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Autor Steffen Jacobsen schnüffelt in der Pharmaindustrie

Im neuen Thriller von Steffen Jacobsen kommt ein Pharmaunternehmer ums Leben.

Im neuen Thriller von Steffen Jacobsen kommt ein Pharmaunternehmer ums Leben.

Foto: skynesher / Getty Images

Autor Steffen Jacobsen veröffentlich den fünften Teil seiner „Lene Jensen und Michael Sander“-Reihe. „Sühne“ ist eine spannende Fortsetzung.

Der Anfang dieses Thrillers ist fulminant: „(Frank Linden) war überzeugt, dass dieser Tag sein letzter sein würde, und er hatte vor, ihm so elegant wie möglich entgegenzutreten.“ Linden ist todsterbenskrank, doch bevor er geht, will er noch eine Sache bereinigen, die ihn seit vielen Jahren verfolgt – und die einen riesigen Pharmaskandal auslösen wird, wenn sie ans Licht kommt. Der steinreiche Pharmaunternehmer ist mit einem Journalisten verabredet, dem er sein streng geheimes Material überreichen will. Doch die Übergabe überlebt er nicht – und auch der Journalist gerät ins Visier einer Auftragskillerin.

Michael Sander, Privatermittler und Ex-Soldat, ist mit dem Journalist befreundet und eilt ihm zur Hilfe. Parallel wird Lene Jensen, Kommissarin und Ehefrau von Michael Sander, auf den Fall angesetzt. Sie weiß nichts von den Ermittlungen ihres Mannes, der aber bald schon darauf in große Gefahr gerät.

Ein Hard-boiled-Krimi mit gnadenlos lässigen Figuren

Es ist der fünfte Thriller der „Lene Jensen und Michael Sander“-Reihe, die 2014 mit „Trophäe“ begann. Wie die meisten Romane solcher Reihen kann man auch „Sühne“ lesen, ohne dessen Vorgänger zu kennen. Der dänische Autor Steffen Jacobsen scheut auch in „Sühne“ nicht vor Leichen zurück, allerdings beschreibt er die Gewaltverbrechen nicht so plastisch, wie es einige skandinavische Besteller-Krimikollegen gerne tun. Dafür haben seine Hauptfiguren auch nicht so viel grüblerischen Tiefgang wie andere Roman-Kommissare.

„Sühne“ ist eher ein Hard-boiled-Krimi. Sowohl Lene als auch Michael sind vor allem gnadenlos und lässig, und eher wütend als betrübt, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Nicht alles an dem Plot kann überzeugen: Gerade weil etwa Michael wie ein programmierter Kämpfer zu funktionieren scheint, ist es dramaturgisch schwach, dass er an einer Stelle im Krimi, wo es für ihn endlich einmal wirklich heikel wird, eine Art Ohnmacht erleidet.

Kurze Kapitel, witzige Dialoge und schnelle Perspektivwechsel

Grundsätzlich muss man bereit sein, die Verortung so mancher tarantino-artigen Szene im beschaulichen Dänemark zu akzeptieren, ebenso wie die Tatsache, dass Kommissarin Lene Jensen die moralisch äußerst fragwürdige Nebenbeschäftigung ihres Mannes Michael und dessen ganz eigenes Verständnis von Recht mehr oder weniger ohne weiteres akzeptiert.

Die Kapitel sind kurz und die Perspektivwechsel rasant. Sehr stark ist der Roman in den oft witzigen Dialogen. Und auch, wenn es einige Logiklücken gibt und manches willkürlich erscheint (warum überlebt ausgerechnet die Figur, die am meisten weiß?), ist der Roman spannend. Das liegt nicht zuletzt an der starken Gegenspielerin und Auftragskillerin Sara und an der durchaus packenden Pharmaskandalgeschichte.

Sühne
von Steffen Jacobsen
Heyne Verlag, 416 S., 15 €
Wertung: 4/5

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