Foto-Ausstellung

Pixelprojekt blickt auf das Leben in Revier-Siedlungen

Joachim Schumachers „Bergarbeitersiedlung Rheinpreußen, Duisburg-Homberg“, 1980.

Joachim Schumachers „Bergarbeitersiedlung Rheinpreußen, Duisburg-Homberg“, 1980.

Foto: Joachim Schumacher / PIXELPROJEKT RUHRGEBIET

Gelsenkirchen.  Exotisches Kolonieleben: Eine neue Foto-Ausstellung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen zeigt die Neuaufnahmen des Pixelprojekts Ruhrgebiet.

21 Serien von 18 Fotografen sind jetzt neu in das Pixelprojekt Ruhrgebiet aufgenommen worden, ins digitale Bildgedächtnis des Reviers. Diesmal sind, wenn man die Ausstellung dazu i m Wissenschaftspark Gelsenkirchen Revue passieren lässt, viele Serien zu Wohnsiedlungen zwischen Castrop-Rauxel und Duisburg dabei – denn sie machten ja, jenseits der Zechen und Hochöfen, vielleicht den größten Alltags-Unterschied zum Rest der Republik aus.

Wir sehen da Menschen in Hordel, Ickern oder Homberg um 1980, als die Abrisswut der Immobilienlöwen von Protesten der Kolonie-Bewohner gestoppt wurde und die Privatisierungen begannen. Joachim Schumacher hat, wie etliche andere Kamerakundige, das Talent der Reviermenschen festgehalten, es sich im Kargen, Engen, Öden gemütlich zu machen und dem Leben zwischen Aschentonnen und Klogardinchen, das schon immer eines der härtesten war, Wärme und Würde abzutrotzen. Skatrunden im Garten, Klappliegen und Zinkwanne auf der Wiese zwischen Hochhäusern, Schwätzchen in Kittelschürze vorm Haus.

Zugewinn aus Luxemburg: Romain Urhausen

Helmut Orwat hat von 1960 bis 1975 „Mein Castrop-Rauxel“ festgehalten, von der frischgebackenen Fußgängerzone über die Kappes-Ernte im Schatten der Schlote bis zum handgemalten Straßenschild („Samstags nicht parken! Kohlen kommen“). Ulrich Timmermann unternimmt das Gleiche mit einem 1500-Meter-Radius im Gelsenkirchener Zoo-Viertel. Und Mitte der 80er-Jahre waren im Bochumer Heusnerviertel 20 Häuser besetzt, die der Westtangente weichen sollten – 350 Renitente sorgten für Bilder wie aus Kreuzberg, bis binnen zweier Tage alles unter Polizeischutz ausradiert wurde. Und heute werden die Hochhäuser abgerissen, für die damals die Zechensiedlungen abgerissen wurden, Janosch Rauter dokumentiert das in Schwarzweiß: „rebuild.ing Hochheide“.

Ein großer Gewinn für das Pixelprojekt sind drei Serien des in Luxemburg geborenen Fotografen Romain Urhausen, der in Saarbrücken bei dem späteren Folkwang-Professor Otto Steinert gelernt hatte und dann nach Dortmund ging, zunächst 1958 an die Werkkunstschule und dann in ein eigenes Studio. Auch Urhausen war angefixt vom Talent der Ruhris, sich einzurichten in der Unwirtlichkeit der Städte – und ein Fotokünstler mit dem Blick für Blicke. Pixelprojekt-Initiator Peter Liedtke vermerkt zufrieden, dass die Bilder über das renommierte „Centre National Audiovisuel“ Luxemburg ins Pixelprojekt gelangten.

„Scooter Kids“ aus dem Norden von Dortmund

Harald Hoffmann fängt in „Kinderwelten“ Träume und Realität armer Kinder ein – und Benito Barajas entdeckt bei den „Scooter Kids“ auf der Kirmes im Dortmunder Norden unbändige Freude, Lebenslust und Liebessehnsucht in brillantem, leicht dramatisiertem Schwarzweiß. Ein toller Jahrgang!

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