Interview

Arnd Zeigler: „Ich moderiere meistens in Strümpfen“

| Lesedauer: 7 Minuten
Echte Liebe: Arnd Zeigler und der Fußball.

Echte Liebe: Arnd Zeigler und der Fußball.

Foto: Ben Knabe / WDR

Essen.  „Arnd Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ im Fernsehen ist Kult. Inzwischen geht der TV-Moderator aber auch auf die Bühne.

Seit 14 Jahren liefert Arnd Zeigler am späten Sonntagabend den humoristischen Nachschlag zum Bundesligageschehen. Seine WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ sendet der Bremer dabei ganz entspannt aus der eigenen Wohnung. Seit er vor vier Jahren auch die Bühne für sich entdeckte, muss er die heimischen vier Wände an der Weser aber regelmäßig verlassen. Vor seinem morgigen Auftritt in Kleve sprach Stefan Moutty mit dem 56-Jährigen über sein Programm „Hat schon gelb“.

Herr Zeigler, in Ihrem neuen Programm geht’s darum, wie Sie zum Fußballfan geworden sind. Gab‘s dabei ein Schlüsselerlebnis?

Arnd Zeigler: Das lief bei mir auf sehr ungewöhnliche Weise ab. Die einzige Triebfeder, Fan zu werden war, dass meine großen Brüder abends länger aufbleiben durften, wenn Fußballspiele liefen. Deshalb hab ich gesagt, ich möchte die Spiele auch gucken – einfach, um nicht so früh ins Bett zu müssen. Das war mein Einstieg, darüber hat sich alles andere entwickelt. Es geht im Programm aber auch darum, warum man all die Jahre eigentlich Fan geblieben ist.

Gab’s denn mal Momente, wo sie dem Fußball den Rücken kehren wollten?

Den gab’s so noch nicht. Aber ich glaube wir sind in einer gefährlichen Zeit, in der wir vieles erleben, dass uns be- bzw. entfremdet. Wir haben eine WM in Katar vor uns, auf die sich niemand freut. Wir haben anderthalb Jahre Geisterspiele hinter uns, wo man uns suggeriert hat, „Leute, ohne euch Fans zu spielen, geht notfalls auch!“ In diesen Momenten ist es wichtig, sich daran zu erinnern, warum man eigentlich mal Fan geworden ist.

Weltmeister in der Grundschule

Wie war es denn bei Ihnen – nachdem Sie dann auch abends aufbleiben durften?

Meine älteren Brüder hatten damals schon gesammelt und sich Poster von Vereinen aufgehängt. Irgendwann wurde mir klar, dass ich davon auch Teil sein will. Als ich in der Grundschule war, boomte der deutsche Fußball gerade, wir wurden Europa- und Weltmeister. Da wollte ich auch im Verein spielen, hab Bilder getauscht …

Haben Sie noch Ihr erstes Fußball-Sammelalbum?

Mittlerweile hab ich es wieder. Wie bei so vielen Leuten wurde das Thema Fußball zwischenzeitlich ein bisschen weniger wichtig – als man seine erste Freundin hatte zum Beispiel. Ich fürchte, in dieser Zeit haben meine Eltern viel von meinen Sachen auf dem Dachboden entsorgt. Heute blutet mir das Herz, wenn ich daran denke. Ich habe mir über die Jahre aber alles wiederbeschafft, was mir am Herzen lag.

Die Leiden des Werder-Fans

Sie sind Fan und Stadionsprecher von Werder Bremen. Wie geht’s Ihnen damit zurzeit?

Nicht gut. Auch wenn das immer noch Jammern auf hohem Niveau ist – bei vielen anderen Vereinen würde man sich freuen, wenn man mit einer guten Mannschaft in der 2. Liga mitspielen darf. Und wir spielen ja jetzt wieder gegen den HSV, wir spielen gegen Schalke 04 ...

Welches Stadion in Deutschland – neben dem Weserstadion natürlich – mögen Sie besonders?

