Bauhaus im Westen

Mies van der Rohe hinterließ Spuren in ganz NRW

So wollte Mies van der Rohe in Essen für Krupp bauen. .  

So wollte Mies van der Rohe in Essen für Krupp bauen. .  

Foto: claudiadreysse.de / Claudia Dress

Köln.  Im LVR_Landeshaus werden Ausstellungen zu Leben und Werk von Ludwig Mies van der Rohe gebündelt – und zeigen Lebens- wie Architekturgeschichte.

Der Ort ist klug gewählt: MIt seinen klaren Linien, rechten Winkeln und zwei über dem Park schwebenden Flügeln ist das Landeshaus des LVR in Köln-Deutz eindeutig ein Erbstück der Bauhaus-Architektur. Wer sich drinnen die Ausstellung „Mies im Westen“ anschaut, könnte das von Ernst von Rudloff, Eckhard Schulze-Fielitz und Ulrich Schmidt 1957 – 1959 gebaute Landeshaus für einen kleinen Bruder der einst für Essen geplanten neuen Krupp-Zentrale halten, die Ähnlichkeit der Entwürfe ist verblüffend.

Nun, zum Bau der Konzernzentrale unweit der Villa Hügel ist es dann nicht gekommen – Krupp stellte damals die Planungen zurück. Was Teile der historischen Siedlung am Brandenbusch unweit der Villa Hügel rettete – aber die Stadt Essen blieb um ein architektonisches Schmuckstück ärmer. Noch einmal hätte Ludwig Mies van der Rohe hier seine Visionen zeitgemäßer Architektur auf den Punkt bringen können: Ein stützenfreies, transparentes Erdgeschoss als riesige Empfangshalle, zwei große, gleichsam schwebende Etagen darüber, eine Sichtachse, gleichzeitig Spiegelachse des Baukörpers sollte den Blick auf die Villa Hügel öffnen, der Boden im Haus und die Plattierung vor dem Haus sollten aus dem gleichen Material entstehen, um die Trennung von drinnen und draußen so weit wie möglich aufzuheben.

Die „Promis“ unter seinen Bauten stehen in Krefeld

Bis Mies van der Rohe zu dieser klaren Architektursprache fand, war es ein weiter Weg – und viele wichtige Stationen, so Kurator David Lohmann von der Fachhochschule Köln, „sind mit dem NRW-Ticket besuchbar“. Die „Promis“ unter den Mies van der Rohe-Bauten stehen bekanntlich in Krefeld: Haus Esters und Haus Langen haben schon seit längerem überregionale Bedeutung. Die Ausstellungsmacher haben zu diesen zweieiigen Zwillingen jedoch noch ein drittes Wohnhaus in Krefeld entdeckt. Der Bau von Haus Heusgen am Hülserberg im Nordwesten der Stadt ist zwar laut Papieren vom Krefelder Architekten Rudolf Wettstein beantragt worden und auf dem Bauschild wurde ein Willy Kaiser als Architekt aufgeführt. Die dort wohnende Familie versichert jedoch – sogar mit notarieller Beglaubigung – , dass der ursprüngliche Entwurf von Mies van der Rohe stammt. Und von der Architektursprache des Hauses gibt es da keinerlei Widerspruch.

Die Kuratoren haben jedoch auch noch etliche weit unbekanntere Bauten und Bauprojekte ausgegraben und in drei Kategorien einteilen - müssen. „Geplant - gebaut – zerstört“. Immerhin nur grob verändert ist das Erstlingswerk Mies van der Rohes in Aachen. Haus Oeben, einst als sozialdemokratisches Volkshaus mit der emblematischen Aufschrift „Zur neuen Welt“ versehen, ist noch erhalten. Die heute im Erdgeschoss untergebrachte Salsa-Schule indes ist mit dem architektonischen Erbe nicht gerade tänzerisch umgegangen. Bei Mies van der Rohes Mitarbeit am eher verspielten, noch an Barock und Jugendstil Architektur erinnerndes Kaufhaus Leonard Tietz in Aachen, bekam er den Tipp: „Gehen Sie nach Berlin, da passieren die Dinge!“

Bekanntlich blieb es nicht bei architektonischen Ereignissen – und Mies van der Rohe, der anfangs durchaus opportunistisch mit dem NS-Staat umging, erfuhr – auch politisch begründete – Ablehnung, emigrierte nach Chicago und perfektionierte dort seine Formensprache.

Rückkehr in den 60er Jahren

Die junge Bundesrepublik war dann in den 60er-Jahren bereit dafür. Davon zeugen die wenigen erhaltenen Bauten im Westen – aber auch die von Mies van der Rohes Design geprägten Nachkriegsbauten. Die Ausstellungsmacher zählen dazu neben dem LVR-Landeshaus die Museumsbauten Lehmbruck in Duisburg und Folkwang in Essen, sowie den Mannesmann-Turm in Düsseldorf und das Essener Rathaus, das in diesen Tagen seinen 40. Geburtstag feiert.

Passend zum Inhalt haben die studentischen Ausstellungsmacher mit Rigipsmodellen und mobilen Ausstellungswänden die Sprache van der Rohes aufgegriffen. Pläne, Fotos und kurze Filmausschnitte ermöglichen die Auseinandersetzung mit dem hiesigen Erbe des dritten Bauhausdirektors, dessen Formel vom „Weniger ist mehr“ in den Zeiten von ökologischem, ressourcenschonenden Bauen neue Aktualität gewonnen hat. Auch, wenn offen bleibt, wie sich das mit den großzügigen Glasfronten seiner Architektur verträgt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben