Rock

Pearl Jam wächst auf „Gigaton“ erneut nicht über sich hinaus

Eddie Vedder (vorn), Frontman von Pearl Jam, und seine Band. Mit „Gigaton" veröffentlicht Pearl Jam bereits die elfte Studioplatte.

Eddie Vedder (vorn), Frontman von Pearl Jam, und seine Band. Mit „Gigaton" veröffentlicht Pearl Jam bereits die elfte Studioplatte.

Foto: Danny Clinch / dpa

Essen.  Das elfte Album der Grunge-Heroen aus Seattle ist nicht so schlimm wie die Vorab-Auskoppelung im Januar fürchten ließ. Aber auch kein Meilenstein.

Der Aufschrei war gewaltig: Kaum hatte Pearl Jam Ende Januar den ersten Song aus dem neuen Album „Gigaton“ im Internet veröffentlicht, da hagelte es aus Teilen der Anhängerschaft heftige Kritik: Das klinge wie Elektro-Pop oder New Wave aus den frühen 80ern, nicht aber wie der schmutzig-enervierende Grunge-Sound vergangener Tage. Den Erzürnten mag man nun zurufen: Ruhig Blut! Wer sich das Album als Ganzes anhört, wird fix zu dem Schluss kommen: Die US-Amerikaner haben das Rocken nicht verlernt.

Sieben Jahre sind seit der letzten Veröffentlichung vergangen. Und „Lightning Bolt“ war in Kritiker- und Fankreisen wohlwollend, aber nicht enthusiastisch aufgenommen worden. Das war in der Anfangszeit noch ganz anders: Die 1990 gegründete Band zählte zu den Fixsternen im Grunge-Universum, das sich nach der Veröffentlichung des Nirvana-Albums „Nevermind“ im Urknall über Nacht ausgedehnt hatte. Neben Soundgarden und Nirvana prägte Pearl Jam den „Sound of Seattle“. Ihr Debüt-Album „Ten“ (1991) verkaufte sich 15,5 Millionen Mal, der Nachfolger „Vs.“ (1993) allein in der ersten Woche knapp eine Million Mal. Die Band stand gleich zu Beginn in ihrem Zenit. Mit jeder weiteren Platte sanken die Verkaufszahlen – bei anhaltender Verehrung durch eine unverwüstliche Fangemeinde. Egal, wo auf diesem Planeten ein Konzert der Band angekündigt wird: Es ist in Minutenschnelle ausverkauft.

Eddie Vedders Stimme wie immer seelenwarm

Das galt auch für die beiden Deutschland-Stopps auf der geplanten Welttournee zum nun veröffentlichten Album „Gigaton“, die im Juni in Berlin und Frankfurt geplant sind. Ob sie stattfinden werden, ist noch unklar.

Und was hat „Gigaton“ nun zu bieten? Einiges! Zwölf Stücke haben es auf das elfte Studioalbum geschafft. Darunter Rocksongs mit Schmackes wie „Superblood Wolfmoon“, „Quick Escape“ oder „Take the Long Way“, die zumindest Fragmente des so heftig vermissten Grunge-Gens in sich tragen. Es gibt, typisch für Pearl Jam, auch Balladen wie „Alright“ oder „Buckle Up“; im Fokus steht dabei stets der eindringliche Bariton von Eddie Vedder, der sich wohlig wie eine Kuscheldecke um die Seele schmiegt. Besinnliche Songs wie „Retrograde“ oder „Comes Then Goes“ erinnern an die gelungenen Solo-Projekte des Sängers. Sie beschließen ein durchaus gelungenes, aber erneut nicht denkwürdiges Album.

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