Oper

Oper: Die große Sopranistin Mirella Freni ist tot

Mirella Freni als Donizettis Regimentstocher - im Arm von Luciano Pavarotti. Beide wurden 1935 in Modena geboren und kannten sich von Jugend an.

Mirella Freni als Donizettis Regimentstocher - im Arm von Luciano Pavarotti. Beide wurden 1935 in Modena geboren und kannten sich von Jugend an.

Foto: Foto: epa ansa / dpa

Mirella Freni ist tot. Die große Sopranistin hatte eine Karriere von 50 Jahren - auch, weil die Italienerin Grenzen kannte.

Lars von der Gönna

Sie war schon eine respektable Mittfünfzigerin als der Seiji Ozawa Mirella Freni bat, als Micaela sein „Carmen“-Ensemble zu zieren. Carmens keusche Rivalin ist ein Mädchen vom Lande, kaum erblüht, ein Kind fast. Wer hörte, wie mühelos die Italienerin sich in dieses Wesen einfühlte, wie feingliedrig ihr lyrischer Sopran die Rolle immer noch gestaltete, den ließ das nicht kalt.

Es war typisch für Mirella Freni, die am Sonntag 84-jährig in ihrer Heimatstadt Modena gestorben ist, dass sie eine Partie Jahrzehnte ohne nennenswerte Qualitätseinbußen singen konnte. Die Micaela hatte sie seit ihrem 19. Lebensjahr im Repertoire. Herausragend ihre Mimì, Otellos Desdemona, Manon Lescaut.

50 Jahre währte ihre Karriere, auch weil Freni zumeist klug genug war, Grenzen zu kennen. So waren ihre Säulen ein wenig früher Belcanto, nicht zu dramatischer Verdi, immer wieder aber jener Puccini, mit dem sie Geschichte schrieb. An der Seite von Luciano Pavarotti, den sie seit ihrer Kindheit aus Modena kannte, ist sie die wohl beste „Bohème“ aller Schallplattenzeiten. Herbert von Karajan, mit dem sie viel arbeitete, dirigiert diese opulente Aufnahme, die bis heute, recht konkurrenzlos den Katalog regiert.

Mirella Freni ist tot. Wie Luciano Pavarotti wurde sie 1935 in Modena geboren

Freni kam aus einfachen Verhältnissen. ihre Rolle war nie die einer Diva, obschon sie doch so viele Jahre lang Dauergast an den ersten Bühnen der Welt gewesen ist. Dass dieser engelgleiche, nobel mattierte Sopran sich mit Nicolai Ghiaurov ausgerechnet einen der schwärzesten Bässe der Opernwelt zum Lebensgefährten wählte, sei nur biografische Fußnote. Als er 2004 starb, beendete Mirella Freni wenig später jene große Karriere, in der eine Sängerin bis zum letzten Ton hielt, was sie versprach. Von vielen lässt sich das nicht sagen.

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