Ausstellung

NRW-Forum zeigt, wie Fotografen heute das Bauhaus sehen

Douglas Gordon zeigt einen lebensgroßen Elefanten, der sich zum Sterben niederlegt.

Douglas Gordon zeigt einen lebensgroßen Elefanten, der sich zum Sterben niederlegt.

Foto: VG Bild Kunst Bonn

Düsseldorf.   Ausstellung läuft bis März und präsentiert unter anderem einen Rundgang durch die Bauhaus-Ausstellung von 1929 – als Virtual Reality.

Bevor 2019 mit mehr als 40 Veranstaltungen zum „Bauhaus im Westen“ das Jubiläum über uns hereinbricht, prescht das NRW-Forum schon mal frech vor und präsentiert vom heutigen 7. Dezember an die Ausstellung „Bauhaus und die Fotografie“. Und – Überraschung – nutzt dies nicht, um beim Zurückblicken eines der ersten Häuser zu sein. Das NRW-Forum widmet sich vielmehr der Bauhausfrage, was Fotografie ist und sein kann – im Jahre 2019.

Die Frage also stellt das Bauhaus und Künstler liefern in der Ausstellung ihre Positionen – von durchaus unterschiedlicher Qualität. Zu den eindrucksvollsten Präsentationen gehört dann doch jener Raum, der einen modernen Weg zurück ins Jahr 1919 bietet: die virtuelle Rekonstruktion der legendären Film- und Fotoausstellung „Fifo“ des Bauhauses im Jahre 1929 in Stuttgart und später in Berlin.

Mit Virtual Reality-Brille und Joystick können sich Besucher zurück versetzen in jene acht Meter hohe, 15 mal 25 Meter messende Halle und sich die Hängung von damals anschauen, die Furore machte mit ihrem Anspruch an die neue Sachlichkeit und das Ethos des Fotografen, „der eine Arbeit leistet, die mit anderen Mitteln nicht zu schaffen wäre . (...) Das unverfälschte Dokument der zeitlichen Realität selbst“ zu sein, so formulierte es der damalige Kurator László Moholy-Nagy.


Auch ohne VR-Brille gibt es einen Teil der Ausstellung in ihrer Berliner Fassung in rekonstruierter Version zu sehen: jenen mit den Arbeiten des Künstlerpaares Lucia Moholy und László Moholy-Nagy..

Nun, den Wahrheitsanspruch hat die Fotografie spätestens mit der Schule von Otto Steinert in den 60er Jahren eingebüßt, dafür jedoch die Kraft der Selbstvergewisserung gewonnen: Das Selfie als Beweis der eigenen Existenz beispielsweise nimmt Dominique Teufen gewissermaßen auf die Schippe, wenn sie dem Ausstellungsbesucher Gebirgspanorama und Selfiestick zur Verfügung stellt.

Das todtraurige Auge eines Elefanten

Sehr eindrucksvoll auch die großformatigen Arbeiten von Antje Hanebeck. Die Architekturfotografin zeigt mit grobkörnigen Schwarz-Weiß-Bildern beispielsweise den Bau der „Desert Rose“, das künftige National Museum of Qatar, das noch im Bau ist. Ihre Arbeit „Borough“ scheint Fritz Langs Metropolis-Filme ebenso zu zitieren wie Moholy-Nagys Bilder von der Aussichtsplattform des Berliner Funkturms vor 90 Jahren.

Der aus Ungarn stammende Maler, Fotograf und Typograf ist immerhin so etwas wie der Schattenkurator der Düsseldorfer Schau. Auch Thomas Ruff setzt sich mit seinen Spiralbildern auseinander und „malt“ sie fotografisch nach, als Zeichner mit Licht transferiert er eine analoge Technik in den virtuellen Raum.

Auffällig häufig dominieren ansonsten Augenblicke – ganz so als will die Ausstellung ins Gedächtnis rufen, dass es weniger die Fotografie als vielmehr die menschliche Linse ist, die aus den Abbildungen der objektiven Realität eine subjektive Wirklichkeit formt.

Und so kann man sich beispielsweise in das (subjektiv so empfundene) todtraurige Auge des Elefanten versenken, dessen „Ich stell mich tot“-Spiel in einer New Yorker Galerie Douglas Gordon dokumentiert hat – auf extrem großformatigen Leinwänden zeigt das Video den Elefanten lebensgroß und aus der Froschperspektive.

Eindrucksvolle und irritierende Perspektiven liefert auch Kris Scholz, der seinen Blick radikal senkt und großformatige Bilder von Atelierböden zeigt: Kunstgeschichte vom Fußboden gewissermaßen – und zudem ästhetisch ebenso spannend wie die bunte Vitrine, die Gelsenkirchener Barock und Bauhaus zu versöhnen scheint: Hinter dem Glas funkeln hunderte Farbdias. So als wäre es eine Jukebox der Fotografie. Und damit ein wenig so wie diese Ausstellung in Gänze: Spielerisch, historisch zitierend, oft eingängig, aber selten banal.

Der Katalog zur Ausstellung kommt erst im Januar

Nach dem Auftakt in Düsseldorf, hier ist sie bis zum 10. März zu sehen, wandert die Schau nach Berlin und Darmstadt. Der Katalog zur Schau soll im Januar folgen.

Eintritt: Di-Do: 11-18 Uhr für 6 Euro. Fr-So: 11-21 Uhr, So nur bis 18 Uhr, Weihnachten und Neujahr erst ab 13 Uhr kostet es 8 Euro.

Infos: www.nrw-forum.de

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