Musik

Viel Getöse, kaum Weiterentwicklung: Keshas neues Album

Mittlerweile brünett: Die langjährige Vorzeigeblondine Kesha. |

Mittlerweile brünett: Die langjährige Vorzeigeblondine Kesha. |

Foto: Chris Pizzello / picture alliance/AP Images

Die US-amerikanische Pop-Sängerin Kesha veröffentlicht mit „High Road“ ihr viertes Album. Die Comeback-LP hat ihre Höhen und Tiefen.

Kesha Sebert ist so was wie die Empowerment-Galionsfigur der US-amerikanischen Popbranche. Als überdrehtes Partygirl betrat die Kalifornierin Ende der Nuller-Jahre die Tanzfläche und lieferte mit „Tik Tok“ im Jahr 2010 den bestverkauften Song weltweit. Auf den steilen Höhenflug folgte ein langer Absturz. Zwei Alben und vier Jahre später musste Kesha (damals noch: Ke$ha) sich wegen psychischer Probleme und einer Essstörung in einer Klinik behandeln lassen. Und das war nur die Spitze des Eisbergs.

Kaum entlassen, ging es vor Gericht. Die Sängerin verklagte ihren ehemaligen Produzenten Lukasz Gottwald alias Dr. Luke wegen sexuellen und emotionalen Missbrauchs, er sie daraufhin wegen Verleumdung und Vertragsbruch. Prozessiert wurde über mehrere Jahre, ohne konkretes Ergebnis.

Eine neue Rolle für das Ex-Partygirl

Für Kesha bedeutete das eine neue Rolle als Einzelkämpferin gegen die übermächtige, männlich dominierte Musikindustrie sowie einen Karriereknick und eine Zwangspause, in der sie versuchte, sich aus bestehenden Verträgen freizustrampeln. Mit dem Album „Rainbow“ kehrte die Sängerin 2017 zurück ins Rampenlicht und wechselte ihr Image vom unbedarften Popsternchen zur emotional gereiften Überlebenden. Musikalisch zeigte sich das in organischeren, hemdsärmeligeren Genres wie Country-Pop und (Glam-)Rock. Freilich entsprach das damals ziemlich genau dem Zeitgeist und dessen Verlangen nach Hochglanz-Authentizität.

Mit ihrem vierten Album „High Road“ findet Kesha nun zurück zur alten Linie. Die harten Zeiten seien verarbeitet, ließ sie verkünden, jetzt gehe es wieder um die Lust am (Party-)Leben. Auf einer Nummer („Kinky“) kehrt sie dafür sogar zur früheren Schreibweise ihres Namens mit Dollar-Zeichen zurück.

Kleine Pop-Zeitreise in die Vergangenheit

Das bedeutet auch: Das Tempo ist hoch, die Songs sind schrill, die Stimme oft am Anschlag. Statement-Knaller wie die Single „My Own Dance“ oder der Opener „Tonight“ wirken mit Beat-Drops, Claps und Trap-Elementen schnell überladen, nervös und so, als stünde man in Sachen Pop-Ästhetik wieder am Anfang des vorigen Jahrzehnts.

Die meisten der 15 Lieder hat der junge Songwriter Stephen Wrabel, eigentlich Fachmann für gehaltvollen Piano-Pop, (mit-)komponiert, sein Gespür für feine Song-Strukturen geht im Getöse aber zu oft einfach unter. Starke Momente hat das Album nur da, wo es zwischendurch einmal kurz zur Ruhe kommt. Ein Highlight ist so etwa die akustische, countryeske Ballade „Resentment“, für die auch Beach Boy Brian Wilson mit im Studio war (kaum hörbar allerdings). Auch die Dream-Pop Nummer „BFF“ (ein Duett mit Wrabel) steht Kesha gut. Dennoch: Eine Weiterentwicklung ist auf „High Road“ nicht zu erkennen. Die Songs genügen sich als eintönige Party-Musik, die den Körper bewegt, aber nicht im Kopf bleibt.

Kesha >> High Road
Rca Int. (Sony Music)
Wertung: 3 / 5 Punkte

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