Interview

Zauberstar Marc Weide: „Ich will Copperfield in meiner Show“

Macht gerne viel mit Spielkarten, aber auch anderen gängigen Gegenständen: Marc Weide aus Gevelsberg

Macht gerne viel mit Spielkarten, aber auch anderen gängigen Gegenständen: Marc Weide aus Gevelsberg

Foto: Sven Schomburg / WP-Bild

Essen.  2018 wurde Marc Weide Zauberweltmeister. Im Interview spricht der Gevelsberger über sein aktuelles Solo-Programm und Magisches während Corona.

Nach dem Erlass der Kontaktsperre sprach Marc Weide auf seiner Internetseite das aus, was wohl viele Magier auf diesem Planeten dachten: „Ab nach Hogwarts, da findet mich der Virus nie!“ Ein Gewinn für die Hexereischule im Harry-Potter-Universum wäre der 28-Jährige sicherlich, ist er doch amtierender Weltmeister der Zauberei in der Kategorie Salonmagie. Wie so eine WM abläuft, womit er sich aktuell beschäftigt und wie er sein aktuelles Programm „Kann man davon leben?“ gestaltet, verrät der Gevelsberger im Gespräch mit Patrick Friedland.

Und, hat‘s geklappt mit Hogwarts?

Marc Weide: Leider nicht (lacht) Das ist halt das, was die Leute direkt immer mit Zauberei assoziieren, deswegen reite ich da gerne drauf herum.

Welches Haus wäre es denn geworden?

Ich denke Gryffindor. Ich bin einer von den Guten – obwohl ich optisch näher an Draco Malfoy dran bin.

Ich las, Sie lassen hier und da mal Geldscheine zu Supermarktkassiererinnen schweben? Die hätten‘s ja gerade verdient …

Das würde gut passen, aber ich mache es in letzter Zeit nicht. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich die damit eher ärgern oder nerven würde. Ich zeige mir den Trick aber noch zuhause vorm Spiegel bei laufender Kamera.

Haben Sie denn schon einen Klopapier-Trick auf Lager?

Tatsächlich ja, den habe ich auch schon auf der Bühne vorgeführt. Wäre eigentlich ein guter Moment, um ihn wieder zu bringen. Aber ich bräuchte einen Mitspieler, dem ich nahe treten müsste – das ist gerade schwierig.

Sie zeigen in der Corona-Phase Livestreams auf Instagram. Was ist da noch geplant?

Ich kann das nicht jeden Tag oder alle drei Tage machen, irgendwann gehen einem auch die Tricks aus, die man alleine vorführen kann. Daher will ich die Streams jetzt verstärkt mit anderen Kollegen durchziehen. Gerade habe ich mit einem Magier aus Hongkong telefoniert, der ganz anders mit der Situation umgeht und seine Tricks völlig anders vorführt als ich. Wir werden auch noch einen Stream mit einem Magier aus der Ukraine und einem aus Deutschland bringen. Ein regelmäßiger Turnus ist aber nicht möglich.

Was machen Sie gerade, um sich die Zeit zu vertreiben?

Ich zaubere jeden Tag, schaue, wie ich Tricks verbessern kann, schreibe Texte für die Bühne und Texte, die ich danach wegschmeiße. Aber dann habe ich es wenigstens versucht. Zudem lese ich viel, aber in meinem Home Office verschwimmen Arbeit und Freizeit aktuell so stark. Ich will eigentlich eine Serie gucken, dabei habe ich allerdings ein Kartenspiel in der Hand. Man fährt nie 100 Prozent runter und macht alles auf einmal. Das ist schwierig.

Zaubern via Social Media ohne Publikum ist nicht so das Wahre, oder?

Zum einen macht diese Art von Vorführung viele Tricks unmöglich, zum anderen lebt meine Show enorm von Gesprächen mit den Besuchern. Dieses Sterile, nur mit einer Münze in der Hand vor einem Handy vor der unaufgeräumten Couch zu sitzen, sorgt dafür, dass ganz viel nicht rüberkommt. Ich würde so mein Leben lang nicht weiter zaubern wollen.

Und es gibt einen Wettbewerb über Instagram und Facebook, bei dem die Leute ihre Amateurzaubervideos einschicken sollen ...

