Bibliotheken in NRW

Land fördert kirchliche Bibliotheken mit zwei Millionen Euro

NRW-Kultusministerin Pfeiffer-Poensgen (li.) und Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck erkunden mit Kindern vom Kindergarten St. Mariä-Empfängnis die Bücherkisten der kirchlichen Bibliothek der Gemeinde in Essen-Holsterhausen.

NRW-Kultusministerin Pfeiffer-Poensgen (li.) und Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck erkunden mit Kindern vom Kindergarten St. Mariä-Empfängnis die Bücherkisten der kirchlichen Bibliothek der Gemeinde in Essen-Holsterhausen.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Essen.  1272 Bibliotheken in Trägerschaft der Kirchen gibt es. Damit ist Ihr Netz in NRW dichter gewoben als das der Kommunen.

Überraschung: In NRW gibt es deutlich mehr Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft als kommunale Bibliotheken. Das Land NRW hat das erkannt und seit 2018 beschlossen, jedes Jahr eine halbe Million Euro für die Arbeit dieser Bibliotheken zur Verfügung zu stellen, die pro Jahr von rund 3,6 Millionen Menschen besucht werden. Und das Programm wurde jetzt verlängert: Auch 2021 sollen die 1272 öffentlichen Büchereien in kirchlicher Trägerschaft wieder mit einer halben Million unterstützt werden, so dass die Förderung sich auf insgesamt zwei Millionen Euro beläuft.

Zum Vergleich: In 271 Kommunen in NRW gibt es Öffentliche Bibliotheken mit insgesamt 486 Ausleihstellen. Gewährt wird der Zuschuss für so genannte „Bücherboxen“ oder generell für die Aktualisierung des Bestandes. 619 Bibliotheken haben bereits eine Förderung beantragt und bekommen – knapp 3000 Euro beträgt eine typische Fördersumme.

Fördersumme bedeutet Verdopplung des Etats für Neuanschaffungen

Für eine Pfarrbibliothek wie in Essen-Holsterhausen, wo gestern NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) und Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck das kulturelle Engagement der Bibliotheken würdigten, bedeutet das in etwa eine Verdopplung des Jahresetats für Neuanschaffungen. Monika Mock, Leiterin der Pfarrbibliothek mit mehr als 7000 Medien, hat rund 2600 Euro jährlich für neue Bücher zur Verfügung, 1400 Euro vom Bistum, 1200 von der Pfarrei.

„Damit lassen sich keine großen Sprünge machen“, sagt sie, angesichts der Bücherpreise. Ihre Bibliothek hat Bücherkisten spendiert bekommen. „Aufsuchende Bibliotheksarbeit“ ist das Stichwort: Mit den Büchern geht es in die Grundschulen und Kindergärten der Umgebung – denn die Jüngsten sind die eifrigsten Leser. Ähnliches gibt es an vielen Orten auch für Senioren und Behinderte – und natürlich in Krankenhausbüchereien.

Schwierigkeiten, Nachwuchs für die Bibliotheksarbeit zu gewinnen

Schwierigkeiten in Holsterhausen eher der Nachwuchs bei den ehrenamtlichen Helfern, sagt sie. Die meisten seien schon älter, die Frauen heutzutage auch meist berufstätig, also ist es schwierig, die Öffnungszeiten an immerhin sechs Wochentagen zu besetzen. Antragsberechtigt für das Landesförderprogramm sind Bibliotheken, die mindestens sechs Stunden pro Woche öffentlich zugänglich sind – auch das ist für manche Bibliothek schon schwer zu schaffen.

Klassiker auch hier in Essen-Holsterhausen: die Öffnung zu den Gottesdienstzeiten am Sonntag. Die Diskussion um die Öffnung an Sonntagen auch bei kommunalen Bibliotheken sieht Helga Schwarze gelassen: „Alle Büchereien sind immer auch Treffpunkte und Ort verschiedener kultureller Aktivitäten. Das kann nur bereichern.“ Insgesamt, so Ministerin Pfeiffer-Poensgen, erlebe man durchaus so etwas wie eine Renaissance der Bibliotheken.

In den Bistümern Münster und Köln gibt’s Pfarr- statt Stadtbüchereien

Allein in Essen gibt es 41 kirchliche Bibliotheken: 39 im Bistum Essen, zwei in Kettwig, das zum Bistum Köln gehört, die Stadt unterhält 17 Bibliotheken. Im gesamten Bistum Essen sind es 120, im Bistum Münster 290. Hier und im Bistum Köln gibt es allerdings kirchliche Büchereien mit hauptamtlich Beschäftigten: Die katholischen Bibliotheken übernehmen hier den Bibliotheksauftrag von den Kommunen, die dafür dann die Beschäftigen mitbezahlen.

Die Nutzer- und Besucherzahlen sind konstant, sagen einmütig die beiden Kirchen. Schließungen einer kirchlichen Bücherei wie sie jetzt in Emmerich-Elten geplant ist, seien sehr selten. In Aachen habe es einen Fall gegeben, in dem die Bibliothek Opfer einer Brandstiftung geworden, daraufhin habe das Team aufgegeben, so Helga Schwarze, Büchereibeauftragte der evangelischen Kirche im Rheinland, zu der in NRW etwa hundert Bibliotheken gehören – plus etlicher Krankenhausbüchereien. Und die meisten Ehrenamtlichen, die sich einmal für die Büchereiarbeit begeistern ließen, blieben auch dabei.

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