Animationsfilm

„Willkommen im Wunder Park“ bewegt Kinder wie Erwachsene„Willkommen im Wunder Park“ bewegt Kinder wie Erwachsene

Bangt um ihre schwer kranke Mutter – und wird von blauen Bären getröstet: Hauptfigur June.

Bangt um ihre schwer kranke Mutter – und wird von blauen Bären getröstet: Hauptfigur June.

Foto: 2018 Paramount Animation

Berlin.   Der quietschbunte und mitreißende Animationsfilm „Willkommen im Wunder Park“ verbindet rasante Abenteuer mit einem starken emotionalen Kern.

Ein kleines Mädchen wird mit der schlimmen Krankheit der Mutter konfrontiert und verfällt in eine tiefe Melancholie, wenn nicht Depression. Kein üblicher Stoff für einen Kinderanimationsfilm. Dass das Mädchen zugleich ein fantastisches Abenteuer in einem eigentlich nur imaginierten Vergnügungspark erlebt, bleibt schon eher im gewohnten Rahmen. Da die Story und die Inszenierung von „Willkommen im Wunder Park“ die dramatische Problemlage und den flotten Unterhaltungspart auf smarte Weise ineinander verflechten, trifft „für die ganze Familie“ auf diesen besonderen Kinobeitrag völlig zu. Im Mittelpunkt steht die technikaffine June (Bild oben), die zusammen mit ihrer Mutter an einem Freizeitpark-Modell tüftelt. Nach Jahren des spielerischen Aufbauens erstreckt sich das Wunderland quer durchs Elternhaus. Doch als die Mutter ernsthaft erkrankt ins Krankenhaus muss, verliert June ihre Abenteuerlust und das Interesse am geliebten Park. Schließlich verpackt sie das Spielzeug in Kisten. Das zuvor so vitale Kind wirkt immer bedrückter, was ihren Vater sehr besorgt.

Magische Schimpansen

Die Wende kommt, als June im Wald das Modell ihres Wunderlands entdeckt – in Lebensgröße! Sogar die tierischen Parkmitarbeiter begrüßen sie dort, allen voran der magisch begabte Schimpanse Peanut. Da staunt June nicht schlecht, doch fürs Nachsinnen bleibt keine Zeit: Über dem Park wabert eine bedrohliche schwarze Wolke, die eine Heerschar bunter Stoffäffchen zum Kaputtmachen der Fahrgeschäfte und Buden animiert. Nun liegt es an der innerlich blockierten June, das Blatt zu wenden.

Die finstere Wolke über dem Park wird im Film die „Dunkelheit“ genannt und steht symbolisch für die Trauer und Niedergeschlagenheit des Mädchens. Das wird zwar ebenso wenig konkret thematisiert wie das Leiden der Mutter, schwingt aber besonders aus Erwachsenensicht deutlich mit. Neben typischen Kinderfilmthemen wie Selbstvertrauen und Familie verfügt der Film somit über einen tiefsinnigen Aspekt. Das Publikum kann mitfühlen, wie Junes Lebensfreude verschwindet und wieder aufblüht. In der stärksten Szene erinnert das an die tragische Ehe-Montage aus „Oben“.

Sehenswerte 3-D-Animation

Ansonsten gemahnt die ­Nickelodeon-Produktion eher an abenteuerliche Animationsfilme wie „Kubo“, den Disney-Film „Der Nussknacker und die vier Reiche“ und das implizite Vorbild „Alice im Wunderland“. Schön ist nämlich, dass der Film trotz des ernsten Hintergrunds unterhaltsam und temporeich ausfällt. Junes unverhoffter Ausflug ins Fantastische geht Hand in Hand mit aufrichtigen Emotionen. Der durch Actionszenen wie eine irrwitzige Seifenkistenfahrt beschleunigte Erzählfluss tritt nur im Mittelteil etwas auf die Bremse. Die zeitgemäß umgesetzten 3-D-Bilder sind fraglos sehenswert, werden aber nie zur Hauptattraktion. Diese Ehre gebührt June und ihrer liebenswerten Persönlichkeit.

ESP, USA 2019, 85 Min.,
R: Josh Appelbaum, André Nemec, Robert Gordon.
FSK: 0. Wertung: 4 von 5 Sternen

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben