Ballett

Rheinoper: Bei „Young Mo­ves“ werden Tänzer zu Choreographen

Ambitioniert und musikalisch sicher: Michael Fosters „Opus 29“ bei „Young Moves“ im Düsseldorfer Opernhaus.

Ambitioniert und musikalisch sicher: Michael Fosters „Opus 29“ bei „Young Moves“ im Düsseldorfer Opernhaus.

Foto: Gert Weigelt

Rollentausch an der Rheinoper in Düsseldorf: Bei dem Format „Young Moves“ zeigt sich, welche Tänzer auch als Choreographen überzeugen können.

Düsseldorf. Welcher Tänzer hat das Zeug zum Choreographen? Um herauszufinden, in welchem seiner 40 ‚Solisten’ ein echtes Choreographen-Talent schlummert, richtete Martin Schläpfer das Format „Young Mo­ves“ ein. Hier präsentieren sich Mitglieder des Balletts am Rhein, nicht als Tänzer, sondern kreieren kleine Stücke und studieren sie mit Kollegen ein, mit denen sie sonst gemeinsam auf den Brettern stehen. Auch jetzt wieder und zum letzten Mal in der Ära Schläpfer schufen zwei Männer und zwei Frauen der Kompanie überwiegend kurze Werke.

Zwei von ihnen, Michael Foster (USA) und die Koreanerin So-Yeon Kim, sind als „alte Hasen“ bereits zum dritten Mal dabei. Helen Clare Kinney (USA) und Brice Asnar (Frankreich) indes versuchen sich das erste Mal. Vier Stücke unterschiedlicher Stile und Qualität feierten im Düsseldorfer Opernhaus Premiere und zogen in gut 100 Minuten vorüber.

„Opus 29“ mit Musik von Sergej Rachmaninov

Ambitioniert und musikalisch sicher wirken die Gruppenbilder von Fosters „Opus 29“. Musikalische Grundlage: „Die Toteninsel“, eine Komposition von Sergej Rachmaninov. Ästhetisch ziehen die Gruppen und Soli vorüber, passend zu rhapsodischen und emotionalen Klängen. Schwebende weiße Tafelbilder fügen sich zu einer Wand zusammen. Trotz einiger origineller Schrittfolgen versteht man aber nicht so recht, was Foster eigentlich will.

Rund, professionell, intelligent und mit einer hintergründigen Aussage kommen dagegen die „Rococo-Variations“ über die Rampe, die So-Yeon Kim zu Tschaikowski-Musik (Cello und Orchester) kreierte. Rokoko nimmt sie wörtlich: Kronleuchter und Tütüs, schlammgrüne Trikots darunter. Drei Paare bewegen sich in Sprüngen, Drehungen und Kombinationen, wie sie beim klassischen Training im Ballettsaal immer wieder geübt werden. Akademische Hebefiguren inklusive.

Eine heitere „Feier der Vielfalt“

Der Clou sind die Konstellationen, die permanent wechseln: Mann-Frau, zwei Frauen, zwei Männer. Zwei- und gleichgeschlechtliche Paare vereinen sich selbstverständlich in Liebes-Pas-de-deux. Nur selten brechen klassische Linien auf. So entsteht eine heitere „Feier der Vielfalt“, die vom Premieren-Publikum begeistert gefeiert wurde. So-Yeon Kim bietet also mehr als eine Miniatur. Als Choreographin wird man von ihr noch hören und hoffentlich weitere Kreationen sehen.

Fingerübungen der Debütanten

Weniger überzeugen indes die Fingerübungen der Debütanten Asnar und Kinney. Asnar lässt zu Party-Songs ein Paar sich freitanzen, in einer Mischung aus Modern Dance und Neoklassik. In „Unqualified“ (unqualifiziert) von Helen Clare Kinney tummeln sich sechs Figuren, vielleicht auf einer Party. Einer (Yoav Bosidan) kratzt sich am Nacken, eine andere (Ann-Kathrin Adam) ergeht sich in klassischen Schrittfolgen und demonstriert, welche Kunststücke eine Firstclass-Ballerina so drauf hat. Worum es in den meditativen Bewegungen in Zeitlupen-Tempo und Tanztheater-Splittern (à la Pina Bausch) geht, bleibt unklar. Als es spannend wird, bricht die Choreographie unvermittelt ab. So wirkt Kinneys Opus in Ansätzen unbeholfen, zumindest aber unvollendet. Artiger Applaus.

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