Literatur

Roman beschreibt das bewegte Revoluzzerleben von Carl Schurz

Die Freiheitsstatue in New York.

Die Freiheitsstatue in New York.

Foto: Peter Foley

Essen.   Andreas Kollender, Träger des Literaturpreis Ruhr, hat mit „Libertys Lächeln“ eine denkwürdige historische Figur zum Leben erweckt: Carl Schurz.

In Bonn gibt es zwei Carl-Schurz-Schulen, in Bochum ein Carl-Schurz-Haus, in dem Studenten wohnen. Und in Düren sogar einen Carl-Schurz-Grill mit programmatisch „internationalen Gerichten“. Außerdem ist der zweithöchste Berg im Yellowstone-Nationalpark nach ihm benannt.

Aber dass Carl Schurz (1829-1906) ein radikaldemokratischer deutscher Revolutionär war (1848/49) und bis heute eine der interessantesten deutsch-amerikanischen Figuren, das ist weithin in Vergessenheit geraten: Der Mann, der aus dem dann doch wieder monarchistischen Deutschland auswandern musste (nicht zuletzt, weil er den Mitrevolutionär und Bonner Professor Gottfried Kinkel in einem spektakulären Husarenstück aus dem Zuchthaus Spandau befreit hatte), brachte es immerhin vom Lincoln-Berater, Botschafter und Brigadegeneral der siegreichen Nordstaaten-Armee zum Senator und Innenminister der Vereinigten Staaten; seine Frau Margarethe Meyer gründete 1856 im US-Bundesstaat Wisconsin den ersten Kindergarten der USA und er selbst mehrere Zeitungen.

Ein Leben wie ein intellektueller Abenteuerroman

Ein Wunder eigentlich, dass dieser Carl Schurz, Musterbild eines zeitlebens Unruhigen voller Ideale, nicht schon öfter zur Romanfigur geworden ist. Jedenfalls hat nun Andreas Kollender, Träger des Literaturpreises Ruhr, Schurz seinen Roman „Libertys Lächeln“ gewidmet.

Der Roman hat diesen Titel nicht nur, weil darin die Freiheitsstatue einmal zwinkern wird, sondern weil Kollender Nutzen und Nachteil, Gück und Abgründe der Freiheit zum Leitmotiv dieses Lebensrückblicks aus der Sicht des zunehmend vergesslicher werdenden Memoirenschreibers Schurz im Jahre 1901 macht. Von den militärischen Grausamkeiten der ‘48er-Revolution bis zur Zweischneidigket der Reservate von Indianern, für deren Rechte Schurz sich ebenfalls einsetzte.

Freiheit als Sehnsuchtsziel und Arbeitsraum

In zeitlich immer wieder springenden Rückblicken wird Freiheit leitmotivisch als Sehnsuchtsziel, als Arbeits- und Bewährungsraum schlaglichtartig erhellt, ohne dadurch systematisch ausgeleuchtet zu sein. Schurz’ Seelenleben entfaltet sich so ohne grenzgängerische Indiskretionen als Motor einer politischen Rastlosigkeit; erkennbar werden eher Umrisse einer Seele, deren weiße Flecken zu füllen den Lesern überlassen bleibt. Ein Roman, der ein sorgfältigeres Korrektorat verdient hätte, weil sein Erzählfaden eigentlich ohne Störgeräusche daherschnurrt.

Andreas Kollender: Libertys Lächeln. Roman. Pendragon Verlag. 303 S., 24 €.

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