Porträt

Nora Tschirner - ungeschminkte Geheimwaffe

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Essen. Sie muss sich nicht wie eine Diva benehmen, um gemocht zu werden: Schauspielerin und Moderatorin Nora Tschirner ist mit beinahe entwaffnender Natürlichkeit gesegnet. Ab Donnerstag ist sie an der Seite von Til Schweiger in der Film-Komödie "Zweiohrküken" im Kino zu sehen.

Nein, zur Diva taugt sie nicht. Sie gehört nicht zum Frauentyp der dauerfrisierten Grinsekatze, die über den Roten Teppich stöckelt, sich in Pose wirft und jeden Satz mit „Das Kleid ist von..." beginnt. Und warum? Weil es Nora Tschirner einfach nicht nötig hat. Sie ist hübsch, keine Frage. Und auf dem Roten Teppich macht sie sich auch gut. Das hindert die Berlinerin aber nicht daran, ihre Grandezza mit manch markigem Spruch zu garnieren: „Na und? Ich bin auch Nora Tschirner - deswegen kack ich nich auf die Straße und verkaufs im Internet." Kernig.

Und gerade dieses Unprätentiöse, diese beinahe entwaffnende Natürlichkeit, macht die 28-Jährige mit Vorliebe zu schräg-schrulligen Rollen zu einer Art Geheimwaffe des deutschen Films. Weil sie sich am liebsten so zeigt wie sie ist. Im Film wie im wahren Leben. Und Nora Tschirners tagtäglicher „Ist-Zustand" ist vor allem eines: ehrlich.

Quasi ungeschminkt

Und höflich. Das dürfte nun diejenigen überraschen, die besonders ein Attribut mit der Berlinerin verbinden: „rotzfrech". Für Nora Tschirner ist das nur eine „Facette". Zum Glück: „Wenn ich die ganze Zeit rotzfrech wäre, wäre ich einfach nur unhöflich. Und das will ich nicht sein. Ich finde das immer befreiend, wenn man so gesehen wird, wie man wirklich ist", sagt sie im Gespräch mit der NRZ. Quasi ungeschminkt. Dafür hat Nora Tschirner sowieso nicht viel übrig: „Ich habe mich vor einem Date nie geschminkt bis zum Gehtnichtmehr, um mich dahinter zu verstecken."

Puffer zwischen Realität und Fiktion

Ihr scheint jede Maske zuwider, die nicht zur Belustigung des Publikums beiträgt, sondern jeden Menschen nur zum eigenen Objekt stilisiert. Und den beinahe schon ausgetretenen Weg von Kunst zur Karikatur schlägt sie nicht ein. Darum nimmt sie sich nicht wichtiger als sie ist, kommt mal eben für einen Tag nach Duisburg, um im Filmforum Dokumentarfilme für Kinder vorzustellen. Eine Herzensangelegenheit für die Tochter eines Dokumentarfilmers. „Die Menschen tendieren vielleicht eher dazu, der Realität ein bisschen zu entfliehen als sich mit ihr zu befassen", vermutet Nora Tschirner, warum es der Dokumentarfilm in Deutschland so schwer hat. Und beweist wieder einmal, dass sie keine realitätsferne Künstlerin ist. Indem sie dem Organisator anbietet, ihr Mittagessen selbst zu bezahlen.

Wenn man möchte, dann ist sie so etwas wie ein menschlicher Puffer zwischen Realität und Fiktion. Eine Art Wirklichkeitskatalysator. Als Beleg mag eine Szene aus ihrem neuen Film „Zweiohrküken" herhalten, der heute in den deutschen Kinos anläuft: Da steht sie im Dessous-Geschäft in viel zu enger Unterwäsche vor der Umkleide und sieht ein wenig, nun ja, hilflos aus, als plötzlich ein anderer Vorhang aufgeht. Aus der Kabine tritt der Inbegriff einer Frau, die Frau nicht sehen möchte - ganz besonders nicht in einem Unterwäschegeschäft. Zumal diese Frau die Verflossene des eigenen Freundes ist und mit ihren 90-60-90-Maßen per se schon ein natürliches Feindbild darstellen würde.

Zwischen Waschbrett und Wirklichkeit

Nun gut, es ist eine Szene aus einem Film. Noch dazu eine Szene, die man keiner Frau wünscht, mit der sich womöglich aber manche Frauen identifizieren.

Übrigens genauso wie der männliche Otto-Normal-Verbraucher, wenn er eine Badehose neben einem braungebrannten Unterwäschemodel anprobieren muss. Eine Gratwanderung zwischen Waschbrett und Wirklichkeit. Und in dieser Hinsicht hat Nora Tschirner ihrem Konterpart Til Schweiger einiges voraus.

Und wenn sie doch mal katzengleich wirken sollte, dann nur durch Zufall, wenn sie faucht wie ein Streuner. Das kann sie nämlich auch.

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