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Warum er der Beste ist: Hollywoodstar Gene Hackman wird 90

Gene Hackman bei einer Pressekonferenz zu seinem vorletzten Film „Das Urteil“ 2003.

Gene Hackman bei einer Pressekonferenz zu seinem vorletzten Film „Das Urteil“ 2003.

Foto: Getty Images

Santa Fé.  Er ist einer der größten Hollywoodstars und hat sich zu früh aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Heute wird Gene Hackman 90. Eine Verbeugung.

Vermutlich hat Filmemacher Alan Parker ihm vor 20 Jahren mal eins der größten Komplimente gemacht. „Jeder Regisseur hat eine Liste mit Lieblingsschauspielern“, sagte der Brite damals, „Gene Hackman stand auf jeder.“

Ob Hackman, der heute seinen 90. Geburtstag feiert, mal wieder in der Öffentlichkeit auftaucht? Das letzte Foto, das man von ihm findet, ist zwei Jahre alt, es stammt aus einer Fahrrad-Zeitschrift und zeigt einen drahtigen Herrn mit Jeans und Baseballkappe beim Kauf eines E-Bikes in seiner Heimatstadt Santa Fé. Oft gesehen wird er darauf nicht, denn die Nachbarn seines Anwesens in einem Vorort berichten, dass er sich mit seiner Frau Betsy Arakawa (58) vollends zurückgezogen hat.

Die kleine Geste wirkt stärker als die große Pose

Ob man ihn noch einmal auf der Leinwand sehen werde, hatte ihn ein Reporter 2014 am Telefon gefragt, es hatte nichts von der anbiedernden Höflichkeit, mit der man sich die Sympathien seines

Gesprächspartners erkaufen möchte. Denn wäre er noch einmal vor die Kamera getreten, hätte er den vielen, die seine Schauspielkunst schätzen, einen Wunsch erfüllt. Diese Kunst, alles so unangestrengt, so einfach und normal aussehen zu lassen, dieser kontrollierte Minimalismus im Spiel im Wissen, dass die kleine Geste stärker wirkt als die große Pose – wer hat das in Hollywood je besser beherrscht als dieser Eugene Alan Hackman?

Aber nach fast 90 Filmen, zwei Oscars für „French Connection“ und „Erbarmungslos“ und vier Golden Globes war 2004 Schluss für ihn. Man müsse zu viele Kompromisse machen, sagte er damals in der Talkshow des legendären Larry King. Er wolle den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen, fügte er hinzu und verabschiedete sich leise mit der Komödie „Willkommen in Mooseport“ aus dem Filmgeschäft. Er malt, hat ein paar Romane seither geschrieben.

Hackmans Gesicht mit der wuchtigen Nase und dem entspannten Lächeln des Erfahrenen, ein Gesicht, das Härte und Entschlossenheit, aber auch Zweifel und Ohnmacht spiegeln kann, ein Gesicht, das nie jung war, hat das neue US-Kino der 70er-, 80er- und 90er-Jahre so stark geprägt wie kaum ein zweites. Sein Repertoire war universell, er beherrschte Alphatiere und Jedermänner, Präsidenten und Polizisten. Oft vertraute man ihm Schurken an, die ihre Macht missbrauchen. Nie spreizte er sich dabei wie all die Nicholsons und Pacinos, drängte sein Ego in den Blickpunkt, sondern verschrieb sich stets der Rolle.

„Popeye“ Doyle machte Gene Hackman endgültig zum Filmstar

Sein unvergessener Auftritt als straßenköteriger Drogenfahnder Jimmy „Popeye“ Doyle, mit dem er in „French Connection“eine brillante Charakterstudie ablieferte, machte ihn 1971 endgültig zum Star. Wer

diesen Doyle dabei beobachtet, wie er seine nervöse Energie kaum im Zaum halten kann, sah das schauspielerische Potenzial, das in Hackman steckte. Dabei hielten Lehrer ihn und seinen Kumpel Dustin Hoffman an der Schauspielschule in Pasadena 1958 für die Kandidaten mit den geringsten Erfolgsaussichten.

Dass drei seiner besten Filme in der Folge die Anerkennung versagt blieb, darunter Coppolas Meisterstück „Der Dialog“, in dem er als Abhörspezialist Opfer seiner eigenen Technik wird, hat Hackman für eine Weile zum Absahner werden lassen: Er drehte im Akkord, darunter Filme, die seine Mitwirkung nie verdient hätten, ihm aber üppige Gagen sicherten – besonders üppige als Supermans Gegenspieler Lex Luthor.

Mit „Mississippi Burning“ kehrte er in die ersten Reihe zurück

Mit Alan Parkers schmerzhaftem Rassismusdrama „Mississippi Burning“ und Clint Eastwoods bitterbösen Spätwestern „Erbarmungslos“ kehrte Hackman im Herbst seiner Karriere zum Qualitätskino und in die erste Reihe zurück. Er sammelte verdiente Auszeichnungen, darunter auch einen Silbernen Bären bei der Berlinale 1989.

Seine letzte große Filmszene – im Gerichtskrimi „Das Urteil“ 2003 – bewies noch einmal, welch schmerzlicher Verlust sein viel zu früher Abgang fürs Kino bedeutete: ein messerscharfes Rededuell zwischen zwei Anwälten (der andere ist Dustin Hoffman) auf einer Gerichtstoilette über die verkommene Moral einer Welt, in der das Recht zur Ware verkommt. Fünf Minuten, die man jedem Schauspieler als Anschauungsunterricht servieren müsste.

Es mache ihn nervös, sich auf der Leinwand zu betrachten, hat Gene Hackman einmal vor Jahren in einem Interview erzählt. „Alles was ich sehe, sind das Doppelkinn, die Tränensäcke unter den Augen und der schüttere Haaransatz.“ Er habe sich seine Filme deshalb nicht angesehen.

Schade. Er hat so viel verpasst.

BIOGRAFISCHES:

Gene Hackman, geboren in Kalifornien, wuchs bei der Großmutter in Illinois auf, die Eltern hatten sich scheiden lassen. Er brach die Schule ab, arbeitete als Funker beim Militär. Er studierte Journalistik, beschloss Schauspieler zu werden, scheiterte an der Schauspielschule. Mit den Ex-Kommilitonen Dustin Hoffman und Robert Duvall teilte er sich in New York eine Einzimmer-Wohnung. 1961 bekam er die erste Filmrolle.

Hackman ist seit 1991 in zweiter Ehe verheiratet, aus der ersten hat er drei Kinder.

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