Konzert

Udo Lindenberg in Oberhausen: 12.000 Fans feiern Panikrocker

Udo Lindenberg am Dienstag in Oberhausen.

Udo Lindenberg am Dienstag in Oberhausen.

Foto: Olaf Fuhrmann / Funke Foto Services GmbH

Oberhausen.  Mit 12.000 Fans feierte Panikrocker Udo Lindenberg in Oberhausen eine große Party. Die schönsten, schrägsten Momente: So war das Konzert.

Mit nur einer Minute Verspätung begann die große Party: Pünktlich um 20.01 donnerte auf der Videoleinwand ein Flugobjekt namens „Panik 1“ heran, schwebte Udo Lindenberg in einem Raumschiff auf die Bühne. Mit 73 Jahren legt auch der Rockmusiker Wert auf Pünktlichkeit.

Leider konnte sein Publikum in der ausverkauften Arena Oberhausen nur bedingt liefern: Viele suchten da noch ihre Plätze, aufgehalten von enormen Schlangen und gründlichen Taschenkontrollen. 30 Songs und zweieinhalb Stunden später aber waren alle eine einzige große Familie: „Wir machen ein Foto“, trommelte Lindenberg sein Panikorchester auf der Bühne zusammen, die feiernde Menge im Rücken – „und ihr seid alle mit drauf!“.

Udo Lindenberg in Oberhausen – Das waren die schönsten Songs

Gleich zu Beginn gab Lindenberg alles: Zur „Honky Tonky Show“ tanzten Udo-Doppelgänger, fegte die ganze große Udo-Mannschaft über die Bühne. In den zweieinhalb Stunden war für jede Art von Fan etwas dabei, für die Jungen und Junggebliebenen: „Horizont“ zum Mitschmachten, „Sonderzug nach Pankow“ für Nostalgiker, „Alles klar auf der Andrea Doria“ mit Ich-bin-noch-fit!-Hüftschwung.

So richtig Gänsehaut brachte „Stärker als die Zeit“, bei „Sternenreise“ gab’s ein Handy-Sterne-Meer im Publikum. Das „Cello“ kam erst mit saloonfähiger Gitarrenbegleitung ganz frisch daher, dann hing der Himmel voller Cellistinnen im Engelsgewand – und unser Udo sang doch tatsächlich: „Und heute wohnst du in OBERHAUSEN und dein Cello steht im Keller...“

Das hat ein wenig genervt

Das groß geschriebene OBERHAUSEN in vielen Wortbeiträgen des aus dem quasi benachbarten Gronau stammenden Musikers kam zuweilen etwas ranschmeißerisch daher - hätte es gar nicht gebraucht! Außerdem: So ehrenwert die anti-kriegerische Haltung Udo Lindenbergs ist („Wozu sind Kriege da“), so ehrenwert sein Appell an die katholische Kirche, auch die Ehe von Schwulen und Lesben anzuerkennen („Du heißt jetzt Jeremias“) – rund um den Song „Ratten“ hat er sein Umweltbewusstsein und seine gefühlte Nähe zu den Fridays-for-Future-Protesten etwas zu sehr betont.

„Wenn er das so gut findet“, sagt die zwölfjährige Schülerin im Publikum, „dann soll er mal überlegen, was das ganze Licht hier Strom verbraucht.“ Von den vielen Plastikgirlanden und dem Konfetti, das aufs Publikum niederregnete, mal ganz zu schweigen!

So war die Licht- und Ton-Show

Auf der riesigen Videowand gab es nahezu zu jedem Song die passenden Bilder - vom Segelboot (klar: zu „Ich träumte oft davon ein Segelboot zu klauen“) bis zu Onkel Pös Kneipe („Alles klar auf der Andrea Doria“) und einer Kathedrale („Jeremias“), flankiert von perfekt inszenierten Lichtstimmungen. Dazu Pyrotechnik zum fulminanten Auftakt und Video-Projektionen aufs Publikum - hätte kaum besser sein können.

Auf den Ton traf das leider nicht zu, gerade zu Beginn dominierte das Schlagzeug zu sehr, brummten die Bässe alles andere an die Wand. Inklusive Udo Lindenbergs ohnehin vernuscheltem Gesang… Schade!

Das waren die (Ehren-)Gäste

Die „Kids on Stage“ aus Düsseldorf sind die ganze Tour mit dabei und ganz zauberhaft, wenn sie um weniger Kriege in der Welt bitten oder mit Artikeln des Grundgesetzes für mehr Toleranz werben. Die Solisten rund um Lindenbergs Panikorchester sind herausragend und werden von ihm gegen Konzertende ausführlich gewürdigt - da wirkt das Udoversum tatsächlich wie ein Reich der Liebe und Freundschaft.

Daneben holt er sich für (fast) jedes Konzert Ehrengäste dazu – in Hamburg sangen Johannes Oerding und Schauspielerin Maria Furtwängler. Und in Oberhausen? War Komiker Otto Waalkes der Überraschungsgast – und holte das Publikum in der Arena erstmals von den Sitzen, als er zur Melodie von „Englishman in New York“ sang; „Ich bin ein Friesenjung und ich wohne hinterm Deich...“ Und dann jodelte die ganze Arena!

Das war der schrägste Moment

Jodeln mit Otto ist zwar kaum zu toppen, aber was ein Panikrocker ist, der schafft auch das. So bunt war die Bühnenshow, dass man froh war um Udos knallgrüne Socken – so war er in all dem Getümmel noch immer gut zu erkennen.

Die seltsamste Verkleidung trugen jene beiden Boxer, die riesige Pappköpfe als Putin und Trump auswiesen: Die beiden zusammen in einem Boxring, so etwas kann sich wirklich nur ausdenken, wer „König von Scheißegalien“ ist.

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