Kunst

Lübcke-Museum in Hamm ehrt Otmar Alt mit großer Schau

80 Jahre und keinen Tag Pause: Nach der Runde mit dem Hund geht Otmar Alt ins Atelier und arbeitet. Denn „jeder Tag ist ein neuer Versuch“, findet er.

80 Jahre und keinen Tag Pause: Nach der Runde mit dem Hund geht Otmar Alt ins Atelier und arbeitet. Denn „jeder Tag ist ein neuer Versuch“, findet er.

Foto: Foto: Thomas Gawel / sim

Hamm.  Selbst für den bekannten Künstler ist die Schau eine Überraschung: Otmar Alt wird geehrt im Gustav-Lübcke-Museum seiner Wahlheimat Hamm.

Im Sommer ist Otmar Alt 80 Jahre alt geworden. Coronaklein war die Schar der Gratulanten. Umso größer das Geschenk, das der weithin bekannte Künstler jetzt in seiner Wahlheimat Hamm auspacken durfte: eine Otmar Alt-Jubiläumsausstellung im Gustav-Lübcke-Museum, die selbst der Künstler bis zur Eröffnung nicht kannte.

150 Werke aus sechs Jahrzehnten – die meisten in ganz Deutschland aufgespürt und von privaten Sammlern abgehängt und ausgeliehen – zeigen die ganze Bandbreite des Universalkünstlers, der noch jeden Tag zum Zeichenstift oder Pinsel greift und Neues ausprobiert. Denn „das Leben ist ein Versuch“, findet der Mann, der die Welt bunt macht und die Tage farbig. Und dessen produktives Werk kein Ende findet.

Kuratorin Diana Lenz-Weber hat sich vor eineinhalb Jahren in die Sisyphosarbeit gestürzt, aus abertausenden Arbeiten des vielfachen Preisträgers eine repräsentative Schau fürs Museum zusammenzustellen. Allein 2500 Werke sind in einer Tübinger Galerie gelistet, an die 5000 besitzt die Otmar-Alt-Stiftung selbst. Das beeindruckende Lebenswerk des Allrounders abzubilden, der im Grafik-Geschäft, in Wohn- wie Wartezimmern mitunter omnipräsent erscheint, erforderte Fleiß und ein sicheres Gespür für Qualität. Denn auf die hat sich die Ausstellungsmacherin konzentriert – allzu Kommerzielles wie bunt bemalte Stiftebecher, gelbe Seidenkrawatten mit roten Amöben oder eine Armbanduhr mit Alts Froschkönig bleiben außen vor.

80 Jahre ist der unermüdliche Otmar Alt. Das Museum in Hamm ehrt in jetzt

So wird die Jubiläumsschau für den Meister der leuchtenden Farben, Formen und Figuren eine gelungene Ausstellung mit wenig Wänden und vielen Durchblicken, die chronologisch und mit selten gesehenen Werken ein langes, facettenreiches, überaus erfolgreiches Künstlerleben erzählt.

Das beruht auf Können. Nach einer Dekorateur- und Plakatmalerlehre bei Karstadt besucht Otmar Alt die Kunstgewerbeschule, wechselt danach noch an die Akademie der Bildenden Künste Berlin, wird Meisterschüler. In den 1960er-Jahren verschreibt sich der junge Kreative nicht nur dem Jazz, auch das angesagte Informel begeistert ihn. Schnell tauchen in seinen Bildern aber organische Formen neben Flächen auf und immer mehr Figuren. Schon früh bewegen sich seine Pop-Art und seine fantastischen Kosmen der 70er-Jahre am Puls der Zeit. Schwarz konturierte Lebewesen erobern die Leinwand, Fabelwesen mit Armen, Köpfen, Beinen und Tentakeln. Der Maler, Grafiker, Designer und Bildhauer arbeitet ohne Unterlass. Schwere Schicksalsschläge kann er nur mit seiner Kunst verarbeiten und ertragen – sein kleiner Sohn stirbt, zwei Jahre später seine Frau.

Die Schau im Lübcke-Museum Hamm könnte ein fröhlicher Publikumsmagnet werden

Er kehrt Berlin den Rücken, zieht Ende der 70er nach Hamm, restauriert mit Gleichgesinnten einen maroden Bauernhof. Der ist heute noch Otmar Alts Wohnhaus und Atelier, aber auch Galerie, Garten, kleiner Zoo und Sitz seiner Stiftung, die junge Kunst, Künstler und Künstlerinnen fördert.

Zum Ausstellungsrundgang im Oberlichtsaal gehören natürlich auch die Ausflüge ins Geschirr-Geschäft mit Rosenthal. Wir begegnen großen geheimnisvollen Glasgestalten namens Libellenfürst, Mondschwester oder Krummschnabel. Tierische Freude nicht nur in der Kinderecke verbreiten Kater & Co., Otmar Alts Raben, seine geliebten Elefanten oder der Pinselhalter, eine muntere Mischung aus Meister Grabowski, Biber und Bello.

Im trüb-tristen Corona-Winter könnte die Alt-Jubiläumsausstellung sich zum Publikumsmagneten entwickeln. Die Menschen lieben seine fantastischen Bildwelten, seine Kunst für alle, die ohne Deutungen auskommt. „Kunst, die man erklären muss“, findet Otmar Alt ohnehin „langweilig“ – ein Gemütszustand, den er selbst kaum kennt.

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TERMINE UND KARTEN

Otmar Alt: „Das Leben ist ein Versuch“. Gustav-Lübcke-Museum, Neue Bahnhofstraße 9, 59065 Hamm. Bis 17. März ‘21.

Geöffnet: Di-Sa 10-17 Uhr; So 10-18 Uhr. Maskenpflicht. Eintritt: 5 €, erm. 2,50 €, Kinder bis 15 Jahre frei.

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