Revier-Erzähler

Sigi Domke erzählt die Märchen der Grimms im 2.0-Format

Sigi Domkes märchenhaftes Gewimmel.

Sigi Domkes märchenhaftes Gewimmel.

Foto: HenseLowsky Boschmann Verlag

Essen.  „Geißlein, Prinzen und ein kross gegrilltes Schaf“: Sigi Domke schnappt sich erneut Grimms Märchen, von Bremens Stadtmusikanten bis Frau Holle.

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Mal ehrlich: Wenn die Brüder Grimm ihre Märchen erzählen, dann sind das zwar Klassiker, aber mit dem Leben von Menschen wie Du und ich haben die doch nichts mehr zu tun. Höchste Eisenbahn also, dass jemand mal Märchen im 2.0-Format erzählt, zeitgemäß und auf der Höhe der Technik, angepasst an die klare Sprache bei uns hier im Ruhrgebiet. Und da ist Sigi Domke unser Mann: Er hat schon 2012 mit „Wie sieht denn die Omma aus?“ dem Rotkäppchen ein schickes Outfit verpasst. Und nun geht es mit „Geißlein, Prinzen und ein kross gegrilltes Schaf“ in die zweite Runde…

Nehmen wir als Beispiel „Dornröschen“, das bei den Grimms ja beginnt mit: „Vor Zeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag: ,Ach, wenn wir doch ein Kind hätten!‘ und kriegten immer keins.“ Da kommentiert dann Domke lebensklug: „Nur reden is da eben auch nich zielführend. Man muss auch wat tun.“ Domke schwadroniert herrlich durch die allzu bekannten Märchen, vergleicht „Die Bremer Stadtmusikanten“ mit tierischen Beatles oder AC/DC, bei denen der Esel die musikalische Marktlücke in Bremen wittert, den Hund von der Fahrbahn aufgabelt, wo er hängt als hätte er „zu lange am Dieselauspuff geschnüffelt“.

„Wenn man faul is, hat man en Leben lang Pech!“

Dann kommt noch die heiße Mieze dazu und… Ach, die Hähne krähen schon von den Dächern, wie es weitergeht. Der Revier-Erzähler Domke erzählt ganz souverän und erfrischend, wie man es aus seinen Büchern, Theaterstücken oder den Herbert-Knebel-Nummern, an denen er mitschreibt, gewohnt ist vom „Tischlein deck Dich“, dem „Aschenputtel“, „König Drosselbart“ oder „Frau Holle“.

Und er bemüht sich, immer ein hübsches Fazit aus den Märchen zu ziehen, etwa: „Wenn man faul is, hat man en Leben lang Pech!“ Von welchem Märchen dieses Fazit stammen könnte? Na, bitte mal nicht so faul sein, sondern in Domkes Märchen nachlesen.

Sigi Domke: Geißlein, Prinzen und ein kross gegrilltes Schaf – Grimm‘sche Märchen zum Abrollen, mit Illustrationen von Michael Hüter, Henselowsky Boschmann, 96 Seiten, 14,90 €

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