Kino

„Lady Business“: Salma Hayeks neuer Film ist ein Desaster

Tiffany Haddish, Salma Hayek und Rose Byrne (v. li.) spielen die Hauptrollen in „Lady Business“.

Tiffany Haddish, Salma Hayek und Rose Byrne (v. li.) spielen die Hauptrollen in „Lady Business“.

Foto: © 2019 Paramount Pictures Corporation. All rights reserved

Eine Kosmetik-Katastrophe: „Lady Business“ bedient nicht mehr und nicht weniger als uralten und peinlichen amerikanischen Klischee-Humor.

Schon im Sandkasten waren Mel und Mia beste Freundinnen. Jetzt, mit Ende 30, unterhalten beide einen Kosmetikladen mit eigener Produktpalette. Das weckt Begehrlichkeiten bei Claire Luna, die für ihr Kosmetikimperium neue Impulse sucht. Sie lockt Mel und Mia in einen Knebelvertrag, der ihr alles zuschanzt, sollten sich die beiden wegen neuer Geschäftsmodelle streiten. Diese Situation ist leicht provoziert, die Geprellten werden vergleichsweise billig abgefunden. Aber Claire hat die Findigkeit und die Freundschaftsgefühle ihrer Rivalinnen unterschätzt.

„Lady Business“ ist eine US-Komödie aus bewährter Massenfertigung, was die Vorgabe beinhaltet, dass Qualität beim Geldverdienen nur schaden kann. Deshalb setzte man zwei Leute ans Drehbuch, die sowas noch nie zuvor gemacht hatten, und beauftragte Regisseur Miguel Atetar, der bislang keine gehobenen Kinoambitionen verriet.

Klischees statt Charaktere

Die vier Hauptrollen Mel (Rose Byrne, im Bild re.), Mia (Tiffany Haddish, li.), Claire Luna (Salma Hayek, mi.) und Jennifer Coolidge als Mias und Mels Make-up-Expertin Sidney repräsentieren keine Charaktere und nicht einmal Typen. Dasselbe gilt für die Rollen der beiden männlichen Nebendarsteller, Billy Porter (schwul und schwarz) und Karan Soni (intrigant und indisch) – Karikaturen von Geschlechter- und Ethnoklischees wie aus den 1970er-Jahren.

In den USA ist diese Art von Geschlechterwitz bis heute salonfähig. Kassenhits wie „Verrückt nach Mary“ und „Supersüß und supersexy“ oder später „Bad Teacher“, „Kill The Boss“ und „Mädelstrip“ beweisen immer wieder aufs Neue, dass sexuelle Anzüglichkeiten plastische Präzision bezeugen dürfen, solange dies nur im gesprochenen Wort geschieht.

Frühpubertärer Humor

Das amerikanische Publikum akzeptiert das gerne, ein Film muss am Ende lediglich zu heimeliger Familienseligkeit finden, dann kann er als moralisch korrekt bewertet werden. Klammert man jedoch den Weg zum Ziel nicht aus, bleibt nur die ernüchternde Erkenntnis, dass Hollywoods Kinohumor sich einmal mehr auf dem Niveau von frühpubertären Schulhoffantasien erschöpft. Drastisches Beispiel dafür ist hier eine Eiscremetorte, die von oben betrachtet eine Geburt darstellt. Um das Marzipanköpfchen eines Babys formt sich himbeersoßenrot die Vagina, die ihrerseits von Schokosplittern umfasst ist.

Die Protagonistinnen verkörpern in plakativer Schwarz-Weiß-Einigkeit das etablierte gute Amerika, dem böse, gierige Kräfte aus Mexiko und Indien übel mitspielen wollen. Filmisches Handwerk erschöpft sich in altbackener TV- Ästhetik mit Nah- und Halbnaheinstellungen, in denen weder Action noch Slapstick stattfindet. „Lady Business“ ist ein seelenloses Kommerzprodukt.

USA 2020, 84 Min., R: Miguel Atetar, D: Rose Byrne, Tiffany Haddish, Salma Hayek, J. Coolidge
FSK 12, Wertung: 1 / 5 Punkten

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben