramaturgie hangelt sich an den üblichen Stationen des Genres entlang, darunter die Suche nach neuen Zeugen, juristische Finten und emotionale Plädoyers. Im Ergebnis hebelt der Film das potenzielle Mitfiebern seitens des Publikums immer wieder durch abgegriffene Standard-Szenen aus.

Die konventionelle Inszenierung hat indes auch eine positive Seite, da sie den Blick vom Filmischen auf die Sache an sich lenkt. Cretton stellt gewissermaßen den blanken Inhalt in den Vordergrund, nicht die filmische Umsetzung. Symptomatisch dafür stehen viele Momente, in denen die Kamera lange auf den Personen verharrt, was wiederum Reflexionsräume für das Publikum eröffnet. Hier profitiert der Film auch von der starken Besetzung um Michael B. Jordan, Jamie Foxx und Brie Larson.

Unkreative Machart

Trotzdem hinterlässt die Machart einen insgesamt schalen Beigeschmack, die gerade im Vergleich mit thematisch ähnlichen Justizfilmen der letzten Zeit – etwa „Loving“ oder „The Hate U Give“ – offenkundig wird. Unabhängig davon ist die Geschichte aber vor allem eins: wirklich passiert.

USA 2019, 137 Min., R: Destin Daniel Cretton, D: Michael B. Jordan
FSK 12, Wertung: 3 / 5 Punkten

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