Kino

Törööö auf der Leinwand – Benjamin Blümchen wird FilmstarTörööö auf der Leinwand – Benjamin Blümchen wird Filmstar

Benjamin Blümchen und Otto.

Benjamin Blümchen und Otto.

Foto: Studiocanal GmbH

„Benjamin Blümchen“ trompetet nun erstmals im Kino – und das mit prominenter Unterstützung

„Auf ’ner schönen grünen Wiese liegt ein großer grauer Berg“, singt Wärter Karl im Titellied der „Benjamin Blümchen“-Hörspiele. Wie der Text weitergeht, weiß hierzulande jedes Kind: Der Berg ist ein sprechender Elefant, der Zwerg dessen bester Menschenfreund Otto. Beide gehen Seite an Seite durch dick und dünn und eignen sich ganz hervorragend als Vorbildfiguren. Dass zu einer so bekannten und seit Jahrzehnten beliebten Marke bisher kein Kinofilm existiert, verwundert, schließlich werden sämtliche Erfolgsstoffe verfilmt, die nicht bei drei auf den Bäumen sind. Im Fall von „Benjamin Blümchen“ genügt das Kinodebüt trotz mauer Computereffekte für mittelprächtige Unterhaltung ohne sonderliche Ansprüche – weder an sich selbst noch an das Publikum.

Die Sommerferien verbringt der kleine Otto bei seinem besten Freund Benjamin Blümchen im Neustädter Zoo. Wo könnte es schöner sein als an der Seite der vielen Tiere und lieber Bekannter wie dem Direktor Tierlieb? Das Idyll trübt sich, als die ruchlose Architektin Zora Zack im Zuge einer Modernisierung einige Luxusapartments mitten im Zoo errichten will. Statt das mit dem Zoodirektor abzusprechen, klüngelt Zack mit dem Bürgermeister. Otto erkennt sofort, dass der Unternehmerin nicht zu trauen ist, während Benjamin auf Zacks Komplimente und ihre Umgarnung mit Zuckerstückchen hereinfällt. Sogar das Törööö-Verbot und die neuen hippen Klamotten, die er als Maskottchen tragen soll, nimmt der sprechende Elefant wohlwollend hin. Bald beeinträchtigt das auch die Freundschaft mit Otto.

Hoher Nostalgiefaktor

Der Regisseur Tim Trachte und die Skriptautorin Bettina Börgerding bauen bei der Übersetzung ins Filmische auf den Nostalgiefaktor, der sich im Neustädter Zoo quasi von selbst einstellt. Wie in vielen der klassischen Hörspielfolgen spielen die Geldsorgen des Tierparks eine Rolle, zudem treten alle der bekannten Figuren auf.

Mit der von Heike Makatsch lebhaft verkörperten Antagonistin Zack, die die parodistisch angelegten Hipster Hans und Franz beschäftigt und alles Alte verachtet, kommt auch frischer Wind in den Film. Und wenn Benjamin auf ein Skateboard steigt oder Otto und der Elefant eine Agenten-Aktion à la „Mission: Impossible“ ausführen, kommt auch der bei Kindern beliebte Slapstick nicht zu kurz.

„Benjamin Blümchen“ ist ganz und gar auf das jüngste Kinopublikum zugeschnitten, was sich in heiteren Gesangseinlagen, farbenfrohen Bildern und der simpel strukturierten Handlung widerspiegelt. Insgesamt geht das in Ordnung, auch wenn die Animationen ziemlich unfertig aussehen.

Ein wenig unnatürlich

Wo der vom aktuellen Stammsprecher Jürgen Kluckert vertonte Elefant Benjamin noch eine passable Optik hat, wirken die animierten Hintergründe auffallend unnatürlich. Kinder können das wohl übersehen. Der angestrebte Nostalgiefaktor, der zur vollen Entfaltung ein erwachsenes Publikum braucht, bleibt ob der mäßigen Machart aber im Ansatz stecken. Letztlich zeigt die wenig ambitionierte Verfilmung auch, wie festgezurrt und mutlos die hiesige Kinderfilmlandschaft oft ist.

D 2019, 98 Min., R: Tim Trachte, D: Jürgen Kluckert (Sprecher), Manuel Santos Gelke, Heike Makatsch, Tim 0liver Schultz, Friedrich von Thun FSK 0, Wertung: 3 von 5 Sternen

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