Theater

Mit Frank Wickermann starb ein wahrhaft großer Schauspieler

Frank Wickermann (1966-2020)

Frank Wickermann (1966-2020)

Foto: Ferdinand P. Barth

Moers.  Frank Wickermann, der am Donnerstag mit 54 Jahren aus dem Leben schied, war ein Charakterdarsteller erster Güte – und doch ein Ensemble-Spieler.

Frank Wickermann war der Mann für die Rollen mit Spannweite – wenn es galt, Tiefe, Größe, Höhepunkte, Widersprüche auszuloten. Er war der männerfreundschaftssuchende, verschwiemelte Tugendbolzen Robespierre im „Danton“, der als verdruckster Krümelaufheber mit Talent zur Eiseskälte künftige Massenmörder durchschimmern ließ, ein atemverschlagend prügelfreudiger Vater des „Käthchens von Heilbronn“, ein zähnefletschendes Aufbäumen namens George in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, ein brutal-krimineller Chauffeurskerl Karl in Ulrich Grebs meisterlicher Horváth-Inszenierung „Zur schönen Aussicht“. Er war Geiziger Gottlieb Biedermann, er war O’Brian in Orwells „1984“, Judas, Wotan und der gewiefte Präsident in „Kabale und Liebe“,

1966 in Bochum geboren, hängte Wickermann an das Germanistik- und Theaterwissenschaftsstudium in seiner Heimatstadt auch noch eine Schauspiel-Ausbildung an der dortigen Westfälischen Schauspielschule, die längst in jene Folkwang Universität integriert ist, an der Wickermann schließlich auch selber lehren sollte.

Drei Mal als bester NRW-Schauspieler ausgezeichnet

Wer Wickermann auf der Bühne erlebte, als Ensemblemitglied in Bochum, in Oberhausen, in Moers oder als Gast am Hamburger Schauspielhaus, spürte, dass da einer fast gefährlich eins wurde mit seiner Rolle, wie es überhaupt immer einen doppelten Boden, immer ein Geheimnis zu geben schien, etwas Ungesagtes, was in diesem Charakter gleichwohl sichtbar arbeitete. Gleich drei Mal wurde er mit dem NRW-Kritikerpreis ausgezeichnet.

Wickermann spielte auch in etlichen Film-und Fernsehproduktionen wie „Neger, Neger, Schornsteinfeger“, „Die Erfindung der Currywurst“, oder „Ich sehe dich“ mit, aber Gelegenheiten zum Wechsel an große Bühnen, denen er gut zu Gesicht gestanden hätte, ließ Wickermann gleichwohl aus. Er war ein Ensemble-Schauspieler, er wollte mehr sein als das ausführende Organ eines Regisseurs auf der Bühne, er wollte mitgestalten, wie es eben nur in überschaubaren Ensembles kleiner Bühnen möglich ist, und band sich an die kleinste im Lande, das Moerser Schlosstheater.

Mit gerade einmal 54 Jahren

Und nicht nur in dessen Spielplan reißt Frank Wickermanns überraschender Tod am vergangenen Donnerstag mit gerade einmal 54 Jahren eine riesengroße Lücke. Es macht nicht nur traurig, dass er als Schauspiellehrer fehlen wird, als Ensemblemitglied mit Gerechtigkeitssinn und sozialer Kompetenz, als denkbar größter Möglichkeitsraum für Gefühle, Gedanken und Worte auf der Bühne, sondern vor allem: als Mensch.

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