Komik

Unbekannte Kompositionen und Texte von Komiker Heinz Erhardt

Heinz Erhardt in den 1970er Jahren.

Heinz Erhardt in den 1970er Jahren.

Foto: dpa Picture-Alliance

Essen.   40 Jahre nach dem Tod des Komikers Heinz Erhardt gibt es eine Überraschung für Fans: einen Dachbodenfund mit bislang unbekannten Kompositionen.

Was war er doch für ein Schelm. 1979 starb mit Heinz Erhardt einer der größten und beliebtesten, an Kästner, Morgenstern und Ringelnatz geschulten deutschen Komiker. Was der 1909 in Riga (Lettland) geborene „Willi Winzig“, so eine seiner Paraderollen aus der Wirtschaftswunderzeit, als musikversessener Kabarettist, Dichter, Schriftsteller und Schauspieler schuf, das war schon zu Lebzeiten „Kult“ und ist dies noch heute. Zur Überraschung seiner Fangemeinde gibt es 40 Jahre nach seinem Tod nun „noch ein Gedicht“.

Unbekannte Notenblätter und Texte von Heinz Erhardt

Nicht hinter eines Baumes Rinde, sondern auf einem Dachboden entdeckte seine Enkelin Nicola Tyszkiewicz einen wahren Schatz. Verschnürte Bündel, seit Jahrzehnten dem Staub des Vergessens ausgeliefert, enthielten Notenblätter mit unveröffentlichten Kompositionen und Texte aus den 20ern und 30ern. Frühwerke aus der Jugendzeit in Riga, als Erhardt eigentlich eine Karriere als Pianist anstrebte. Diese zum Teil erstaunlich sentimentalen Kompositionen hat die Enkelin nun von der NDR Bigband zum Klingen und Swingen bringen lassen.

Auch der Meister ist auf der CD „Heinz Erhardt – Seine Musik“ mit Vertrautem zu hören, doch im Zentrum stehen die Entdeckungen. Und die sind umso vergnüglicher und spannender, als populäre Schauspieler wie Axel Prahl, Wotan Wilke Möhring oder Stefan Gwildis den alten Noten einen aktuellen Klang geben.

Es lesen Hannelore Hoger oder Axel Prahl

Gwildis & Co bestreiten auch, unterstützt von Hannelore Hoger und Ingrid van Bergen, die CD „Seien Sie mal immer komisch“ mit köstlichen bekannten und bislang unveröffentlichten Geschichten, Gedichten, Liedern. Ob Axel Prahl „Die Made“ knurrt oder Wotan Wilke Möhring Erhardts gereimte Brief-Biografie an den „Spiegel“ für die zweite Magazinausgabe 1948 vorträgt – auch mit „fremder“ Stimme ist der unvergleichliche Wortwitz, sind die hintersinnigen Wortverdrehungen angesichts des alltäglichen Comedy-Wahnsinns eine Wohltat für Herz und Geist.

Hier und da (nein: da!) erhebt dann das Original erst sich selbst und dann seine Stimme: Die CD enthält lange Ausschnitte aus „bunten Abenden“ der 60er, als der Sprachakrobat sein Publikum mit jedem Ordnungsruf („Sizilium, Sizilium!“) noch mehr aus der Fassung brachte. Mit dem „Erlkönig“ oder dem „Pechmariechen“ kommen unweigerlich die Tränen. Des Lachens. Der Freude. Des Glücks. Zurück zum Schelm: Es kann nur einen geben.

Heinz Erhardt: „Seien Sie mal immer komisch“ und „Seine Musik“. Je CD 14,95 €. Argon Verlag

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