Meinem Kollegen Alexander Straub und mir werden sehr viele Videos von jungen Zauberern geschickt, die uns nach Tipps und Verbesserungsvorschlägen fragen. Der Wettbewerb richtet sich aber nicht nur an junge Leute, auch mit 40 kann man schließlich noch Nachwuchskünstler sein. Es geht darum, dass sie die Möglichkeit bekommen, ihre Tricks mal vor einer größeren Gemeinschaft zu zeigen. Die ersten drei Plätze gewinnen einen Bühnen-Slot bei einer meiner Shows mit Termin nach Wahl (siehe Kasten unten).

„Es braucht keinen Elefanten im Wohnzimmer“

Wie kann man Sie denn beeindrucken?

Natürlich ist es schwierig, Perfektion von jemandem zu erwarten, der gerade anfängt. Aber: Es ist nicht immer der Trick an sich, der mich beeindruckt. Man kann einen Trick auch superlustig oder einfach interessant, irgendwie besonders verpacken. Es braucht also keinen Elefanten im Wohnzimmer.

Ihr neues Live-Programm heißt „Kann man davon leben?“. Und, kann man?

(lacht) Momentan natürlich nicht, weil die Auftritte fehlen. Aber generell: Klar doch. Ich habe das Programm so genannt, weil mir diese Frage oft gestellt wird. Das ist mein Hauptjob, aber viele Leute verbinden das, was ich mache, mit Zauberern, die auf Kindergeburtstage gehen oder als Straßenkünstler aktiv sind. In der Show kokettiere ich oft mit dieser Frage. Es gibt einen Trick, in dem ich viel Geld zaubere. Im zweiten Teil kommt ein Video, das zeigt, wie es aussehen würde, wenn ich nicht davon leben könnte – mit Jürgen von der Lippe, der als Pastor meine Beerdigung leitet.

Wie ist denn das Verhältnis Comedy/Zauberkunst?

Eigentlich wollte ich anfangs keine Comedy machen. Dann fragte ich die Leute nach den Shows, welchen Trick sie am besten fanden. Und viele sagten: „Ach soo, also die Tricks waren ja ganz toll, aber vorrangig haben wir gelacht“ Unterbewusst hat sich das so entwickelt, dass ich jetzt ein 50/50-Verhältnis habe. Manchmal erzähle ich auch fünf Minuten lang nur etwas – und dann kommen ganz viele Tricks schnell hintereinander.

Sie halten Ihre Tricks im intimen Rahmen. Wollen Sie nicht doch mal Autos verschwinden lassen?

Gar nicht. Das, was ich mache, ist eben sehr natürlich, organisch. Ich arbeite lieber mit Alltagsgegenständen. Wenn ich etwas mit einer Milchflasche vorführe, dann sehen die Leute auch: Ok, da ist kein doppelter Boden. Ich stehe aber gut mit den Ehrlich Brothers in Kontakt. Wir wissen, dass wir verschiedene Felder bedienen. Ich würde nie einen Monster Truck verschwinden lassen – und für die beiden wäre es wohl zu popelig, ein Seidentuch in eine Milchflasche zu packen.

Also keine gemeinsame Show?

Man könnte das sicher witzig aufziehen. Die machen den Kartentrick und ich lasse einen Lkw erscheinen. Aber noch ist nichts geplant. Ich glaube, ich horche mal nach ...

„Der Traum wäre eine eigene Fernsehshow“

Haben Sie bei Karrierebeginn daran gedacht, jemals durch TV-Shows ziehen zu können?

Nee. Das war sehr seltsam, diesen Promis dann direkt ins Gesicht zu schauen und krasse Einschaltquoten zu erzielen. Bei Eckart von Hirschhausen haben mich zwei Millionen gesehen, bei Jürgen von der Lippes Geburtstagsshow waren es vier Millionen. Dann wird man plötzlich auf der Straße erkannt. Es ist Teil des Jobs, aber irgendwie ganz schön abgefahren.

In welche Show soll es noch gehen?

Der Traum wäre eigentlich eine eigene Show. Muss auch nicht der größte Sender mit irrsinniger Reichweite sein. Es wäre schön, sich kreativ ausleben zu können.

Wer wäre Wunschgast?

In der Finalshow natürlich David Copperfield. In der ersten Show eher ein Deutscher, der zaubert. Sascha Grammel oder Jürgen von der Lippe.

Wie kommt Ihr Beruf denn privat an? Müssen Sie auf Feiern ständig etwas vorführen?

Das kommt leider immer noch vor. Bei WG-Partys fragen sie: „Und, was machst du so?“ Wer BWL studiert, mit dem entsteht kein Gespräch. Und ich bin Zauberer. Dann heißt es natürlich direkt: Mach ma‘ einen Trick! Dann drücken sie einem einen Kronkorken oder einen Geldschein in die Hand.

