Klavierfestival

Triumph für Argerich und Maisky beim Klavierfestival

Martha Argerich und Mischa Maisky, gefeiert in Essens Philharmonie.

Martha Argerich und Mischa Maisky, gefeiert in Essens Philharmonie.

Foto: Georg Lukas

Essen.  Zwei Granden der Klassik ernten beim Klavierfestival Beifallsstürme. Martha Argerich und Mischa Maisky rissen in Essens Philharmonie das Publikum hin.

Sie verstehen sich nahezu blind. Nur gelegentlich schaut die Pianistin Martha Argerich zu ihrem Duopartner am Cello herüber, zur Feinabstimmung von Takt und Tempo. Dann langt Mischa Maisky kräftig zu, entlockt seinem Instrument süffige Kantilenen oder aufregend schroffe Rhythmen. Und beide packt die große Leidenschaft.

Seit über 40 Jahren treten sie gemeinsam auf, haben sich zusammengeschweißt zum musizierenden Organismus. Argerich und Maisky spüren der tönenden Emotion in allen Facetten nach. Das erzeugt jede Menge Spannung: Der Cellist pflegt den feurigen Furor, die Pianistin liefert den Glanz. Maisky geht aufs Ganze, Argerich bleibt cool. Eine wunderbare Liaison ist das. Und sie funktioniert erstaunlich gut.

Dass beide schon über 70 sind – wer will das glauben ob ihres fulminanten Klavierfestival-Auftritts in der bis unters Dach gefüllten Essener Philharmonie. Freilich, sie mögen nicht die großen Klangtüftler sein, und ja, hier und da gibt es eine unsaubere Intonation, einen Fehlgriff, wirkt das Klavier zu dominant. Doch diese Einwände sind von geringem Gewicht angesichts von Brahms-, Schumann- und Schostakowitsch-Interpretationen, die bestechen mit feinen lyrischen Episoden und kantigen Ausbrüchen.

Sensibilität und Temperament zeichneten Argerich und Maisky beim Klavierfestival aus

So gehen Sensibilität und Temperament Hand in Hand. Bei Argerich und Maisky gibt es jedenfalls kein Zögern. Mit Vehemenz stürzen sie sich in die dunkel gefärbte, grüblerisch ernste 2. Brahms-Sonate, schwelgen im dichten Gewebe der Partitur, spielen ungemein ausdrucksvoll. Schumanns drei Fantasiestücke kommen hingegen überwiegend anmutig daher, in feinster dynamischer Abstufung. Aus Brahms’ romantischem Gestus entwickelt das Duo schließlich die breit angelegte Schostakowitsch-Sonate.

Jubel für das Duo Argerich/Maisky in der ausverkauften Essener Philharmonie

Anfangs verschwimmen noch die Konturen, doch rasch drängt das Skurrile, Enervierende in den Vordergrund. Düster klingt die Elegie des dritten Satzes, pendelnd zwischen gläsernem Ton und den Aufschreien einer gequälten Seele. Das derbe, wilde, sarkastische Finale kulminiert in wilder Raserei. Hier zeigen Argerich und Maisky nicht zuletzt, wie sehr sie auch Virtuosen sind.

Im Publikum Staunen, Ergriffenheit und großer Jubel. Drei Zugaben gibt’s, darunter Chopins „Introduction et Polonaise brillante“. Es ist zuerst Argerichs Stunde: Die einst in jungen Jahren den Chopin-Wettbewerb gewann, spielt hier in natürlichster Eleganz – die Krönung eines denkwürdigen Abends.

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