Ich bin in der Bundesliga immer sehr gerne in Bochum, das ist ein Stadion mitten in der Stadt, wo man dicht dran ist. Es ist aber auch schön bei kleinen Vereinen in unteren Ligen zu sein. Neulich erst war ich bei einem Freundschaftsspiel von Chemie Leipzig, bei klirrender Kälte auf einem Nebenplatz des Alfred-Kunze-Sportparks ...

Vorstellungsgespräch bei Frau Töpperwien

Sie befassen sich seit langem beruflich mit Fußball. Wollten Sie nie Sportreporter werden und mal das WM-Finale kommentieren?

Doch, und ich war immer schon ein Kind des Radios. Mit zehn hab‘ ich mir eine Doppel-LP mit den Hörfunk-Reportagen der besten deutschen WM-Spiele zum Geburtstag gewünscht. Damals hatte ich den Traum, irgendwann Sportreporter bei WDR 2 zu werden. WDR 2 hatte mit der legendären Sendung „Sport und Musik“ mit Kurt Brumme die beste Fußballsendung, die es damals im Radio gab.

Wieso sind Sie’s dann doch nicht geworden?

Weil ich gemerkt habe, dass man als Reporter distanziert, neutral und sachlich sein muss. Das hat sich mit meiner Fußballleidenschaft so gar nicht vertragen. Vor vielen Jahren hatte ich sogar ein Vorstellungsgespräch bei Frau Töpperwien, der Sportchefin vom WDR-Hörfunk. Das war ein tolles Gespräch, und ich habe mich sehr über diese Chance gefreut. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich mir die notwendige Neutralität für diesen Job nicht zutraue. Später hatte ich das große Glück, dass der WDR mir meine Fernsehsendung ermöglicht hat, bei der ich Fan bleiben darf und nicht neutral sein muss.

Und die dürfen Sie sogar live von zuhause senden, oder?

Die kommt aus meiner Wohnung. Wenn ich die Sendung mache, muss ich nur eine Treppe runter.

Dann könnten Sie also auch in Pantoffeln moderieren?

Ehrlich gesagt moderiere ich meistens in Strümpfen (lacht).

Nach der Sendung in die Kneipe

Was machen Sie nach der Sendung – Treppe rauf und ins Bett?

Nein, nach der Sendung gibt’s ein Ritual. Auch wenn das von Corona zuletzt gestört wurde. Normalerweise kommt immer ein Redakteur aus Köln nach Bremen. Dann machen wir die Sendung zusammen und hinterher gehen wir bei mir um die Ecke in eine gemütliche Absturzkneipe, flippern noch ne Runde und trinken ein Bier zusammen.

Vor vier Jahren sind Sie erstmals auf Tour gegangen. Eine große Umstellung?

Ja, und ich habe das auch nie geplant – meine Agentur kam mit der Idee. Ich wollte das eigentlich nicht. Aber irgendwann hat meine Agentur einfach die Hamburger Markthalle gebucht. Weil ich dachte, das Publikum findet vielleicht doof, was ich mache, habe ich eine Band eingeladen – dann hätten die Leute wenigstens noch Musik gehört, wenn sie hinterher enttäuscht nach Hause gehen. Es wurde aber ein wunderschöner Abend. Nach 20 Sekunden hab’ ich gemerkt, dass das Riesenspaß macht und die Leute wollen genau das, was du machst.

>>> Arnd Zeigler live:

Termine: 23.11. Kleve (Stadthalle), 7.12. Dortmund (FZW), 8.12. Düsseldorf (Savoy), 8.2. Unna (Stadthalle), 8.3. Köln (Tanzbrunnen), 9.3. Oberhausen (Luise-Albertz-Halle; VVK noch nicht gestartet), 15.3. Bochum (RuhrCongress), 4.5. Mönchengladbach (Rotes Krokodil im Kunstwerk), 28.9. Soest (Stadthalle). Karten für ca. 30 € auf www.ruhrticket.de.

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