Spielen Sie das mit?

Wenn jemand charmant fragt, gern. Es gibt aber auch Leute mit so einer „Ey, mach ma‘! Lass ma‘ was verschwinden“-Attitüde. Da habe ich nicht so Lust.

Aber Sie haben immer etwas auf Lager, was spontan funktioniert ?

Ja. Da spielt es mir in die Karten, dass ich viel mit Alltagsgegenständen mache. Die Leute rechnen ja dann auch nicht damit, dass du einen raushauen kannst. Die sehen es nicht kommen, dass das Feuerzeug plötzlich verschwindet. Das ist schon ganz geil.

„Zaubern vor Zauberern ist wie Strippen auf einem Gynäkologenkongress“

Und wie kommt die Zauberei bei den Mädels an?

Gut. (lacht) Ich habe meine Freundin damit kennengelernt. Ich sprach sie mit einem Trick an. Nach einer Show in Hamburg ging ich noch in eine Bar, sie saß da und ich dachte: ‚Du hast nichts zu verlieren.‘ Ein Kartentrick – jetzt sind wir seit ein paar Jahren zusammen.

Kommen wir mal zur Zauber-WM. Wie läuft so ein Event ab?

Wir stehen uns jedenfalls nicht gegenüber und rufen „Expecto Patronum“ (ein Zauberspruch im Harry-Potter-Universum, d. Red.). Es kommen 150 aus aller Welt, die sich in mehreren Vorentscheiden qualifizieren müssen. Dann tritt man vor 2000 Zauberern im Publikum und einer achtköpfigen Jury auf und hat zehn Minuten Zeit, wer länger macht, wird disqualifiziert. Du musst zeigen, dass du kreativ, unterhaltsam, vielleicht auch lustig bist. Was gezeigt wird, ist die höchste Form der Zauberkunst. Das zu zeigen, ist schwerer als jede Matheklausur.

Das will was heißen.

Naja, zaubern vor Zauberern fühlt sich an wie Strippen vor einem Gynäkologenkongress. Was willst du denen zeigen, was die noch nie gesehen haben? Die machen das selbst alle so. Es ist wahnsinnig schwierig, die Jury zu täuschen, die haben 40 Jahre Erfahrung, das sind so Gandalfs und Dumbledores. Da waren viele Asiaten im Wettbewerb, die waren technisch perfekt.

Wie hat es dennoch geklappt?

Ich erfand einen Trick, den es so noch nicht gab, der humorvoll war und meine Persönlichkeit nach vorne brachte. Und merkte dann, dass ich die Leute auf einer anderen Ebene berührte. Technisch gut, nicht perfekt, aber sehr unterhaltsam, charmant und persönlich. Es war sehr spontan, ich bin auf Publikumszurufe eingegangen, habe ein paar koreanische Witze gemacht. Als Sprecher war ich super in meiner Rolle. Die Jury merkte: Der Typ ist anders als alle anderen.

Was gab es als Preis?

Leider kein Geld. Ein Pokal, Ruhm und Ehre. Und Buchungen in Russland, Schweden, Spanien und Frankreich.

Und wann verteidigen Sie den Titel?

Das nächste Turnier wäre nächstes Jahr, die WM findet alle drei Jahre statt. Aber ich will da nicht antreten. Ich könnte nur verlieren, denn selbst wenn ich Zweiter werde, was sehr gut wäre, sagen alle: Der hat nachgelassen.

INFO >>> Marc Weide auf Tour:

Termine (unter Vorbehalt): 12.5. Monheim (Spiegelzelt), 13.5. Krefeld (KuFa), 14.5. Waltrop (Majestic), 15.5. Dortmund (Fritz-H.-Haus), 16.5. Hagen (Stadth.), 1.9. Essen (Weststadth.), 27.10. Oberhausen (Ebertbad), 28.10. Düsseldorf (Savoy), 6.11. Paderborn (Paderhalle), 13.11. Attendorn (Stadthalle), 18.11. Gelsenkirchen (Kaue, verlegt vom 27.3.), 29.11. Münster (Kap. 8), 20.1. Duisburg (Grammatikoff, verl. vom 1.4.). Karten ab ca. 24 €. Teilnahme am Zauberwettbewerb via Instagram (https://www.instagram.com/marc.weide/?hl=de) oder Facebook (https://www.facebook.com/MarcWeide.Zauberer/).

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