Uraufführung

Uraufführung von Frank Niehusmanns Oper in Essen

[ ... alles gut ... ] vom Ensemble "Oper, Skepsis und Gleisbau", Uraufführung am 1.6.2019 im Maschinenhaus Essen

[ ... alles gut ... ] vom Ensemble "Oper, Skepsis und Gleisbau", Uraufführung am 1.6.2019 im Maschinenhaus Essen

Foto: Foto: christian Spieß

Essen.  Dada, absurdes Theater, ein Hauch Pina Bausch: Frank Niehusmanns neue Oper ist ein Wechselbad. In Essen war jetzt die Uraufführung.

„Retrograde Amnesie!“ brüllt der Schauspieler. Der Kameramann liefert Schwenks zum Schwindeln, die Sängerin verströmt irre Vokalisen und über die Leinwand flimmern die bekannten Bilder von der Hochhaussprengung des Weißen Riesen. In einem chaotisch anmutenden Mix aus Textrezitation, elektronischen Klängen und Geräuschen, aus Choreographie und Videoinstallation präsentierte das Ensemble „Oper, Skepsis und Gleisbau“ die Uraufführung seiner neuen Produktion „[ … alles gut … ]“ im Maschinenhaus der Zeche Carl.

Frank Niehusmann schuf die Kammeroper „[ … alles gut … ]“. Premiere war in Essen

Was sich Allrounder Frank Niehusmann (Idee, Komposition, Texte und Regie) da ausgedacht hat, nennt er ganz simpel eine elektronische Kammeroper für acht Ordnungskräfte in fluoreszierenden Signalfarben mit uniformartigen Reflektorstreifen. Aha. Achtzig Minuten traktieren den Betrachter Wechselbäder aus Stille und Tumult, aus Stillstand und Multi-Aktion, aus Sinnsuche und Nonsens. Das hat was von Dada und Absurdem Theater, auch der Geist von Pina Bausch scheint vorbeizuschauen, nicht nur in Gestalt eines kriechenden Etwas mit spitzem Rüssel (Ausstattung und Kostüme: Anne Bentgens).

Auch in Dortmunds Theater im Depot ist die experimentierfreudige neue Oper zu sehen

Musikalisch erinnert manches an den Experimentalismus, etwa ein Spielzeugauto, das über eine E-Gitarre fährt; anderes wie das gestengesteuerte Theremin führt zurück in die Gründerzeit der elektronischen Musik. Über die von Thomas Kemper so saftig rezitierten Texte wie „Ich kannte mal eine, die war nicht ganz dicht …“ mochte man sich amüsieren und an Ingo Insterburg denken. Doch wenn ihm ein biblisch-messianisches „Ein Amerikaner wird kommen!“ ins Stottern gerät, wenn er fiktive Sensationsnachrichten aus Rom und Paderborn aufs Korn nimmt, visuell flankiert von Essener Straßenszenen und Überwachungskameras, dann schält sich die sozialkritische Absicht des Stückes heraus – ohne zum drögen Lehrtheater zu verknöchern.

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