Literatur

Literatur aus Norwegen: so schön, so schroff

Der Hardangerfjord im südwestlichen Norwegen, im Hintergrund der Folgefonna Gletscher.

Der Hardangerfjord im südwestlichen Norwegen, im Hintergrund der Folgefonna Gletscher.

Foto: jacquesvandinteren / Getty Images

Essen.  Norwegen präsentiert sich zur Frankfurter Buchmesse mit vielen Werken: Die besten Romane – von Jostein Gaarder, Jo Nesbø, Maja Lunde und anderen.

250 Übersetzungen norwegischer Bücher sind in Vorbereitung auf den Gastland-Auftritt auf Deutsch erschienen, 75 Autorinnen und Autoren reisen an zur Frankfurter Buchmesse. Welche Bücher man gelesen haben sollte: ein Überblick.

Jostein Gaarder

Seinen Philosophie-Roman „Sophies Welt“ kennt jedes Kind – und mancher Erwachsene. Dass er auch klein kann, beweist Jostein Gaarder mit seiner „kurzen Geschichte einer langen Nacht“: „Genau richtig“ (Hanser, 128 S., 16 €) ist Novelle und Essay, ist ein Nachdenken über die Zeit, das Leben und sein Ende.

Jo Nesbø

Die Top Ten norwegischer Krimi-Autoren hat Media Control in dieser Woche veröffentlicht; auf Platz 1, 3, 4 und 5: Jo Nesbø. „Messer“ (Ullstein, 576 S., 24 €) ist der zwölfte Fall für Harry Hole und sein persönlichster – es geht um Ehe, Ehre, Karriere.

Lars Mytting

„Der Mann und das Holz“: Ein Sachbuch machte den ehemaligen Verlagslektor Lars Mytting zum Bestseller-Autor. Sein Roman „Die Glocke im See“ (List, 482 S., 24 €) reist zurück in eine Zeit, in der mit Holz noch geheizt wurde – und gebaut. Zu Beginn erfriert eine alte Frau in einer Stabkirche, später geht es um das, was uns heilig ist: Eine melancholische Grundmelodie, der man sich kaum entziehen kann.

Linn Ullmann

1966 wurde die Tochter von Liv Ullmann und Ingmar Bergman in Oslo geboren, erst spät begann Linn Ullmann das Schreiben. Ihr Roman „Die Unruhigen“ (Luchterhand, 416 S., 22 €) erzählt von langen Gesprächen mit dem Vater, von einem früh erwachsenen Kind – und von Eltern, die selbst lieber Kinder sein wollten.

Erik Fosnes Hansen

Vom Untergang kündete Erik Fosnes Hansen mit seinem Besteller „Choral am Ende der Reise“, vom Untergang kündet auch die Hotel-Saga „Ein Hummerleben“ (Kiepenheuer & Witsch, 384 S., 24 €): Der 13-jährige Enkel der Hotelbesitzer malt sich seine Zukunft noch rosig aus, das Grandhotel im norwegischen Fjell der 80er-Jahre aber hat seine besten Zeiten hinter sich. Ironisch und liebevoll.

Gunnhild Øyehaug

Schriftstellerin Gunnhild Øyehaug hat nicht nur in ihrer Heimat Preise abgeräumt, sondern war 2018 in Amerika für den National Book Award nominiert. Ihr Roman „Ich wär gern wie ich bin“ (Suhrkamp Nova, 272 S., 13,90 €) erzählt frisch und mit tiefer Verbeugung vor dem popkulturellen Erbe der Gegenwart von einem Liebesreigen, der komplexer kaum sein könnte.

Jon Fosse

Das autobiografische Erzählen made in Norwegen ist nicht allein Karl Ove Knausgård vorbehalten. Jon Fosse, vor allem als Dramatiker ein Schwergewicht seines Landes, erzählt in seinem Roman „Der andere Name“ (Rowohlt, 480 S., 30 €) zwei Versionen eines Künstlerlebens: ein entschleunigtes Sinnieren über das Wesen aller Kunst.

Stig Sæterbakken

Eine Ehe zerbricht. Ein Kind stirbt. Und ein Vater versinkt im ewigen Dunkel. Stig Sæterbakkens Roman „Durch die Nacht“ (Dumont, 288 S., 22 €) durchschreitet die größtmögliche Verzweiflung und lässt zugleich irrsinnige Hoffnungen aufblitzen. In Norwegen war Sæterbakken ein gefeierter Autor, bis er sich 2012 mit nur 46 Jahren das Leben nahm. Der Roman ist das einzige bislang auf Deutsch übersetzte Werk.

Maja Lunde

Was macht eigentlich Maja Lunde? Keine Sorge: Sie schreibt. Teil drei ihres klimatisch bewegten Quartetts erscheint am 21. Oktober: „Die letzten ihrer Art“ (btb, 640 S., 22 €) erzählt von einer seltenen Pferderasse und spielt unter anderem in St. Petersburg. Man darf gespannt sein!

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