Konzert

Take That in Düsseldorf: Weißes Konfetti und Glückstränen

Foto: Thomas Brill

Für 4 500 weibliche Fans 40plus ist es ein lustvoller Rücksturz in die Teeniezeit: Wir waren beim Take-That-Konzert in Düsseldorf. Kreisch!!!

Düsseldorf. Sie betteln, sie flehen, sie schluchzen. Argumentieren, diskutieren und gestikulieren. Suchen nach einer Lücke, einer passenden Gelegenheit, dem richtigen Moment. Eine hält ihr von LEDs umkränztes Plakat hoch, so als sei das ein Passierschein, eine andere wagt wild tanzend den Durchbruch. Und die Blondine mit den hochhackigen Sandaletten und den himbeerrot lackierten Zehennägeln geht derart heftig in Tuchfühlung, dass sie als Täterin auf einer #MeToo-Liste für männliche Opfer auftauchen könnte. Um direkt vor die Bühne zu kommen, zu Gary, Howard und Mark, versuchen Frauen Samstagabend in Düsseldorf alles.

Take That sind in der Stadt. Oder das, was von ihnen übrig ist. Nämlich Gary Barlow (48), Howard Donald (51) und Mark Owen (47). In der Mitsubishi Electric Halle, wo das gealterte Trio, unterstützt von fünf Bandmusikern, den 30. Jahrestag seines Kennenlernens feiert, genügt das allemal. Das erste von vier Konzerten in Deutschland gerät zum Triumph. Und für 4 500 weibliche Fans 40plus zum lustvollen Rücksturz in die Teeniezeit. Kreiiiiisch!

Nicht nur die Security-Leute machen einen echt guten Job (angesichts all derer, die an ihnen vorbei wollen, behalten sie nicht nur eisern die Nerven, sondern auch die gute Laune). Die drei Veteranen der britischen Boygroup, die in den 1990ern einen, bis auf die Beatles, noch nie dagewesenen Hype auslöste, tun das auch. Wenn sie in Formation tanzen, ist das absolut synchron. Jede Drehung, jede Armbewegung, jeder Kniefall – alles passt. Auf den Punkt genau. Und auch stimmlich sind sie noch voll auf der Höhe.

Eagles rissen Fans bei Konzert in Köln von den Sitzen Knapp 90 Minuten kurz gibt es „Greatest Hits Live“. Dass sich die Instrumente von Barlow, Donald und Owen nicht für solistische Großtaten eignen, sondern eher als Requisiten zu bewerten sind, tut nichts zur Sache. Wenn man nur noch einmal „It Only Takes a Minute“, „Could It Be Magic“ und „A Million Love Songs“ hören kann. „Pray“, „Everything Changes“ und „Babe“. Oder, um 21.36 Uhr, nach 42 Minuten – endlich, endlich – “Back For Good”. In der Halle regnet es: weißes Konfetti, Jugenderinnerungen, Glückstränen. „You can remember the Nineties?“ Was für eine Frage, Mr. Barlow!

Tolle Stücke wie „Giants“ und „Cry“ vom letzten, 2017 erschienenen Album, “Wonderland” zeigen jedoch, dass Take That den Sprung in die Jetztzeit geschafft haben. Und wer genau hinsieht, kann im Publikum auch Mädchen entdecken, die genauso alt sind, wie ihre Mütter damals waren.

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