Kino

Neu auf der Kinoleinwand: Killerin mit Kulleraugen

Manga-Mädchen und Kämpferin „Alita“.

Manga-Mädchen und Kämpferin „Alita“.

Foto: Twentieth Century Fox

Die Managverfilmung „Alita: Battle Angel“ von James Cameron überwältigt visuell, das Action-Spektakel könnte aber etwas runder erzählt sein.

Schon im Jahr 2000 machte die Neuigkeit die Runde, dass der Blockbuster-Experte James Cameron die beliebte Manga-Reihe „Battle Angel Alita“ für die Leinwand adaptieren will. Weil Cameron mit den vier „Avatar“-Sequels auf lange Sicht ausgebucht ist, übergab er den Regieposten schließlich an seinen Kollegen Robert Rodriguez, blieb aber als Produzent und Co-Autor in sein Herzensprojekt involviert. Rodriguez inszeniert den Stoff als visuell opulenten Cyber-Punk-Trip. Das Budget von rund 200 Millionen Dollar wird in einem großen Spektakel verfeuert, das zugleich eine emotionale Dimension besitzt – auch wenn die „Frankenstein“-artige Story eher oberflächlich ausfällt.

Eine geteilte Welt

300 Jahre nach einem verheerenden Krieg ist die Erde des 26. Jahrhunderts in zwei Sphären geteilt. In der schwebenden Himmelsstadt Zalem lebt es sich gut, während die Menschen in der anarchischen Erdenstadt Iron City den Müll der Reichen verwerten. Auf einem der vielen Schrottplätze in Iron City findet der mysteriöse Wissenschaftler Dr. Ido (Christoph Waltz) den Kopf eines Robotermädchens (Rosa Salazar), dem er einen neuen Körper verpasst. Neugierig entdeckt die auf den Namen Alita getaufte Mensch-Maschine die Welt und fragt immer drängender nach ihrem vergessenen Vorleben. Mit ihrem Schwarm Hugo (Keean Johnson) will Alita mehr über ihre Vergangenheit erfahren und erkennt, dass in ihr ein zum Kämpfen bestimmter Todesengel schlummert ...

In technischer Hinsicht fällt „Alita: Battle Angel“ erwartungsgemäß brillant aus. Die dystopische Zukunft steckt voller Details und bietet insbesondere bei den rasanten Actionszenen etliche Schauwerte mit Superzeitlupen und plastischem 3D-Effekt. Die computeranimierte Titelheldin wurde mit dem Performance-Capture-Verfahren zum Leben erweckt, bei dem die Bewegungen der Darstellerin Rosa Salazar auf das Modell übertragen wurden.

Choreografierte Action

Alitas übergroße Augen zitieren die Mangavorlage und stießen vorab auf geteiltes Echo, erweisen sich aber als gelungener Kniff. So betont die künstliche Optik, dass Alita kein Mensch ist, zudem reflektieren die Kulleraugen ihr Innenleben umso eindrücklicher. Quasi als Kür erzeugt die Identitätssuche der Cyborg-Kämpferin nämlich emotionale Anteilnahme. Nach der ersten Hälfte, in der wir die Zukunft an Alitas Seite auskundschaften, gerät die Balance zwischen romantischer Entwicklungsgeschichte und Science-Fiction-Action zugunsten des zweiten Aspekts aus dem Gleichgewicht.

Erzählerisch bleibt viel Interessantes links liegen, doch dafür reißt die versiert choreographierte und gewalttätige Action mit. Ein Highlight sind die irrwitzigen Arena-Rennen im Geist von „Rollerball“ und „Ready Player One“, zu denen der wuchtige Score von Junkie XL dröhnt. Die menschlichen Akteure gehen im Effektgewitter fast zwangsläufig unter, am stärksten in Erinnerung bleibt Alitas staunender Blick auf die Welt.

CN, ARG, USA 2019, 122 Min., R: Robert Rodriguez, D: Rosa Salazar, Christoph Waltz, Keean Johnson, Jennifer Connelly, Mahershala Ali FSK 12, Wertung: 4 von 5 Sternen

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