Ringlokschuppen Mülheim

Mit einem heiteren Abend in den Literaturherbst an der Ruhr

Vereint in den Literaturherbst an der Ruhr (v.li.): Musikerin Svea Kirschmeier Martin Becker, Miedya Mahmod, Hennes Bender sowie die Moderatoren Rebecca Link und Thomas Koch im Mülheimer Ringlokschuppen..

Vereint in den Literaturherbst an der Ruhr (v.li.): Musikerin Svea Kirschmeier Martin Becker, Miedya Mahmod, Hennes Bender sowie die Moderatoren Rebecca Link und Thomas Koch im Mülheimer Ringlokschuppen..

Foto: Mara Tröger

Mülheim.  Viel Literatur an der Ruhr: Das Literaturgebiet.Ruhr, in dem die Literaturszene des Reviers vereint ist, startete mit einer Literaturrevue.

Nach diesem Freitagabend also wusste man, dass der Druide Miraculix im Ruhrgebiets-Asterix klingt, als würde Helge Schneider diesen meterlangen Zaubertrank-Zauselbart tragen, dass Frank Goosen der „Lesetisch-Don“ ist (Regisseur Till Beckmann zufolge), Fritz Eckengas nächstes Buch dem Motto „Gute Worte für Orte“ folgt (gereimte Stadtbeschimpfungen, mehr oder minder milde) und Katja Oskamp, die eine Geschichte aus ihrem Buch „Marzahn, mon amour“ las, eine sehr, sehr gute Schriftstellerin ist.

Überhaupt waren die Geschichten, die Texte das Beste an diesem Abend, der ob seiner Ankündigung als „Literaturshow“ anderes befürchten ließ. Es ging dann in der schlank unverbindlichen Moderation von Rebecca Link und Thomas Koch doch ohne Glitter und Glamour ab, ohne Showtreppe, aber mit Witz. Die junge Studentin Miedya Mahmod, die schon Dortmund, Hagen, Essen und Bochum in ihren Migrationsvordergrund integriert hat, führte im Poetry-Slam-Stil vor, wie man sich aus Texten ein zu Hause baut. Frank Goosen spazierte lakonisch mit seinem Jugendfreund „Spüli“ zu dessen Oppa, der mal Boxer war und als Taubenzüchter in Witten keine Gnade mit seiner flügellahmen Siglinde kannte. Eindringlicher aber war seine Dialektik zwischen Festhalten am Kirchturm und Einigkeit im Revier: „Wat et nie geben darf: den FC Ruhrgebiet“. Und wie das Globale am „Globalen Dorf" eben das Dorf ist, könnte die Qualität der vielbeschworenen „Metropole Ruhr“ ja gerade im Ungroßstädtischen liegen und im realistischen Blick auf den Kirchturm.

„Gute Worte für Orte“ von Fritz Eckenga

Fritz Eckenga verkohlte Dichtung und Wahrheit mit seinem gereimten Schicksal, Pottpoet werden zu müssen, wo er doch eigentlich in den Schacht wollte und brachte einige seiner „Guten Worte für Orte“ zur Welturaufführung („Oberhausen: 20 Jahre braucht’s schon, um sich in dich zu verlieben“, „Bönen, du Perle am Podex der Welt“), die sein nächstes Buch ergeben sollen.

Martin Becker wiederum (bekannt durch sein Romandebüt „Marschmusik“) las Passagen aus seinem Stück „Ein Fest für Mackie“, das mit Musik von Moritz Eggert am 10. Oktober im Bochumer Musikforum uraufgeführt wird, eine Auftragsarbeit in Kooperation der örtlichen Symphoniker mit dem Schauspielhaus. Hennes Bender schließlich bewies, dass sich Comics für eine Lesung eignen – wenn auch der Witz des ruhrdeutschen „Asterix“ mindestens so sehr im Schriftbild liegt wie im Auseinanderklaffen von Wort und Bild. Das alles mit dem klingenden Wort zu synchronisieren verlangt viel vom Zuhörer.

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